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Goldimplantation: Unsere Zwischenbilanz nach 5 Wochen.

25. Juni 2016

Eine Behandlung durchführen zu lassen und dann vier Monate darauf warten, dass sie anschlägt, das ist schon ganz schön hart. Aber genau so ist es nunmal bei einer Goldimplantation. Auf so einer langen Wegstrecke kann man schon mal die Zuversicht verlieren, dass alles am Ende gut wird. So hoffe ich derzeit immer auf kleine Durchhalte-Effekte, auf Zeichen, die in die richtige Richtung weisen. Solche kann es durchaus auch weit vor Ablauf der fiesen 3-4 Monate geben, das versicherten mir zumindest Paninis Gold-Ärzte, das Ehepaar Horch in Schweinfurt.

Nun haben wir tatsächlich den ersten Monat geschafft, sogar ein Stückchen mehr und ich will mal wieder berichten, was sich tut. Nach etwa 3 Wochen hatte ich einen der oben angedeuteten Zuversichtseinbrüche. Es erschien mir so mühsam, mit Panini unterwegs zu sein. Sie hatte eine ungeheuer lange Anlaufphase von bis zu 10 Minuten. In der nahm sie immer wieder das linke Beinchen hoch, wenn sie etwas schneller voran kommen wollte. Die ersten Minuten gingen wir deshalb am liebsten im Schritt-Tempo. Auch am Ende des Spaziergangs wurde sie manchmal langsamer und trottete hinter mir her. Nach all den zähen Monaten fiel mir das Schleichen manchmal schwer und ich dachte: Na gut. Zu den frühen Respondern zählen wir schon mal nicht.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn wie ich ja schon nach zwei Wochen schrieb, gab es schon früh eindeutige Zeichen für eine Wirkung. Panini schüttelt sich herzhaft von Kopf bis zur Schwanzspitze, was sie so zuvor nicht tat und sie hat immer warme Füße. Letzteres ist deswegen so erstaunlich, weil besonders ihre hinteren Füße vor unserem Besuch in Schweinfurt fast immer kalt waren, unabhängig von den Außentemperaturen. Seither nicht ein einziges Mal. Es ist, als wäre eine Blockade verschwunden, als würde eine ordentliche Durchblutung endlich auch bis in die Füße der Hinterbeine gelangen.

Aber das sind nicht die einzigen Veränderungen. Nach dreieinhalb Wochen brachen wir mittags zu einem Spaziergang auf und sie nahm kein einziges Mal das Beinchen hoch. Die Anlaufphase gab es nicht mehr. Auch beim folgenden Spaziergang nicht. Ich wollte schon kreischend jubeln, doch beim dritten Gassi war das Humpeln wieder da. Allerdings viel kürzer als davor, sie brauchte nur zwei, drei Schritte, um wieder in einen fast normalen Gang zu verfallen. „Fast“ deshalb, weil ein leichtes Lahmen immer noch vorhanden ist.

Heute, fünfeinhalb Wochen nach der Goldimplantation, kann Panini so normal laufen, dass der flüchtige Betrachter nichts bemerkt. Wenn sie das Bein hochnimmt, dann nur für ein oder zwei Schritte. Sie kann locker traben. Galoppieren fällt ihr noch sehr schwer. An guten Tagen zieht sie mich wieder hinter sich her und ich muss Gas geben, so wie früher. Dann schaffen wir auch schon mal 40 Minuten. An schlechten muss ich sie zu 25 Minuten überreden.

Zum besseren Überblick alle Veränderungen seit der Goldimplantation:

  • Lockeres Schütteln bis zur Schwanzspitze
  • Immer warme Füße
  • Keine oder nur geringe Anlaufschwierigkeiten
  • Ausdehnung der Spaziergänge auf bis zu 45 Minuten
  • Zügiges Traben möglich, an guten Tagen fast durchgängig
  • Zu 90% der Zeit nur noch geringes Lahmen
  • Beknibbeln und Belecken der Hinterbeine nur noch selten
  • Freiwilliges Treppenlaufen bis in den 3. Stock mindestens 1x täglich
  • Nächtliches Aufstehen und Schütteln nur noch selten (schläft oft durch)
  • Insgesamt wacher und interessierter, weniger traurig
  • Hinsetzen an der Ampel nur noch selten
  • Abendliches Schmatzen, das auf Schmerzen hindeutet, nur noch sehr selten
  • Und das Tollste: Die hohe Dosis Schmerzmittel konnte schon nach 3,5 Wochen problemlos abgesetzt werden. Erst bekam sie einige Tage gar nichts mehr, danach nur noch Traumeel und das auch nur, um das Abschwellen der Patella-Sehne zu unterstützen.

Wenn man das so in der Auflistung sieht, ist es schon ganz schön groovy. Noch immer bewegt sich Panini nicht normal, sie kann nicht mal eben so losgaloppieren und auch über 5 Monate nach der TPLO kann sie sich nicht einfach auf das linke Bein stellen, um das rechte nach hinten wegzustrecken. Aber sie läuft Treppen und dabei muss sie zwangsläufig immer wieder das Gewicht auf das linke Bein verlagern. Sie humpelt dabei, aber sie tut es.

Unsere nächsten Schritte:

  • Weiter vorsichtiger Ausbau der Länge der Spaziergänge
  • Ausprobieren der maßgefertigten Orthesen, die hoffentlich bald eintreffen werden. Damit soll sie etwas mehr Strecke machen können, was dem Muskelaufbau gut tut.
  • Wiedereinstieg in die Physiotherapie, die wir vor etwa 8 Wochen abgebrochen haben. Derzeit üben wir nur zuhause wenige Minuten etwas Cavaletti, wie ihr hier seht (das Tier ist nach getaner Arbeit müde)

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Endlich habe ich das Gefühl, dass wir auf einem Weg nach vorne sind, dass Panini gesund und wieder laufen können wird, wie andere Hunde auch. Und dabei haben wir erst einen der drei bis vier Monate hinter uns, die ihr wirklich dauerhaft Schmerzfreiheit bringen sollen. Notiz an mich selbst: Wenn das nicht Mut macht!

