Draußen

Der arme Hund!

23. Juni 2017
Hund beißt Mensch

Hund beißt Mensch. So was kommt vor und das nicht einmal selten. In den letzten Tagen verfolgte ich eine Diskussion im Netz. Eine Dame schilderte darin einen Beißvorfall – ein Yorkie-Mix sei unvermittelt ohne Leine auf dem Bürgersteig auf sie zugestürmt und habe sie mehrmals sehr kräftig gebissen. Die Wunde musste ärztlich versorgt werden. Da die Hundehalterin uneinsichtig war, überlegte die Betroffene, die Sache zur Anzeige zu bringen. Sofort mehrten sich die Stimmen, dass das keine gute Idee sei. Das würde schließlich nur wieder einmal zu Lasten des Hundes gehen, der ja nichts dafür könne. Das Problem säße wie immer am anderen Ende der Leine – wobei ich mich fragte, welche Leine hier wohl gemeint sein könnte. Es gab ja keine. Der Hund (der Arme!!) würde womöglich eingeschläfert. Nein, eine Anzeige sei keine Lösung.

Ich bekomme regelmäßig einen nervösen Hautausschlag, wenn ich solche Sachen höre. Davon abgesehen, dass man in Deutschland nicht mal eben – hoppladihopp – Hunde einschläfert, geht es mir ungeheuer auf den Keks, welch fürsorgliche Kuscheligkeit Menschen abgefordert wird, die soeben eine schmerzhafte Verletzung erlitten haben. Nach den Interessen des blutenden Menschen, der sich nun in Wartezimmern herumtreibt, anstatt das zu tun, was er eigentlich an diesem Tag vorhatte, der sich Spritzen geben lässt und eine Tablette gegen Schmerzen einnimmt, fragt sehr schnell niemand mehr. Die Interessen des beißenden Hundes sind dagegen ein Heiligtum. Erstaunlicherweise schlagen dem Hund ungeheure Sympathien entgegen, der sich wohl „nicht anders zu helfen gewusst“ habe, als er einen Menschen anfiel.

Solche Diskussionen machen mir einen dicken Hals. Auf die verantwortungslose Hundehalterin, auf verharmlosende Diskutanten aber auch – und das scheint ein echter Skandal zu sein – auf den Hund. Das arme, unschuldige, hilflose Geschöpf. Ich kann es nicht ausstehen.

Wir zerschneiden Zecken mit der Schere. Wir machen Motten platt und lassen zu, dass unsere Bienen vergiftet werden. Wir essen mit Genuss Fleisch von geschundenen, gequälten Rindern und Schweinen. Allesamt grundunschuldige Lebewesen. Aber wer einen aggressiven Hund unsympathisch findet, der scheint sich wahrhaft zu versündigen.

Ich nehme mir frech heraus, Hunde nicht zu mögen. Es gibt welche, die finde ich blöde und nervig. Solche, die mich verbellen; solche, die Panini hassen und ihr Angst machen. Solche, die sogar mir Angst machen, obwohl ich keine Angst vor Hunden habe. Ich bin nicht der Meinung, dass die Stadt geifernde, in der Leine hängende unversöhnliche Tiere braucht. Dass der Halter das Problem ist, hilft mir nicht im Geringsten. Bei einer Begegnung habe ich ein Problem mit dem Hund. Wenn der Hund mich anfällt oder Panini, dann ist in diesem Moment der Hund das Thema, nicht der Halter.

Die Einseitigkeit der Diskussion impliziert immer auch, dass Hundehalter magische Kräfte haben. Dass sie in der Lage sein müssten, durch das „richtige“ Verhalten aus einem beißenden Monster ein Schmusehündchen zu machen. Es entsteht der Eindruck, dass der Halter wohl etwas „falsch“ gemacht haben muss, wenn der Hund sich derart sozial inkompatibel verhält. Aber es gibt nun einmal unverträgliche Hunde mit unauslöschbarer Vorgeschichte. Ich bin der Meinung, dass solche Tiere in der Stadt, wo es keine Ausweichmöglichkeiten gibt, nichts verloren haben. Nicht mit Maulkorb und nicht mit kurzer Leine. Gar nicht.

Wer mit seinem Hund mich oder Panini ernsthaft gefährdet, den melde ich einer zuständigen Behörde. Und wer darüber hinaus uneinsichtig ist und seine Pflichten mit Absicht vernachlässigt, den zeige ich an. Es ist meine Aufgabe, andere Menschen und Tiere davor zu schützen, dass sie ebenfalls von diesem Hund gefährdet werden. Darum geht es.

Vor wenigen Tagen trafen wir zum ersten Mal wieder auf den Hund, der Panini gebissen hat. Wir kamen aus einem Seitenweg, die Hunde konnten sich nicht sehen. Doch ich hörte Hundetatzen und blieb in einiger Entfernung stehen, um eine allzu plötzliche Begegnung zweier Hunde zu vermeiden. Da hörte ich es finster grollen und bald darauf markerschütternd bellen. Als ich den Hund sah, erkannte ich ihn sofort. Er hing in der Leine und drohte Panini. Es ist kein schönes Gefühl, wenn eine englische Bulldogge dem eigenen Hund mit fletschenden Zähnen droht, während ihr Besitzer sie nur mit viel Kraftaufwand halten kann. Paninis Körper sagte „Darf ich mich jetzt in Luft auflösen, bitte?“ Die Bulldogge ging weiter und hasste Panini noch eine Weile vor sich hin. Ich sagte: Komm Brötchen, nix wie weg von diesem scheußlichen Ort! Und wir rannten zum sicheren Hafen der nächsten Straßenecke.

