Talking to Panini

von Heidi

H: Hey Sweetie, seit wann kommst du schon beim ersten Mal, wenn ich dich rufe?
P: Bin ich ja gar nicht. Ich war schon da.
H: Du bist hier?
P: Klar. Wo denn sonst?
H: Ich dachte, du bist vielleicht in Italien oder so.
P: Was soll ich denn da? Da kennt mich ja niemand.
H: Panini, darf ich dich was fragen?
P: Hm?
H: Warst du gern mein Hund?
P: Du bist mal wieder komisch. Was denkst du denn?
H: Ich weiß nicht.
P: Du warst mein Zuhause, mein alles. Es war warm und kuschlig, du hast gut gerochen und wir waren immer zusammen. Das Essen hat toll geschmeckt. Wir haben oft zusammen Kekse gesucht. Ich kann mir nichts anderes vorstellen und ich wollte mir auch nie was anderes vorstellen.
H: So geht es mir umgekehrt auch. Ich gucke mir manchmal Hunde an, auf solchen Webseiten. Und dann denke ich immer: Schön und gut, aber halt nicht meine Panini.
P: Gibt es auch Webseiten, auf denen Hunde sich Menschen aussuchen können?
H: Ich glaube nicht.
P: Typisch.
H: Du kannst dich nicht beschweren. Du hast mich doch damals ausgesucht!
P: Wie hast du das gemerkt? Ich hab doch immer so getan, als ob du die Entscheidung getroffen hättest!
H: Ich hab dich durchschaut. Das hat leider nicht immer geklappt.
P: Wie meinst du das?
H: Ich hab dich oft nicht verstanden.
P: Du bist ja auch kein Hund. Ich hab dich auch manchmal nicht verstanden, weil ich kein Mensch war. Ist doch normal.
H: Ich muss aber immer drüber nachdenken. Und dann bereue ich Sachen.
P: Was ist „bereuen“?
H: Wenn man traurig ist, weil man etwas falsch gemacht hat, aber man kann den Fehler nicht mehr korrigieren.
P: Kriegt man dann was für das Traurigsein? Einen Keks oder so?
H: Nein. Man ist einfach nur traurig.
P: Dann würde ich das nicht machen, das mit dem Bereuen.
H: Mir fehlt deine Klugheit so sehr.
P: Du schaffst das schon.
H: Deine Aufmunterung fehlt mir auch.
P: Du brauchst einen neuen Hund.
H: Schickst du mir irgendwann einen?
P: Klar! Wenn du willst …
H: Aber bitte keinen, der krank ist.
P: Wenn ich wüsste, wie das geht, wäre ich jetzt beleidigt.
H: Das wollte ich nicht. Aber du weißt doch – wenn ein Hund krank ist, dann bin ich immer so besorgt und das alles.
P: Aber du hast doch eine große Medikamentenschublade! Und manche Tabletten sind richtig lecker. Die könntest du doch auch dem neuen Hund geben.
H: Ja, da hast du recht. Aber besser wäre es doch, wenn er gar keine brauchen würde.
P: Ja, stimmt schon. Müssen gesunde Hunde nicht zum Tierarzt?
H: Nicht so oft, wie die kranken. Du musstest ja früher auch nicht so oft hin.
P: Nein?
H: Nein.
(Pause)
H: Darf ich dich noch was fragen?
P: Klar.
H: War das schlimm für dich, das Kranksein?
P: Weiß nicht. Das war eben so. Warum willst du denn sowas wissen?
H: Weil ich mir so sehr wünsche, dass du ein gutes Leben hattest.
P: Warum sollte man sich etwas rückwärts wünschen? Das ist doch ganz unlogisch!
H: Ich weiß.
P: Ich hatte ein rundum gutes Leben. Und ohne dich wäre es viel kürzer gewesen.
H: Meinst du?
P: Natürlich. Und jetzt hör auf, dir rückwärts Sachen zu wünschen.
H: Ich vermisse dich eben so.
P: Ich würde dich auch vermissen, wenn du gestorben wärst. Wie verrückt.
H: Dabei hast du nie den Eindruck gemacht, als ob du mich vermissen würdest, wenn ich nicht da war.
P: Ich wusste einfach, dass du wiederkommen würdest. Ich wusste, dass du mich nie zurücklassen würdest.
H: Das ist schön, dass du das sagst.
P: Außerdem: Weißt du noch, als ich dachte, du wärst in die Bäckerei gegangen, dabei warst du noch draußen und hast mich fotografiert?
H: Oh ja! Da habe ich zum ersten Mal gesehen, wie du auf mich wartest. Es sah aus, als ob du mich vermissen würdest.
P: Siehst du.
(Pause)
H: Bist du jetzt immer da und ich kann dich Dinge fragen?
P: Immer. Aber denk nicht mehr so viel an bereuen und sowas.
H: Ich weiß nicht, ob das geht.
P: Du musst nicht traurig sein.
H: Bin ich aber.
P: Dann mach was Schönes. Ich würde an deiner Stelle einen ordentlichen Pansen essen und mich im Gras wälzen. Und viel Schlafen, das hilft auch.
H: Danke für die guten Tipps.
P: Und wir sprechen uns dann nochmal wegen der Hundesache. Ich kann da nix versprechen, aber ich kann mich ja mal umhören.
H: Das eilt nicht. Außerdem bist du ja mein Hund.
P: Das bleibe ich auch.
H: Für immer?
P: Natürlich für immer, das hast du mir doch am Anfang selbst versprochen.
H: Das ist gut.
P: Das ist es.

