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Mein zweites Jahr mit Panini.

5. Dezember 2016

Als ich im vergangenen Jahr auf die ersten 12 Monate mit meinem Hund zurückgeblickt habe, war ich voller Optimismus, was die nächste Zukunft betrifft. Nie im Traum wäre mir eingefallen, dass unser zweites Jahr so viel schwieriger werden würde als das erste. Schließlich war bereits das ein schwerer Brocken.

2016 aber hat alles noch einmal getoppt. Panini wurde drei mal operiert und ist nun ein echter Profi für Vollnarkosen. Mit ihren fünf überstandenen Tiefschlafstrecken kann ich jedenfalls nicht mithalten. Am 23.12. 2015 riss sich Panini bei einem fröhlichen Spaziergang im Feld das zweite Kreuzband, am 29.12. wurde sie operiert. Somit fing das Jahr schon nicht so prickelnd an. Und trotzdem hatte ich keine Vorstellung davon, wie sehr wir uns die folgenden 6 Monate quälen mussten. Das Happy End aber kann ich mit diesem Bild schon mal vorwegnehmen.

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2. Januar 2016

Ich habe eine schwierige Nacht, Panini will um 4 Uhr raus, Pipi machen. Und dann um halb 8 noch mal für ein größeres Geschäft. Im Garten findet sie dafür nicht den rechten Platz, vielleicht will sie auch ihren Bereich nicht beschmutzen.

Na gut, dann eben raus auf die Straße und ab zum Grünstreifen. In der Schlafanzughose. Es ist halt alles durcheinander, sie macht jetzt nur einmal am Tag und manchmal reicht das nicht. Außerdem kann sie sich nicht recht lassen, heute Nacht hatte sie Probleme mit dem Liegen, am besten ging es noch auf dem Boden. Das spricht für Rückenschmerzen. Sie will ins Bett, da muss ich sie ja immer rein heben. Dann bin ich natürlich wach. Dort sucht sie ewig nach der besten Position und weiß nicht, wie sie liegen soll. Ich habe ihr heute früh eine halbe Schmerztablette gegeben, ich denke, das tat gut. Ich werde gleich mal den Tierarzt anrufen, ich glaube, sie sollte Schmerzmittel nehmen die nächsten Tage, damit sich im Rücken nichts anbahnt. Jetzt hat sie ordentlich gefrühstückt und liegt ruhig. Wenn das Tier eins kann, dann fressen, in jeder Lebenslage.

3. Januar 2016

Panini setzt noch immer das Füßchen nicht auf, auch nicht beim Fressen und das ist schon ungewöhnlich. Da sie es ja nicht mal probiert, hilft auch kein Schmerzmittel. So baut das verletzte Bein immer weiter ab und das Arthose-Beinchen ist weiterhin stark belastet. Wir können nur das Minimum machen und der ganze Panini-Körper wird immer schwächer. Leider ist unsere Physiotherapeutin noch in Urlaub und wir haben erst am 19.1. einen Termin. Die bräuchten wir jetzt dringend.

6. Januar 2016

Panini schläft immer noch schlecht und ich damit auch. Ich liege am Fußende quer, damit ich nah bei ihr bin. Sie zerwühlt immer wieder ihre Decken und hat Mühe, Schlaf zu finden. Das arme Ding.

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7. Januar 2016

Wir haben jetzt einen Hundebuggy. So bekommt der Hund mehr Tageslicht und ich kann sie zu ihren Lieblingsklos fahren. Tut uns beiden gut. Leider friert sie schnell, wenn sie sich nicht bewegt. Da helfen nur Mantel und Decke. Ist halt ein bisschen unpraktisch das Ganze so im Winter.

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31. Januar 2016

Ich habe einen Termin in der Tierklinik gemacht. So geht es nicht weiter. Entweder, Panini ist so traumatisiert, dass sie nicht auftreten will oder das Bein ist instabil beim Auftreten. Da ich meinen Hund nicht für wehleidig halte, ist wohl zweites wahrscheinlicher. Wenn wir Glück haben, liegt es an etwas, das man von außen beeinflussen kann. Eine Verklebung, Ablagerungen, Verhärtung der Muskulatur, irgendso etwas. Wenn wir Pech haben, stimmt etwas mit der Gelenkkapsel oder dem Band nicht. Und dann muss man reingucken. Ich vertraue Panini. Wenn sie nicht auftritt, dann weil sie nicht kann. Ich sehne den Termin herbei. Es macht mich unglücklich, dass mein Hund so lange leiden muss. Alle wollen mich immer beruhigen, der Tierarzt, die Physiotherapeutin, der Osteopath. Aber mein Gefühl sagt mir die ganze Zeit, dass etwas nicht stimmt und ich will jetzt endlich wissen, was. Ich bin mir sehr sicher, dass mein Hund das Bein einsetzen will. Heute morgen ist ihr das andere Bein auf der Treppe etwas weggerutscht, jetzt tut ihr das auch noch weh. Sie wollte heute morgen sogar freiwillig schnell wieder zurück in den Wagen. Es geht so definitiv nicht weiter.