Ich hatte die Attacke damals dem Ordnungsamt gemeldet und es hatte sich herausgestellt, dass die Bulldogge dort kein Unbekannter war. Heute trug sie keinen Maulkorb und kein Sicherheitsgeschirr. Ich kann nicht erkennen, dass sie in irgendeiner Weise in ihrer Lebensqualität eingeschränkt war. Es hatte sie auch niemand eingeschläfert. Nicht, dass ich das befürworten würde. Aber es ist mir ungeheuer egal, ob diese Bulldogge ein unschuldiges Dingelchen ist. Dieser Drecksack hat meinen Hund gebissen und das werde ich ihm für immer übel nehmen.

 

Bild: © werbeantrieb – istockphoto.de

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23 Kommentare

  • Antworten Inken 23. Juni 2017 um 21:17

    Liebe Heidi, wir hatten das Thema ja gerade. Und in vielen Punkten gebe ich Dir recht. Mal davon abgesehen, dass mir Menschen, die einfach jeden Hund mögen, eh suspekt sind. Ich mag ja auch nicht jeden Menschen..

    Und es ist tatsächlich pervers, dass wir den gebissenen Menschen so schnell vergessen – denn er kann häufig gar nichts dafür.
    Dennoch: Sehr, sehr häufig, kann auch der Hund der beisst, nichts dafür. Er beisst auf Grund von Erfahrungen oder auf Grund von falscher Erziehung oder weil er Angst hat. Deswegen muss man ihn nicht mögen. Man darf ihn sogar explizit nicht mögen.

    Das Problem ist auch hier: Was macht man mit dem Halter, der wie in Deinem Fall, nicht lernwillig ist? Denn er ist für den Hund zuständig. Ich persönlich ziehe es vor 1. den Halter total doof zu finden und 2 . ihm eine saftige Strafe aufzuerlegen – vermutlich wäre eine finanzielle Strafe die effektivste?!
    Was man mit dem jeweiligen Hund machen soll? Das ist die schwere Frage. Ich habe leider keine Lösung….

    • Antworten Heidi 23. Juni 2017 um 21:24

      Liebe Inken,
      dafür gibt es Fachleute, die diese Fragen zu entscheiden haben. Wir leben gottlob in Deutschland und nicht in Dänemark, wo Hunde aufgrund einer echten oder vermeintlichen Rassezugehörigkeit getötet werden. Ich habe damals mehrfach mit der Dame vom Ordnungsamt telefoniert und habe den Eindruck gewonnen, dass man hier mit viel Sorgfalt vorgeht. Wie man ja auch sehen kann. Sichtbare Sicherheitsauflagen gab es bei der Bulldogge zumindest nicht.
      Ich bestreite ja nicht, dass der Hund nichts dafür kann. Traumatisierte Menschen können auch nichts dafür. Ich möchte trotzdem nicht, dass sie mich nachts abstechen, weil ihnen danach ist.

      • Antworten Inken 23. Juni 2017 um 21:35

        Das verstehe ich 🙂

        • Antworten Stefan 18. Juli 2017 um 19:36

          …. ich nicht!

          Ich habe grundsätzlich ein Problem mit Leuten, die grundsätzlich der Meinung sind, daß der eigene Schnurzelpurzel auf der ganzen Welt der Liebste, Beste und Schönste ist und alle anderen in der Ihnen eigenen Absolutheit verteufeln und am liebsten Kreuzigen würden; egal ob im Kindergarten, in der Schule (was für behämmerten Müttern man(n) da über den Weg läuft) oder auf der Hundewiese. Denen Wünsche ich dann immer, dass ihr herzallerliebste Früchten auch mal so richtig über die Stränge schlägt und sie sich dann den gleichen Vorwürfen ihrer Mitmenschen gegenüber sehen, wie jene, mit denen sie selbst die Welt in gut und böse, lieb und garstig oder ‘Daumen hoch und ‘Daumen runter’ einteilen. Noch viel Freude mit Ihren Hunden und dass Ohr Wauwau in allen Lebenslagen ‘funktionieren’ möge!

          • Heidi 18. Juli 2017 um 20:41

            Ach herrje, welche Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen? Verteufelt denn hier irgendjemand “alle anderen”? Ich nicht. Und mein Hund “funktioniert” nicht. Aber er beißt weder andere Hunde noch andere Menschen und das finde ich, insbesondere in der Stadt, in der sehr viele Menschen und Tiere auf engem Raum leben, ziemlich unverzichtbar. Ich rede auch nicht von Rangeleien oder Auseinandersetzungen auf der Wiese, sondern von meinen Erfahrungen, bei denen sich ein Hund aus dem Geschirr wand, um meinen auf der anderen Straßenseite laufenden Hund aus dem Nichts anzugreifen und blutig zu beißen. Über diese “Stränge” sollte meiner Meinung nach ein Hund nicht schlagen. Und ich erlaube mir, ihn von Herzen unsympathisch zu finden, wenn er solches tut.

