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Goldimplantation – die Diagnose

18. Mai 2016

In meinem letzten Beitrag habe ich ja bereits über die Goldimplantation geschrieben und meine wilde Entschlossenheit kund getan. Nun sind wir also aus Schweinfurt zurück, mit einer frustrierenden Diagnose, aber auch einigen guten Nachrichten.

Fangen wir mal hinten an. Panini hat an beiden Hüftgelenken eine Lockerheit von etwa 3 mm. Das Röntgenbild zeigt dem oberflächlichen Betrachter schöne Hüftgelenksknochen, die sauber in der Pfanne liegen, eine Arthrose oder knöcherne Fehlbildungen sind nicht zu sehen. Deshalb bezeichnete der Haustierarzt ihre Hüfte als „Musterhüfte“. Frau Dr. Horch, die sich etwa 2,5 Stunden mit Paninis Bewegungsapparat auseinandergesetzt hat, kann da nur tief seufzen. Liegen keine Veränderungen am Knochen vor, ist für die meisten Ärzte alles gut, sagt sie. Übersehen wird dabei das, was der Bandapparat tut. Paninis Bänder sind zu locker, Gelenkpfanne und Oberschenkelknochen sitzen nicht straff genug aneinander. Die unnatürliche Bewegung des Gelenks, die dabei in der Bewegung entsteht, ist für den Hund schmerzhaft, bei jedem Schritt. Sie bezeichnet die Fehlbildung als „Weichteil-HD“. Sie ist keineswegs selten, wird aber meist nicht erkannt. Erst wenn im fortgeschrittenen Alter Arthrosen auftreten, scheint plötzlich eine HD vorzuliegen.

Die lockere Hüfte ist nach Dr. Horch die Wurzel des Übels. Der Hund versucht die Schmerzen zu kompensieren und ändert sein Gangbild. So entstehen unnatürliche Belastungen, zu allererst auf die Knie. Es ist wahrscheinlich, dass die beiden Kreuzbandrisse durch diese Fehlhaltung entstanden sind. Die Bänder halten der Ausweichbewegung irgendwann nicht mehr stand. Beide Knie sind derzeit geschwollen und trotz der OPs nicht ausreichend stabil. Herr Dr. Horch bezeichnet die OP-Ergebnisse als höchst unbefriedigend und findet weitere deutliche Worte, insbesondere das Ergebnis der TPLO betreffend. Das war für mich der niederschmetterndste Teil der Diagnose.

Durch die Schmerzen in Hüfte und Knie und die daraus resultierende Fehlhaltung entsteht eine brettharte Muskulatur im Rücken (die wir monatlich mit Osteopathie zu lösen versuchen), sowie schmerzhafte Verkrampfungen. So ist die Spondylose entstanden. Der Körper versucht, durch knöcherne Zubildungen gegen den Schmerz zu arbeiten.

Da dem Tier hinten praktisch alles weh tut, verlagerte es sein Gewicht zunehmend nach vorn. Ich hatte zuletzt manchmal das Gefühl, eine kleine Schubkarre an der Leine zu haben. Dafür ist natürlich der Hundekörper nicht gemacht, der Großteil des Gewichts muss hinten liegen. In folgedessen hat das Tier eine Entzündung in beiden Schultern, die an einer Schwellung erkennbar ist.

Ellenbogen und Sprunggelenke sind ebenfalls stark belastet, die Sprunggelenke sind durchtrittig, der Hund belastet vor allem auf dem Fußballen und lässt den „Unterarm“ nach hinten kippen. In folgedessen nutzen sich die Krallen vorn nur ungenügend ab.

Obwohl das alles furchtbar klingt – mit Ausnahme des rechten Kniegelenks sind allenfalls Vorstufen von Arthosen auf den Röntgenbilden erkennbar (wenn überhaupt). Es sieht noch gut aus. Jetzt muss man etwas tun.

Panini ist laut Dr. Horch eine „Chronische Schmerzpatientin“. Auch am Schmerzmanagement (sofern überhaupt vorhanden) der behandelnden Ärzte gibt es Kritik. Um das Schmerzgedächtnis verblassen zu lassen und den Hund überhaupt mal zu entspannen, ist aus ihrer Sicht eine mindestens 2 Wochen andauernde Therapie mit einem effektiven Schmerzmittel in einer deutlich höheren Dosierung als bisher nötig. Danach kann man sehen, wie der Hund sich fühlt und gegebenenfalls weitere zwei Wochen Tabletten geben, bis die Goldimplantation ihre Wirkung entfaltet.

Maßnahmen sind also:

  • Die Goldimplantation. Panini bekam insgesamt 42 Implantate in allen genannten Gelenken
  • Schmerztherapie durch Tabletten (Onsior), bis das Gold wirkt
  • Bei längeren Spaziergängen soll Panini künftig Bandagen an den Sprunggelenken vorn und den Kniegelenken tragen, die für Stabilität und Entlastung sorgen, insbesondere, so lange noch nicht ausreichend Muskulatur vorhanden ist
  • Ihre Krallen wurden stark gekürzt und sollten langfristig kurz bleiben, damit sie besseren „Grip“ hat und sauberer laufen kann
  • Nach einer kleinen Ruhepause von etwa 3 Wochen kann wieder mit der Physio und dem Schwimmen begonnen werden

Es ist nicht gerade leicht, einem Tierarzt zu vertrauen, nachdem doch so einiges nicht eben glücklich gelaufen ist und ich mich immer wieder abgewimmelt und nicht ernst genommen gefühlt habe. Aber gestern bin ich mir das erste Mal nicht wie ein hysterisches Helikopter-Frauchen vorgekommen. Jeder meiner Hinweise und berichteten Symptome wurde ernst genommen und einbezogen. Paninis Aufenthalt in der Praxis währte 6 Stunden, nonstop war jemand bei ihr. Ihr Gangbild wurde gefilmt, viele komische Besonderheiten, die ich mir nicht erklären konnte, ergeben jetzt einen Sinn. Panini wurde sehr liebevoll behandelt, obwohl sie Panik vor Spritzen hat, hat sie sich ganz ruhig und ohne Hecheln Blut abnehmen lassen. Niemand schaute auf die Uhr oder drängte mich. Ich bin mir sicher, dass das das beste war, was ich für Panini tun konnte. Jetzt beginnt das warten. Ab wann es bergauf geht, kann man nicht vorhersagen. Es kann vier Wochen dauern oder vier Monate. Frau Dr. Horch sagt: Ich bin sehr sicher, dass es Panini helfen wird. Dann bin ich das jetzt einfach auch.

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1 Kommentar

  • Antworten Bali und Oliver 18. Mai 2016 um 23:56

    Gut, dass Panini dort richtig gut aufgehoben war auch wenn die Diagnose nicht so toll ist. Immerhin hast du eine Erklärung für all die einzelnen Beschwerden und ihr könnt mit einer sinnvollen und hoffentlich erfolgreiche Therapie anfangen. Wir drücken weiter Pfoten und Daumen.

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