11. Februar 2016

Panini musste noch einmal operiert werden. Das Knie war instabil und konnte so nicht bleiben. Jetzt haben sie ihr Beinchen zersägt und anders wieder zusammengeschraubt. Teile des Meniskus sind auch kaputt gewesen und mussten raus. Als ich sie abholte, wusste sie nicht, wer ich bin und schon gar nicht, wer sie ist. Im Auto wollte sie sich nicht hinlegen. Ich setzte mich neben sie und habe einfach gewartet, bis sie zu erschöpft war um weiter stehen zu bleiben. Man kann einen frisch operierten Hund nicht mit Gewalt hinlegen und ein zugedröhnter lässt sich auch nicht überreden. Ich bin so froh, sie wieder zu haben.

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Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Von nun an werden wir kämpfen. Mit dem Verband und der Schlaflosigkeit. Mit Sauerstoffmangel und Bewegungslosigkeit. Ich werde wochenlang nicht mehr von ihrer Seite weichen und vier Kilo zunehmen. Ich werde den Rewe-Lieferdienst beauftragen, weil ich nicht mehr einkaufen gehe. Das Bein darf sich nicht infizieren, sie darf nicht lecken. Ein Halskragen bleibt bei ihr nicht dran. Da hilft nur aufpassen. Ich arbeite nur noch das nötigste. Es wird eine Weile dauern, bis Panini länger sitzen kann und wir wieder mit dem Wagen raus können. Doch auch dann wird sie wochenlang das Bein nicht oder nur kaum benutzen.

Im März denke ich, es geht bergauf. Doch dann gibt es wieder Rückschritte.

25. April 2016

Panini muss zur Kontrolle in die Tierklinik. Der Arzt sagt, es ist alles in Ordnung, der Knochen ist gut verheilt. Dass sie lahmt, kann er sich auch nicht recht erklären. Die Knie-Sehne ist etwas verdickt, aber das sei nicht ungewöhnlich. Ich soll Geduld haben. Nach fünf Monaten geht uns aber langsam die Luft aus. Mein Hund hat so wenig Muskulatur und schleicht nur noch um den Block.

9. Mai 2016

Ich habe viel über Goldimplantation recherchiert. Heute schreibe ich Dr. Horch in Schweinfurt eine Mail und schildere Paninis Situation:

Seit Dez. 2014 bei mir, ich nahm sie mit einem unbehandelten Kreuzbandriss (rechts), Arthrose war bereits vorhanden (siehe Röntgenbild vor der OP), schlechte Muskulatur durch fehlenden Auslauf

Dez. 2014: Kreuzband-OP rechts (Kapselraffung mit Bandersatz)

Nach der OP immer wieder Lahmen.

März 2015: Diagnose Spondylose vor allem der letzten Wirbel hinten (siehe Röntgenbild)

Röntgen der Hüfte ohne Befund

April 2015: Verdacht auf Meniskusschaden rechts in Folge des Kreuzbandrisses, Nachoperation. Erneute Glättung der Arthrose, Meniskus intakt.

Danach stetige Besserung bis zur vollständigen Wiederherstellung von Beweglichkeit und Lebensfreude.

Dezember 2015: Kreuzbandriss links, nachfolgend OP, wieder als Kapselraffung

OP nicht erfolgreich, Hund lahmt auch noch nach 6 Wochen (belastet das Bein überhaupt nicht), Knie bleibt instabil

Februar 2016: Nachoperation als TPLO, Meniskus muss teilweise entfernt werden

Hund belastet das Bein zwei weitere Wochen nicht, dann jedoch vier Wochen lang stetige Zunahme von Bewegungsfreude.

6 Wochen nach der OP: Stagnation. Seither wechselnde Tagesform, insgesamt wenig Besserung. Kontrollröntgen ohne besonderen Befund, Knochen gut verheilt, volle Beweglichkeit im Knie vorhanden, leichte Verdickung der Patellasehne (siehe Röntgenbild)

Situation/Symptome derzeit (13 Wochen nach TPLO):

  • Deutliches Lahmen hinten links
  • Empfindlichkeit im Rücken, teilweise schmerzhaft ausstrahlend in den Oberschenkel links
  • Schwierigkeiten beim Kot absetzen (Rücken wird ungern abgesenkt/gebeugt)
  • Hund geht häufig freiwillig im Schritt-Tempo
  • Hund wirkt oft erschöpft und müde, setzt sich häufiger hin
  • Meist hängende Rute, wedelt kaum
  • Öfter langsames, umständliches Aufstehen
  • Gelegentlich hecheln bei Spaziergängen (bis max. 30 min. Länge)
  • Lange andauernde Verschlechterung nach Physiotherapie (Cavaletti, Schwimmen)

Maßnahmen:

  • Schmerzmittel (zunächst Rimadyl, derzeit Onsior), bringt keine wesentliche Verbesserung
  • Physiotherapie (+ Ultraschallbehandlungen) 1x wöchentlich, bringt keine Verbesserung, eher Verschlechterung
  • Osteopathie 1x monatlich (seit ¾ Jahr vor allem als Unterstützung für den Rücken), bringt derzeit keine Verbesserung

Herr Dr. Horch ruft sofort zurück und wir machen einen Termin.