  • Antworten Schätersky und Frauchen 23. Juni 2017 um 22:28

    Liebe Heidi,
    ich liebe deine direkte, ehrliche Art zu schreiben! Ich frage mich auch manchmal, warum viele Menschen übertrieben wohlwollend gegenüber Hunden und gleichzeitig vollkommen gleichgültig gegenüber anderen Tieren (und manchmal auch anderen Menschen) sind. Wobei ich allerdings aus Erfahrung auch die Seite des “Problemhundehalters” verstehe. Nicht dass ich auf die Idee käme, mit ihm in die Stadt zu gehen. Geschweige denn, ihn dort ohne Leine laufen zu lassen. Aber ich habe auch schon Mist gebaut, war unaufmerksam und der kleine Mistkerl (ich liebe ihn sehr, aber manchmal ist er einer) hat eine Prügelei mit einem anderen Hund angezettelt. Und ich bin sehr dankbar, dass das nicht in einer Anzeige endete. 🙂
    Herzliche Grüße,
    Nora mit Mia und Kalle

    • Antworten Heidi 24. Juni 2017 um 11:48

      Hallo Nora,
      Danke! Ich habe Verständnis für Halter von schlecht gelaunten Hunden. Und eine Prügelei kann man sicher nicht zu 100% verhindern, es sind eben Hunde. Aber dieses gereizte Gegrolle in der Stadt (ich treffe hier große Hunde, die sind IMMER gereizt und sie werden von ziemlich zarten Frauen geführt), das ist in meinen Augen nicht lustig.

  • Antworten Lizzy 24. Juni 2017 um 8:44

    Das mit dem “Schuldbegriff” ist ja nun eine ziemlich komplexe Angelegenheit, die in allen erdenklichen Sichten seit Menschheitsbestehen immer wieder aufzudröseln versucht wird und letztlich landet man immer bei Adam und Eva und der “Erbschuld” quasi. Für mich ist der Begriff tendenziell verzichtbar und es stellt sich eher die Frage, welche Art des Gemeinlebens man möchte und vereinbart hat und wie zu erreichen ist, dies auch zu gewährleisten. Sprich: was tun wir, wenn der das gewünschte Modell von einigen konkret torpediert wird. In diesem Fall vom Hundehalter, der den Hund nicht am Beißen hindert und vom Hund, der beißt. Ich plädiere da auch für die Mehrfachschiene: “konkrete Maßnahmen, den Hund am zukünftigen Beißen zu hindern” (was von Leine über Maulkorb bis hin zur Tötung reichen kann je nach Einzelfall) und den Halte auf Haltertauglichkeit zu überprüfen und ihm ggf. die Tierhaltung zu untersagen.

    Die Frage nach dem Anteil einer Schuld halte ich für verzichtbar – Maßnahmen, weitere Vorfälle zu verhindern, nicht.

    • Antworten Heidi 24. Juni 2017 um 11:43

      Ein toller Kommentar, vielen Dank!

  • Antworten Eike Henriksen 25. Juni 2017 um 11:59

    Oh ja, ich kann es so gut nachvollziehen. Meine Golden Retriever Hündin, kastriert, saß im letzten Jahr neben mir um sich anleinen zu lassen, als ein 21 Monate alter Old English Bulldog Rüde sich aus weiter Entfernung auf sie stürzte und schwer verletzte. Anzeige beim Amt und Polizei, Ergebnis: Wesenstest “Der Rüde ist weder für Menschen noch Tiere gefährlich ” Keine Auflagen. Meine Hündin war der sechste Hund, der von dem Rüden attackiert wurde.
    Ich mag weder ihn, noch sein Herrchen:-(

  • Antworten Socke-nHalterin 25. Juni 2017 um 15:20

    Ich gebe zu, dass ich Deinen Stil zu schreiben sehr schätze. Besonders mag ich es, wenn man ehrlich ist und nicht um den heißen Brei redet. Ferner kann ich Deine Haltung nachvollziehen. Deine Empfindungen wie zum Beispiel …

    “Ich bekomme regelmäßig einen nervösen Hautausschlag, wenn ich solche Sachen höre”.
    Ich nehme mir frech heraus, Hunde nicht zu mögen. Es gibt welche, die finde ich blöde und nervig.

    hingegen sind mir fremd.

    Hunde, die Socke angegangen sind werden zukünftig weiträumig umgangen, Hundehalter, die ich nicht schätze, grüße ich kurz und gehe zügig vorbei und Hunde, die mir nicht liegen beachte ich nicht. Nerven oder nicht leiden können ist mir schon zu viel Aufwand. Ich bin wohl eher der defensive Typ, der eigentlich nur dankbar ist einen sozialverträglichen und lieben Hund an seiner Seite zu haben. Viele Gedanken und Gefühle an diese Hunde und ihre Halter lasse ich nicht zu.

    Ich denke, dass ich – wenn überhaupt – eher Mitleid habe mit den Hunden, wie Du sie beschreibst und auch deren Halter tun mir eher leid.

    Und gerade, weil ich so anders denke, fand ich Deinen Artikel interessant.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • Antworten Lisa mit Mirahund & Lisbethhund 28. Juni 2017 um 15:20

    Liebe Heidi,
    ich kann dich so gut verstehen.
    Es gibt einfach Hunde, deren Sozialverhalten so widerwärtig (oder gar nicht erst vorhanden) ist,
    dass man auf jede Begegnung gut verzichten kann. Gilt übrigens auch für die Halter.
    Ich habe für mich festgestellt, dass nette Menschen nette Hunde haben und totale Vollpfosten total unnette Hunde durch die Gegend schlörren.
    Vermutlich gibt es auch nette Menschen mit unnetten Hunden, aber die netten Menschen sind vermutlich so verantwortungsbewusst und vorausschauend im Umgang mit ihren unnetten Hunden, dass diese einfach nicht negativ auffallen.
    Liebe Grüße aus Ennepetal
    Lisa

  • Antworten Anna 12. Juli 2017 um 10:43

    Jein zum Artikel. Wäre der Halter des beißenden Hundes uneinsichtig und ignorant würde ich es auch melden.