18 Kommentare

Katja 24. März 2024 - 15:33

Wie weise Panini doch ist!!!
Beim Lesen kamen mir die Tränen.

Antworten
Monika 24. März 2024 - 15:44

Hunde sind einfach due besten Therapeuten. So ein weiser Panini 💗

Antworten
Mareike 24. März 2024 - 15:52

♥️♥️♥️♥️♥️♥️

Antworten
Regina Meisterernst 24. März 2024 - 15:54

Wie immer den Nerv getroffen! ❣️
Danke!

Antworten
Anja 24. März 2024 - 16:45

Ich weine.

Antworten
kraulquappe 24. März 2024 - 17:25

Liebe Heidi,
das ist nicht nur ein ganz starker Text, sondern auch ein ganz starkes Stück Trauerschauer, in das Du Deine Leser mitnimmst…
Ich las Deinen Blogbeitrag kurz vor Aufbruch zur Hunderunde im Schneegestöber, was ideal gepasst hat: denn ob das Gesicht noch zwei Minuten länger trocken geblieben wäre oder ich gleich „nassgeschneit“ losmarschiere, macht äußerlich ja keinerlei Unterschied.
Herzliche Grüße aus dem Süden der Republik,
Natascha

Antworten
Simone 24. März 2024 - 17:47

So, so liebevoll und berührend! Vielen Dank für dieses wundervolle Gespräch.

Antworten
Kerstin 24. März 2024 - 18:13

Liebe Heidi,
vielen Dank für dieses wunderschöne Gespräch, das Sie hier mit uns teilen… fast schon zu intim, doch so tröstend und so voll Liebe, Kraft und Mut… „für immer“ – so einfach, wenn es aus dem Herzen kommt.
Von Herzen Danke 🙏🏻
Liebe Grüße
Kerstin

Antworten
Renate Reinbold 24. März 2024 - 19:11

So schön und so traurig

Danke

Antworten
Inken 24. März 2024 - 20:22

Ich ahnte es immer, aber nun ist es bewiesen: Das Brötchen war unglaublich weise!

Antworten
Doris Stadel 24. März 2024 - 21:06

Das ist so schön 😌 ich weiß noch, nachdem unsere Zwei gegangen sind, hab ich auch mit ihnen gesprochen…das hilft bei der Trauer… Liebe Grüße Doris

Antworten
Kirsten 24. März 2024 - 22:26

Liebe Heidi,
das ist so ein schöner Gedanken-Dialog zwischen dir und Panini, und genau so würde Panini mit dir jetzt sprechen. Sie ist für immer in deinem Herzen, und wenn sich eines Tages wieder ein Vierbeiner in dein Herz schleichen will, sei dir sicher, dass deine unvergessliche Panini ihn dir geschickt hat.

Antworten
Steffi 5. April 2024 - 18:45

Danke, für diesen wunderschönen Dialog, der mich sehr berührt hat … ❤️
Liebe Grüße von Nebenan!

Antworten
Britta 11. April 2024 - 17:26

🥹😁 Traurig, schön und lustig zugleich. Ja, Tiere sehen die Welt und das Leben wohl pragmatischer und weniger kompliziert als wir Menschen; manchmal beneide ich sie…

Antworten
Nicole 16. April 2024 - 20:35

Jetzt habt ihr zwei mich zum Weinen gebracht…

Antworten
Sonja B 26. April 2024 - 11:09

Das ist der schönste Trost-Freu-Wein-Hundebeitrag des Jahres.

Antworten
Emma 11. Juni 2024 - 17:07

Da liest man all die Abschiedsposts, und heulen tut man erst bei diesem.

Danke, dass wir dich und Panini durch all die Jahre begleiten durften, und immer noch dürfen. Ihr habt mich so oft zum Schmunzeln gebracht, und so viele schöne Momente im Kopf beschert.

Danke, euch beiden!
Und, es ist ein bisschen komisch, nach so vielen Jahren, dass sie jetzt drüben ist und ihre Ohren nicht mehr herumflattern. Aber es ist sehr schön, dass ihre Stomme noch da ist ❤️

Antworten
Marion 30. Juli 2025 - 6:25

So schön. Besser kann man es einfach nicht in Worte fassen wie Hunde denken.
Dein Text hilft mir – nach immer noch Schmerz und Trauer 3 Jahre nach dem Tod meines Seelenhundes.
Ich bin auch so eine Grüblerin und hadere mit meinen Fehlern.
Nun werde ich immer daran denken mich lieber im Gras zu wälzen. Auf den Pansen verzichte ich dann doch. 🙃
Danke!

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