17. Mai 2016

Panini bekommt 42 Goldimplantate. Die Diagnose war nicht eben toll. Aber ich vertraue den Ärzten. In den nächsten Wochen werde ich für Panini bei Herrn Zebisch Orthesen anfertigen lassen, wie Dr. Horch es empfohlen hat. Sie wird sie tapfer annehmen.

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Die Goldimplantation ist nichts, was von heute auf morgen wirkt. Es folgt noch einmal eine schwierige Zeit, in der Panini erst zögerlich, dann aber immer entschlossener und freier beginnt, zu laufen.

Am 12. Juli, ein halbes Jahr nach dem Kreuzbandriss, sind wir zum ersten Mal wieder im Feld und sie darf mit den Orthesen frei laufen. Ich bin froh, dass wir sie haben, denn Panini ist noch wackelig auf den Füßen und hat kaum Muskulatur. Durch die Stabilisierung von außen sind die Knie geschützt.

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Im Laufe der nächsten Wochen trägt sie die Orthesen immer seltener, heute bleiben sie ganz in der Kiste. Panini braucht sie nicht mehr. Noch lange lahmt sie leicht – und dann, irgendwann im Oktober, ist das Humpeln plötzlich weg.

Sie hat im letzten halben Jahr so viel Muskeln aufgebaut wie nie. Sie ist kein Puddinghund mehr, sondern richtig kräftig geworden. Wir schlafen jetzt beide tief und fest und meist ohne Unterbrechung.

So kann das Jahr zu Ende gehen. Und das nächste Jahr wird dann unser Jahr. Dieses Mal ganz bestimmt.

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8 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 5. Dezember 2016 um 20:16

    Ach, liebe Heidi und liebes Brötchen. Was wünsche ich Euch ein tolles 2017.. von ganzem Herzen.

    Ich werde Silvester an Euch denken und mit Euch gemeinsam ein anstrengendes und bescheidenes 2016 verabschieden… 2017 wird super. Ich weiß es!

    • Antworten Heidi 6. Dezember 2016 um 9:47

      Oh, wie toll ist das, wenn Du an Silvester an uns denkst! Vielleicht wird Panini Silvester ja verschlafen wie letztes Jahr. Eigentlich ist das ja nicht so ihrs, aber vielleicht kriegen wir das nochmal hin. Es gibt einen Tierarzt, der empfiehlt etwas Eierlikör zur Entspannung für den Hund. Mal sehen, ob wir das machen. Danke für die guten Wünsche!!

  • Antworten Socke-nHalterin 5. Dezember 2016 um 20:45

    Was für eine traurige Krankheitsgeschichte, die zum Glück zunehmend zu einem Happy End geworden ist. Ich wünsche Euch, dass 2017 Euer Jahr wird.

    Leider ist Socke auch erkrankt und wir haben hier schwere Zeiten hinter uns. Jetzt, wo es ihr aber gut geht, die größten Baustellen – so Gott will – hinter uns liegen, geht es uns auch viel besser. Man leidet halt immer mit ….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Antworten Heidi 6. Dezember 2016 um 9:51

      Ja, ich habe gelesen, dass das Söckchen auch nicht unbedingt immer durchschläft … Euch auch alles Gute für 2017!

  • Antworten Andrea 6. Dezember 2016 um 8:32

    Liebe Heidi,

    wenn ich Deine Artikel lese, muss ich mnachmal weinen: vor Rührung, aber auch vor Dankbarkeit, dass Panini jemanden wie Dich gefunden hat! Danke!
    Ich wünsche Euch beiden von ganzem Herzen ein phantastisches und gesundes drittes gemeinsames Jahr!

    Alles Liebe und Grüße
    Andrea

    • Antworten Heidi 6. Dezember 2016 um 9:52

      Dankeschön! Und euch wünsche ich ein großartiges, gesundes, spannendes erstes Jahr!

  • Antworten Sabine Tremmel 28. Dezember 2016 um 19:04

    Liebe Heidi,

    ich wünsche euch beiden einen guten Rutsch ins neue Jahr!!! 🙂

    Viele Grüße
    Sabine

  • Antworten Matze 28. Februar 2017 um 17:48

    Wenn es mehr Menschen wie Dich geben würde, Heidi, wäre die Welt definitiv ein besserer Ort! Für Tiere in jedem Fall. 🙂

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