    Aber die Praxisgebühr gibt es schon lange nicht mehr…

    • Antworten Heidi 12. Juli 2017 um 16:54

      Hahaha, warum sagt mir denn keiner was? 🙂 Ich war bis vor kurzem privat versichert und bin so gut wie nie beim Arzt. Ich dachte, das gibt es noch. Danke für den Hinweis, ich nehm es raus.

  • Antworten Petra Heilmann 9. August 2017 um 13:39

    Ich habe diese Seite erst gestern entdeckt und das ist mein erster Artikel den ich lese. Und ich muss direkt mal sagen, dass mir die Luft weggeblieben ist.

    Als erstes möchte ich anmerken, dass mir direkte Menschen immer lieber sind als diejenigen, die Nichts oder nur Nettes sagen, aber was anderes meinen.
    Allerdings stört mich an dem Artikel so einiges:

    1.) Es geht hier um eine im Netz verfolgte Diskussion.
    Ich zitiere: In den letzten Tagen verfolgte ich eine Diskussion im Netz. Eine Dame schilderte darin einen Beißvorfall – ein Yorkie-Mix sei unvermittelt ohne Leine auf dem Bürgersteig auf sie zugestürmt und habe sie mehrmals sehr kräftig gebissen. Die Wunde musste ärztlich versorgt werden.
    Das ist die Aussage der gebissenen Person. Was sagt denn der Hundebesitzer dazu? Sollte ich nicht beide Seiten hören, um mir eine Meinung zu bilden?
    Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren mit Hunden und ich behaupte, dass es keinen Hund auf dieser Welt gibt, der ohne Grund beißt. Es mag in dieser Situation unvermittelt gewesen sein, aber es gab sicherlich eine Vorgeschichte. Diese würde mich brennend interessieren.

    2.) ich zitiere: Davon abgesehen, dass man in Deutschland nicht mal eben – hoppladihopp – Hunde einschläfert, ………

    Leider ist es in Deutschland an der Tagesordnung, dass Hunde hoppladihopp eingeschläfert werden. Mehrere täglich möchte ich sogar behaupten. Und es werden nicht nur Hunde eingeschläfert, die beißen, sondern auch Hunde von den behauptet wird, dass sie gebissen hätten. Einfach so, weil sie ihrem Besitzer unbequem geworden sind.
    Ich weiß nicht mehr in wie vielen Fällen ich total verzweifelt war, mich mit dem Kreisveterinäramt und mit Tierschützern auseinandergesetzt habe. Man kann nichts dagegen tun.

    3.) ich zitiere: Die Einseitigkeit der Diskussion impliziert immer auch, dass Hundehalter magische Kräfte haben. Dass sie in der Lage sein müssten, durch das „richtige“ Verhalten aus einem beißenden Monster ein Schmusehündchen zu machen.

    Es muss kein Schmusehündchen aus einem beißenden Monster gemacht werden, aber ein Hund der ruhig und gelassen an einem anderen Hund vorbeigehen kann. Natürlich an der Leine gesichert, weil Hunde immer mal wieder in alte Verhaltensmuster fallen können. Und wenn ein “neuer” Hundehalter von Anfang an weiß, dass er keinen Bock darauf hat, sich mit dem Lernverhalten von Hunden, der Lebensgeschichte seines Hundes und vor allem mit seiner eigenen Person und seinen eigenen Fehlern auseinanderzusetzen, dann soll er sich bitte einen Stoffhund kaufen. Der macht keinen Dreck, keine Probleme und hat keine Bedürfnisse.

    4.) ich zitiere: Es entsteht der Eindruck, dass der Halter wohl etwas „falsch“ gemacht haben muss, wenn der Hund sich derart sozial inkompatibel verhält. Aber es gibt nun einmal unverträgliche Hunde mit unauslöschbarer Vorgeschichte.

    Es gibt hier einen Begriff, der leider nicht sehr geläufig ist: EXTINKTION . Extinktion wird auch als Löschung bezeichnet . Extinktion spielt in der Hundeerziehung eine sehr große Rolle und ist in der Arbeit mit Verstärkern ein wesentlicher Bestandteil.

    Was ist Inhalt der Extinktion?
    Die Lerntherorie stützt sich darauf, dass positiv verstärkte Verhaltensweisen weiter gezeigt werden, negative verstärktes Verhalten auf Dauer weniger gezeigt wird . Extinktion (lat. exstinguere = auslöschen) nennt man in den behavioristischen Lerntheorien einen Lernprozess, nach dem die bedingte bzw. instrumentelle Reaktion nicht mehr gezeigt wird. Hierbei handelt es sich aber weder um Vergessen, noch um Verlernen, sondern um ein zusätzliches Lernen, das die Wirkung des bedingten Reizes vorübergehend und kontextabhängig außer Kraft setzt.
    Sowohl in der klassischen, als auch in der operanten Konditionierung spielt die Extinktion eine große Rolle. Beim Extinktionstraining in der klassischen Konditionierung wird der bedingte Reiz (CS) so oft ohne folgenden unbedingten Reiz (US) dargeboten, bis der CS keine bedingte Reaktion mehr auslöst.
    Ähnlich wird bei instrumentell erlerntem Verhalten der Stimulus so oft ohne folgende Verstärkung dargeboten, bis das Verhalten nicht mehr auftritt. Man spricht dann von einer Löschung, wenn positive Konsequenzen ausbleiben.
    Das bedeutet:
    Verstärkt man ein bestimmtes Verhalten des Hundes und gibt diesem jetzt aber keinerlei Beachtung mehr, verschwindet dieses Verhalten. Es ist aber nicht “gelöscht”, Es wird mit der Zeit einfach nicht mehr gezeigt.  Man kann also sagen, dass Extinktion ein sogenannter “Löschungsprozess” einer erlernten Konditionierung ist.

