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Wenn der Sommer zu Ende geht.

15. September 2021

An der Holztreppe im Arbeitszimmer hängen zwei dunkelblaue Regenmäntel zum Trocknen. Ein großer mit Kapuze und ein ziemlich kleiner mit Aussparungen für ein Hundegeschirr. Es wird Herbst. Auch für das Tier. Wir hatten einen schwierigen Sommer, das teilen wir mit vielen Menschen, die schwer krank sind oder wütend oder einsam oder alles zusammen. Von uns beiden ist nur eine krank, aber das genügt in diesem Fall für zwei. Seit vielen Monaten hat Panini Atemgeräusche, vor allem in Ruhe. Es rasselt und schleimt, es schnorchelt und schnieft in der kleinen Nase. Es könnte etwas mit der Schilddrüse zu tun haben, mit dem Kehlkopf oder einfach mit dem Alter. Sagten wechselweise zwei Tierärztinnen und eine Tierheilpraktikerin. Ich glaubte nichts davon, aber so vergingen Monate, in denen es dem Brötchen immer schlechter ging, es unbehandelt blieb. Die zweifarbige lustige Hundenase, die wie ein kleiner Gummistöpsel durch den Hundenapf zu toben pflegte, schwoll einseitig an, große Mengen schnupfige Flüssigkeit verließen sie ohne Pause.
Ich kürze jetzt ab, im Leben konnte ich es leider nicht, dann will ich es wenigstens im Schreiben. Weitere Tierärztinnen schauten sich die Sache an und endlich fand ich jemanden, die meine Einschätzung teilte, dass mein Hund ernsthaft krank ist. Jemand sah sich die Sache endoskopisch an, jemand nahm einen Abstrich, mehrere jemande interpretierten ein CT, jemand therapierte antibiotisch, jemand verordnete allerlei. Der Befund blieb trotz allem unklar und dem Brötchen ging es immer schlechter. Es bekam hörbar schlecht Luft, schlief unruhig, hatte offenbar Schmerzen. Eine Biopsie sollte ich vornehmen lassen, so der Rat, um einen Tumor ausschließen zu können. Oder eben auch nicht. Ich las das Internet leer und erfuhr, dass die Möglichkeiten, einen Nasentumor auf übliche Weise zu behandeln, für uns nicht in Frage kommen. Heilung gäbe es nicht. Eine Biopsie muss obendrein möglicherweise öfter wiederholt werden, weil das Ergebnis oft nicht eindeutig ist. Aber ein nicht eindeutiges Ergebnis hatten wir jetzt schon. Obendrein war das Tier nicht scharf auf eine weitere Vollnarkose. Ich wollte etwas, was sie stärkt, nichts, was sie weiter schwächt.
Ich packte alle Röntgenbilder, CTs und Laborbefunde und ging damit zu Ärztin Nummer 1, der Frau mit der Schilddrüsenversion. Sie sollte auf dem neuesten Stand sein, denn sie arbeitet nach TCM und ich wollte uns allen die Chance geben, hier einen guten Weg zu finden, um Panini zu helfen, ohne sie in einen Diagnostikmarathon zu schicken. Und so geschah es. Panini hat jetzt einen Behandlungsplan, der in kurzer Zeit ihren Abwärtstrend stoppte. Durch Akupunktur, Kräuter, Vitalpilze und Ozonbehandlung schwoll ihre kleine Gumminase deutlich ab, die Entzündung ging zurück, die schnupfige Flüssigkeit wurde weniger. Unternehmungsgeist kehrte in ihren Blick zurück. Und ich schöpfte Hoffnung, dass unser gemeinsamer Weg doch noch nicht so bald enden wird. So machen wir jetzt weiter, so lange es geht. Einmal in der Woche gibt es Akupunktur und Ozon, alles andere jeden Tag. Die Atemgeräusche sind geblieben. Die Chance auf Besserung aber auch.
Es kostet ungeheuer Kraft, Zeit und Geld, wenn niemand hilft, niemand glaubt, dass es ernst ist. Für mich als Soloselbstständige ein schwerer Brocken. Aber wir sind zurück im Spiel. Der Herbst kommt und wir sind noch da.

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6 Comments

  • Reply Susanne 15. September 2021 at 14:06

    Ohhh no…euch bleibt auch nichts erspart…ich hoffe mal ganz fest das Paninis Aufwärtstrend anhält….wäre ja langsam an der Zeit.

    Übrigens ich hatte dir vor ca 4 Jahren mal von Auras Kreubabdriss berichtet…da hattest du recht behalten…dieses Jahr hatten wir die zweite KB operation…wenigstens aber gut überstanden und die Epilepsie ist mittlerweile auch ganz gut unter Kontrolle…..mal so von Montagshund zu Montagshund 😉🐶
    Auf jeden Fall weiterhin gute Besserung für Panini🍀🍀🍀

  • Reply Elli 15. September 2021 at 18:26

    Oh je, das arme Brötchen – und Frauchen natürlich auch. Es ist ein Elend, wenn jeder Tierarzt was anderes sagt und nichts hilft. Tut mir so leid, was ihr alles mitmachen musstet.
    Aber Hauptsache, Panini geht es jetzt wieder besser. Wir wünschen euch alles Liebe

    Elli mit Hope

  • Reply Iris Gehlen 16. September 2021 at 13:31

    Hallo und guten Tag, ich wüsste gern den Namen der entsprechenden Spezialistin…

    Vielen Dank und alles alles Gute

    • Reply Heidi 17. September 2021 at 21:18

      Ich schick dir eine Nachricht …

  • Reply Socke-nHalterin 16. September 2021 at 18:36

    Alle guten Wünsche, viel Kraft und Zuversicht in der schweren Zeit. Es tut mir leid, dass Panini so leiden muss.

    Ich möchte Dir Mut machen. Im Mai 2018 bekamen wir die Diagnose Bronchialkollaps und gefäßeinbrechender Tumor an der Nebenniere. Wir entschieden uns gegen eine OP. Socke wird seitdem homöopathisch unterstützt. Es gab seit dem mehrere schwere Lungenentzündungen / Infekte, die uns glauben ließen, dass wir sie verlieren. Nein, Socke ist so tapfer und so feiern wir Ende Spetember ihren 14,5 Geburtstag. Ja, in dem Alter feiert man halbjährig. Der Aufwand und die Kosten sind enorm. Ich sage nur seit Dezember 2016 (chron. Magenerkrankung) jede Nacht aufstehen und füttern. Und auch ich bin voll berufstätig. ABER es lohnt sich und auch DU schaffst es. Von der Zuneigung und Verbundenheit getragen hat man Kraft zu tun, was zu tun ist.

    Alle guten Wünschen
    Sabine mit Socke

    Gibt nicht

    • Reply Heidi 17. September 2021 at 21:17

      Liebe Sabine,
      es tut mir gut das zu lesen, auch wenn ich gleichzeitig mit deiner Situation mitfühle. Was für eine Kämpferin dein Hund ist! Ja, du hast sicher recht, wir schaffen das, weil uns unsere Hunde so nah sind.
      Alles Beste für euch beide!
      Heidi & Panini

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