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7 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 26. Juni 2016 um 11:28

    Liebe Heidi,

    ich glaube, es ist sehr weise, das mal niederzuschreiben. Ohne das kann es passieren, dass man (Du) die kleinen Fortschritte nicht sieht, die sich mir hier lesend nach großen anhören. Meine Güte, was hast Du für eine Geduld bzw. musst sie aufbringen. Das kleine Brötchen ist bestimmt total erfreut darüber.

    Gruß
    Anja

    • Antworten Heidi 26. Juni 2016 um 11:41

      Liebe Anja,
      da hast Du ganz Recht, ich kann leicht mal etwas übersehen oder vergessen, sie ist ja jeden Tag um mich herum und vieles wird schleichend besser. Auf einmal denkt man: Hm, das hat sie eigentlich schon sehr lange nicht mehr gemacht. Auch die Deutlichkeit des Humpelns nimmt in Millimetern ab. Und eines vergesse ich auch manchmal: Sie läuft jetzt OHNE Schmerzmittel enorm viel besser als noch vor 2,5 Wochen mit. Das ist dann schon ein sehr großer Schritt. Trotzdem sehe ich auch leider all die Dinge, die noch nicht gehen und wir haben noch eine Menge vor uns. Aber kluge Reha-Profis wissen: Man muss immer auf das Gucken, was man schon erreicht hat! 🙂

  • Antworten Martina 26. Juni 2016 um 13:25

    Das Brötchen hat solch ein Glück, dein Brötchen zu sein!!

  • Antworten Lizzy 26. Juni 2016 um 18:08

    Das freut mich für euch, dass die Vergoldung des Hundes das Leiden mindert – möge die Besserung voranschreiten.

    Wie verträgt sich Panini mit Katzen? Sie würde von der Größe her und dem sonstigen Typ nach meiner Meinung nach wunderbar zu einer hundeliebenden Katze passen, die sind gar nicht so selten und Hund-Katze-Vergesellschaftungen finde ich, wenn gelungen, immer herzerwärmend. Das täte allen beteiligten Seelen aber auf jeden Fall Paninis geschundenem Körper gut. Die Katze könnte seine Goldgelenke zusätzlich gesundschnurren. Aber natürlich müsste Panini jetzt schon mit Katzen klarkommen oder sie optimalerweise gerne haben. Sonst wird es bei erwachsenen Tieren schwer. Wie alt ist Panini eigentlich?

  • Antworten Heidi 27. Juni 2016 um 15:17

    Hallo Lizzy,
    ja, von ihrem Gemüt her könnte Panini gut mit anderen Tieren kuscheln und ich halte es auch für möglich, sie an Katzen zu gewöhnen – allerdings würde das dauern und es bräuchte eine stoische Katze. Denn Panini ist ja nun mal ein Jagdhund und findet Katzen da schon recht spannend. Sie ist 3,5 Jahre. Ich fürchte, das Kuscheln muss weiterhin ich übernehmen, ein weiteres Tier im Haushalt würde mich auch killen, da Panini durch ihre Baustellen viel Zeit und Geld bindet und ich ja auch allein lebe und selbstständig bin. Hier bei Abwesenheit die Versorgung zu organisieren (eine “Huta” ist nichts für einen gehandicapten, eher ängstlichen Hund) ist schon für ein Tier schwierig genug.

    • Antworten Lizzy 28. Juni 2016 um 6:54

      Ja bzw. nee, dann geht das nicht. Das ist dann erstens für dich schon mehr an Belastung als ich für mich wollen würde und zweitens könnte man Panini sicher noch an Katzen gewöhnen aber eine Liebe, so wie ich das meinte (und wie ich es mir eigentlich nochmal wünschen würde: Hunde und KAtzen so jung gemeinsam aufziehen, dass sie eine feste Gemeinschaft werden) mit gemeinsamen Tobe-, Kuschel- und Schlafrunden würde das nicht mehr. Bei Euch würde es vermutlich eher so ausgehen So ähnlich kannte ich es auch. Quax bekam als Welpe von einer hundehassenden Katze die Nase blutig geschlagen und hatte ab da einerseits Angst vor Katzen, jagte sie aber, wenn sie vor ihm wegliefen (aber nur genau so lange 😉 Er war etwa so alt wie Panini jetzt als in die Nachbarswohnung in Münster Mickey einzog, ein schwarz-weißer Kater. Die Türen der Wohnungen standen häufig offen weil die Kinder des Hauses miteinander befreundet waren und das dort einfach ging. Anfangs jagte Quax den Kater drinnen unter das Sofa oder auf Schränke und draußen auf Bäume – aber nicht lange. Nicht wir, sondern der Kater schaffte es in kürzester Zeit, den Spieß umzudrehen und bald sah man Bilder wie in dem verlinkten Video 😉
      Volker wuchs in einer alleinstehenden Mühle im Wald auf – mit Jagdhund, der auch so richtig ein solcher war und einen Zwinger hatte. Eine Katze nutzte den Jagdhund als Babysitter, indem sie kurzerhand ihre Jungen in dessen Hütte unterbrachte.

  • Antworten Claudia Morgenstern 20. März 2019 um 8:58

    Hallo Heidi,
    Auch wir waren bei Dr. Horch vor 4 wochen.
    Er lahmt aber noch sehr stark, vorallem jeden Abend obwohl wir ihn schonen.
    Wie geht es deinem Hind jetzt?

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