    Wobei hier mit dem Begriff “löschen” sehr vorsichtig umgegangen werden muss: “Aus Pawlows Theorie folgt streng genommen, dass ein einmal gelernter Reflex niemals komplett gelöscht werden kann. Er wird durch das Ausbleiben des “nicht konditionierten Reizes” lediglich gehemmt. Diese Hemmung ist zunächst nicht dauerhaft, dadurch kommt es zum Phänomen der spontanen Erholung des Reflexes. Der Begriff Löschung wurde von Pawlow selbst nie verwendet; er schrieb stets von Hemmung und Abschwächung. In der englischen Übersetzung wurde daraus extinction. Da Pawlows Werke dann aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurden (statt direkt aus dem Russischen), etablierte sich der Übersetzungsfehler auch im Deutschen als Fachausdruck (Extinktion oder Löschung).” Zitat: Wikipedia

    Man kann Extinktion auch so beschreiben, dass sie ein „Verlernen“ einer Reaktion, ein „Verlernen“ eines Verhaltens ist. Im Grunde ist es eine Entkopplung der Reiz-Reiz- Verknüpfung, oder auch die Entkopplung einer Verknüpfung zwischen einem Verhalten und der Konsequenz daraus.

    Somit ist deine Aussage leider falsch . Dein Artikel ist in meinen Augen zu emotional und zu wenig wissenschaftlich. Es ist IMMER der Mensch Schuld, wenn ein Hund so derart ausrastet. Ausgenommen natürlich Hunde, die an einer neurologischen oder anderen Erkrankung leiden.
    Traumata werden von Menschen verursacht. Ob der Hund durch den jetzigen Halter traumatisiert ist oder der Hund das Trauma als Vorgeschichte nun einmal mitbringt ist egal. Fakt ist, dass es zu wenig Hundehalter gibt, die sich wissenschaftlich mit dem Lebewesen Hund auseinandersetzen und sich mit ihrem Halbwissen versuchen über Wasser zu halten.

    • Antworten Heidi 9. August 2017 um 15:42

      Bei Ihrem Kommentar bin ich hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich, wenn sich jemand die Mühe macht, so umfangreich zu kommentieren. Andererseits sehe ich natürlich, dass Sie mich hier belehren wollen. Ihre Scheuklappen finde ich ungeheuer anstrengend. Weil offensichtlich nicht sein kann, was nicht sein darf.

      Zu 1. Nein, die Meinung des Hundehalters interessiert mich nicht im geringsten. Weil ich kein richterliches Urteil sprechen muss. Alle in dieser Diskussion haben angenommen, dass die Aussage der Dame stimmt. Und trotzdem kommt man zu unterschiedlichen Schlüssen. Darum ging es mir. Hund ohne Leine läuft auf Mensch zu und beißt. Ob der Mensch sich erschrocken hat, gerufen hat “Rufen Sie den Hund zurück” etc. das spielt für mich alles überhaupt keine Rolle. Denn nichts daran wäre falsch oder ungewöhnlich sondern alltäglich. Wenn es so war, wie sie sagt, hat die Dame das gute Recht, die Hundebesitzerin anzuzeigen. Meine Meinung. Dafür muss ich die “andere Seite” nicht kennen. Mag sein, dass es keinen Hund gibt, der “ohne Grund” beißt. Allerdings gibt es Abertausende von Hunden, die beißen, ohne dass die Gebissenen “der Grund” sind.
      zu 2. Meine Erfahrungen sind andere. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft gibt es einen Hund, der ein Kind gebissen hat. Gebissen, nicht gezwickt. Er hat nicht einmal eine Maulkorbauflage.
      zu 3. Zwischen einem Stoffhund und einem traumatisierten Problemhund liegt noch so einiges. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich eines schwierigen Hundes annehmen. Ich verstehe aber auch, wenn man das nicht kann oder möchte. Ihre Überheblichkeit gegenüber allen, die noch einen anderen Lebensinhalt als einen Hund haben, ist bemerkenswert.
      zu 4. Ich sprach von einer “unauslöschlichen Vorgeschichte”. Sie erklären mir lang und breit, dass Extinktion keine Löschung bedeutet. Was also ist an meiner Aussage falsch?
      Ich schreibe emotionale und keine wissenschaftliche Artikel. Da haben Sie vollkommen Recht. Ich zitiere einfach nochmal den inhaltlichen Kern meines Artikels:

      “Ich bin nicht der Meinung, dass die Stadt geifernde, in der Leine hängende unversöhnliche Tiere braucht. Dass der Halter das Problem ist, hilft mir nicht im Geringsten. Bei einer Begegnung habe ich ein Problem mit dem Hund. Wenn der Hund mich anfällt oder Panini, dann ist in diesem Moment der Hund das Thema, nicht der Halter.”

      Und genau deshalb brauche ich auch keine Belehrung darüber, wie man sich “wissenschaftlich mit dem Lebewesen Hund” auseinandersetzen sollte.

  • Antworten Petra Heilmann 9. August 2017 um 16:43

    Wirklich sehr emotional. 😉 Aber Sie dürfen sich jetzt auch gerne wieder beruhigen.
    Zunächst einmal wollte ich nicht belehren, sondern dem Hund lediglich eine Stimme geben. Denn wie Sie
    an einer anderen Stelle auf Ihrer Seite bemerkt haben, kann er ja nicht sprechen.
    Des weiteren habe ich mich bemüht Sie nicht persönlich anzugreifen. Schade, dass Sie das nicht auch geschafft haben.

    Natürlich verstehe ich Ihre Ansichten. Und natürlich gebe ich Ihnen absolut Recht, dass solche Fälle angezeigt werden müssen. Hier in diesem Fall war es “nur” ein Yorkie-Mix. Es hätte auch ein großer Hund sein können, der erhebliche Verletzungen hervorruft. Ich bin ganz bei Ihnen und bedauere es sehr, dass Sie mich hier total missverstanden haben. Dennoch interessiert mich natürlich auch die andere Seite. Und ich finde es total schlimm, dass IMMER die Hunde verurteilt werden.

    Was Sie zu Punkt zwei geschrieben haben ist eher auch der Normalfall, aber Sie haben in Ihrem Bericht vehement verneint, dass Hunde hoppladihopp eingeschläfert werden. Und ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass diese Annahme nicht stimmt.
    Zu Punkt drei und meiner Überheblichkeit kann ich nur noch einmal betonen, dass JEDER der sich einen Hund anschafft, egal ob schwierig oder nicht, in der Verantwortung steht sich mit diesem Lebewesen auseinanderzusetzen. Und da Sie sich, genau wie alle anderen Menschen auch, nicht mit Ihrem Hund unterhalten können, bleiben nur die wissenschaftlichen Erkenntnisse.
    Und wenn Sie der Meinung sind, dass dieser Respekt vor Ihrem Tier sich mit der Wissenschaft auseinanderzusetzen Sie daran hindert anderen Aktivitäten Raum in Ihrem Leben zu geben, dann habe ich eigentlich keine Fragen mehr, sondern dann bin ich leider mal wieder auf einen ignoranten Menschen getroffen. Und nur nochmal zum richtigen Verständnis: auch ich habe sehr großen Respekt vor Menschen, die sich einen schwierigen Hund zulegen, denn ich erlebe seit 20 Jahren wie viele Opfer diese Menschen bringen, wie viel Energie das kostet und wie viele Tränen geweint werden.

    Auch ich bin der Meinung, dass die Stadt keine geifernden, in der Leine hängenden unversöhnliche Tiere braucht. Also sammeln wir sie alle ein und schläfern sie ein? Guter Vorschlag? Oder fällt Ihnen was Besseres ein?

    Ich habe eine Erklärung und eine Trainingsmöglichkeit aufgezeigt, aber in Ihren Augen war es nur eine Belehrung an Sie.
    Eigentlich habe ich gedacht, dass in diesem Blog Informationen für Hundehalter gegeben werden sollen. Liege ich da falsch?
    Ist Ihnen vielleicht mal in den Sinn gekommen, dass Hundehalter mit schwierigen Hunden zu Ihren Lesern gehören und das diese sich vielleicht über Lösungsansätze oder Schlagwörter freuen.
    Nicht jeder ist mit einem Brötchen wie Sie gesegnet.

    Und auch das möchte ich hier einmal betonen: Kritik bedeutet nicht Angriff auf Ihre Person. Aber bei Ihrer Vita müssten Sie das eigentlich wissen.

    Sie habe hier einen tollen Blog. Fröhlich und witzig geschrieben. Das gefällt mir total gut. Lediglich zu diesem Artikel hatte ich eine Meinung. Es wäre schön, wenn mir meine Meinungsfreiheit gelassen wird. Ich freue mich über einen konstruktiven Austausch und dabei sind persönliche Anfeindungen kontraproduktiv.

    Ich wünsche Ihnen und Panini einen schönen Tag und friedliche Spaziergänge.

  • Antworten J. 18. Mai 2018 um 14:19

    Hallo Heidi,
    vor kurzem erst habe deinen Blog entdeckt und die Texte geradezu verschlungen. Du schreibst wirklich toll!
    Aber dieser Text hier hat mich aufgewühlt und sogar ein bisschen traurig zurück gelassen. Denn ich bin Besitzerin eines “schwierigen” Hundes. Eines Hundes den du wahrscheinlich nicht mögen würdest, weil er immer mal wieder tobend in der Leine hängt und dann auch noch zu Übersprungshandlungen neigt.
    Klar verstehe ich deine Reaktion und Argumentation sehr gut. Ein Hund wie der unsere macht anderen wahrscheinlich einfach Angst. Hintergründe sind dem Außenstehenden wahrscheinlich erstmal egal. Ein jeder liebt den eigenen Hund am meisten und keiner möchte das der eigene Hund gebissen wird. So weit so gut.
    Aber natürlich ist in diesem Moment auch der Halter das Thema und nicht nur der Hund. Denn halten sollte der Halter seinen Hund schon können. Sonst wäre er ja kein Halter sondern ein Loslasser. Und Halter denen es egal ist, was der eigene Hund anrichtet sind scheiße, auch da gehe ich vollkommen mit und fühle mich (da mir nicht egal ist, was mein Hund treibt) nicht angegrifffen.
    Wirklich getroffen hat mich also erst der Punkt an dem du schreibst, dass Hunde wie der meine in der Stadt nichts zu suchen haben. Was genau soll denn mit diesen Hunden passieren? Dürfen wir die Stadt bis zu einer gewissen Grenze betreten? Ist es uns gestattet zu Trainingszwecken die Stadtgrenze zu überschreiten? Wo genau sollen all diese vollkommen abgeschiedenen Gegenden sein, in die die Vielzahl schwieriger Hunde aus den Tierheimen vermittelt werden kann?
    Wäre alles okay, wenn mein Hund nur nicht so offensichtlich, so laut aggressiv wäre, so das die Gefahr einfach nicht so offensichtlich als solche im Raum stünde?
    Wie gesagt, ich habe großes Verständnis dafür, dass andere Hundeleute -insbesondere die mit den schüchternen Exemplaren- Begegnungen mit uns vermeiden möchten, aber ich sehe mich an diesem Punkt des Textes mit Fackeln und Heugabeln aus der Stadt gejagt und das finde ich nicht fair.

    Viele Grüße
    J. und der Schlamuzzle am Ende der Leine

    • Antworten Heidi 18. Mai 2018 um 16:28

      Hallo J.,
      vielen Dank für deinen langen Kommentar. Ach, wie schwierig ist das alles. Wenn ich einen unverträglichen Hund hätte, würde ich wahrscheinlich genauso fühlen wie du. Ich kann deinen Vorwurf nachvollziehen, dass es nicht fair ist. Wahrscheinlich ist es das nicht. Was ich damit sagen wollte, war, dass es einfach nicht sinnvoll ist, in all den sozialen Stress, in dem wir uns ohnehin befinden, auch noch einen schwierigen Hund zu setzen. Gerade heute am Freitag ist hier wieder so viel Verkehr und Huperei, die Leute nölen sich an. Die Menschen haben es hier schon schwer, miteinander auszukommen. Immer wieder begegnet mir im Viertel eine Frau mit einem Boxer, der einen sehr unverträglichen Eindruck macht. Er fletscht und wütet schon von weitem und die Frau hält ihn mit zwei Händen und redet auf ihn ein. Sie tut mir leid, das muss total ätzend sein, wenn man andere immer meiden muss und die Abneigung spürt. Aber ich merke auch, wie bei mir jedes Mal das Herz zu klopfen beginnt und ich denke: Hoffentlich kann sie ihn halten. Wenn man zweimal erlebt hat, wie ein Halter keinen Einfluss mehr auf seinen Hund hatte und dieser den eigenen Hund angegriffen hat, dann sitzt das irgendwie tief. Und das finde ich eben unfair. Dass ich Angst habe, mehrmals in der Woche, weil so ein Riesenviech auf uns zu fletscht. Für die Frau mit dem Boxer ist es ein stressiger Spießrutenlauf zwischen all den anderen Hunden und für viele andere Leute bedeutet es, immer Angst zu haben. Natürlich hat sie das gleiche Recht, mit ihrem Hund in der Stadt zu leben wie ich. Aber ist das gut und sinnvoll so? Ich habe keine Lösung, aber frustriert bin ich schon manchmal, wenn ich von Beißvorfällen höre, wenn kleine Hunde von großen angegriffen werden und nur knapp davon kommen. Zurück bleiben immer ein traumatisierter Hund und ein ebenso traumatisierter Halter. Panini und ich sind sehr robust, aber selbst uns wird es für immer in den Knochen stecken. Sowas ist einfach Mist und dann wird man auch mal – nunja – unsachlich vielleicht. Ich wollte damit keinen Hundehalter verletzen und wenn das in deinem Fall passiert sein sollte, dann täte mir das leid.
      VG
      Heidi & Panini

  • Antworten Amelie 29. Juni 2018 um 17:42

    Hallo Heidi,
    Ich bin recht frisch über deinen Blog gestolpert und würde zu diesem Beitrag von dir tatsächlich gerne ein paar Worte loswerden, weil mir mit zwei “Problemhunden“ dieses Thema recht nahe geht.
    Zunächst einmal muss ich dir bei der Geschichte mit dem Yorkie absolut zustimmen: Wer sich einen Hund anschafft hat dafür Sorge zu tragen dass dieser niemanden verletzt oder gefährdet.
    Ja, aber der arme Yorkie wurde früher vielleicht geschlagen und die Frau hat im falschen Moment den Arm… – Piepegal!
    Klar steckt da bestimmt eine Geschichte hinter, klar ist der Auslöser aus Hundesicht wahrscheinlich nachvollziehbar, aber das ist nicht Angelegenheit der Frau, sondern des Menschen der für den Hund verantwortlich ist. Dieser Mensch hat seinen Hund vernünftig zu sichern damit dieser niemanden gefährdet. Punkt.
    Einer meiner Hunde mag Menschen und ist ihnen generell freundlich gesinnt, aber er beißt wenn er angefasst wird. Weil er Schmerzen hat und sich gegen schmerzende Dinge wehrt. Völlig nachvollziehbar. Aber wenn wir in der Stadt unterwegs sind wo es eng ist, wo Kinder unterwegs sind oder andere Menschen die nicht wissen dass es ein Unding (und gefährlich) ist fremde Hunde anzufassen ohne zu fragen, dann trägt er einen Maulkorb. Warum? Weil es mein Hund ist und ich dafür verantwortlich bin, ihn so zu sichern, dass er Menschen nicht gefährdet. Nein, auch dumme Menschen nicht.
    Gleiches gilt für Hund nr zwei. Der kann respektlose Hunde nicht leiden. Ist ja prinzipiell verständlich und deutliche “Ansagen“ sind da grundsätzlich auch völlig angebracht, aber wenn dabei Löcher zurückbleiben geht das über das hinaus was das andere Hund-Halter-Gespann hinnehmen muss. Also trägt Hund halt “Zahnspange“ und ich muss mir keine Sorgen machen das Ansagen aus dem Ruder laufen.

    Bis hierhin war ich also wahrscheinlich komplett deiner Meinung, aber da kommen wir an den Punkt den ich schwierig finde: Anzeigen beim Ordnungsamt.
    Ich finde es sehr schade und ärgerlich, dass es immer normaler wird wegen jeder kleinen Beißerei sofort zum Amt zu rennen anstatt die Dinge wie Erwachsene untereinander zu klären.
    Der erste Schritt sollte immer der sein, Dinge der Fairness halber im Gespräch zu klären.
    Einmal ist immer das erste Mal. Vielleicht war der Yorkie erst recht frisch bei neuen Haltern und die wussten noch nichts von den Problemen? Ein Gespräch, eine ernsthafte Entschuldigung, die volle Übernahme der Kosten für den Schaden (wofür hat man eine Haftpflicht?) und zukünftig deutlich mehr Umsicht und Vorsicht im Führen des auffällig gewordenen Hundes (im Idealfall außerdem professionelle Unterstützung durch einen Trainer). So regeln Erwachsene Dinge miteinander.
    Und nein, natürlich klappt das nicht immer. Im Falle der Bulldogge die deine Hündin attackiert hat schriebst du von sechs weiteren dir bekannten Attacken, da kommen dann doch berechtigte Zweifel daran auf, ob die Halter sich des Problems wie Erwachsene annehmen und DANN ist der Gang zum Amt leider tatsächlich der notwendige Schritt um einen verantwortlicheren Umgang mit dem Hund einzufordern. Aber leider ist es inzwischen normal geworden, es gar nicht mehr mit einer Lösung auf Augenhöhe zu versuchen, sondern direkt zum Amt zu rennen.
    Das gepaart mit einem immer verklärteren Bild vom Hund als immer lieben Kuscheltier ohne Bedürfnis nach Individualdistanz ist eine gruselige Entwicklung. In einem anderen Beitrag schreibst du dass es schade ist, dass deine Panini keine “Ansagen“ macht wenn sie belästigt wird und freust dich darüber dass sie zum ersten Mal knurrt um sich gegen einen aufdringlichen Hund zu wehren. Das Problem hierbei ist, dass immer mehr Leute eine so verschobene Wahrnehmung davon haben was normales Verhalten und was “asozial“ ist, dass sie oft nicht mal erkennen dass ihr zauberhafter kleiner Lieblingstutnix ein lästiges sozial inkompetentes Arsch ist und von deiner Panini einen Satz heiße Ohren völlig verdient hat. Und zack hast du Post vom Ordnungsamt wegen deinem “gefährlichen Hund“.
    Nein, ich polemisiere nicht, ich kenne mehrere Hundehalter denen so etwas passiert ist.
    Genau deshalb finde ich das Thema Anzeigen bei Vorfällen so schwierig und würde mir einen sehr viel differenzierteren Umgang damit wünschen. Der Gang zum Amt ist ein notwendiges Übel wenn ein Hundehalter sich weigert Verantwortung für potenziell gefährliches Verhalten seines Hundes zu übernehmen. Genau dafür gibt es diese Gesetze ja auch. Aber es wäre schön wenn der Trend wieder dahin gehen würde, Anzeigen als letzten Ausweg und nicht als Standardmaßnahme zu betrachten.

    Der Satz über Problemhunde in der Stadt hat mich übrigens auch ein bisschen getroffen, aber ich kann respektieren dass du das so siehst und widerstehe einfach dem Drang, mich dafür zu rechtfertigen, um dich zu überzeugen. 😉

    • Antworten Heidi 2. Juli 2018 um 15:24

      Hi,
      danke für deinen langen Kommentar! Ich kann dazu nur sagen, dass die Dame vom Ordnungsamt, mit der ich gesprochen habe, einen keineswegs übereifrigen Eindruck machte. Sie versicherte mir, dass es nicht darum ginge, dem Halter Ärger zu machen, sondern einfach mal nachzusehen, wie der Hund gehalten wird, wie er sich benimmt und ob alles in Ordnung ist. Und das finde ich tatsächlich sehr wichtig. Hätte die Bulldogge damals nur einmalig geschnappt und wäre sie schnell wieder zu beruhigen gewesen, hätte ich nicht das Ordnungsamt benachrichtigt. Sie hat sich aber ohne besonderen Anlass auf meinen Hund gestürzt und hat ihn blutig gebissen, war von ihrem Herrchen nicht ansprechbar oder zu beruhigen. Der hat darüber hinaus seine Pflicht verletzt, denn er wusste, dass mit dem Tier nicht gut Kirschen essen ist, hat ihm aber kein ausbruchssicheres Geschirr angezogen, sondern ein locker sitzendes Ledergeschirr. Ist natürlich schicker. Bei einer solchen Häufung komischer Merkmale würde ich jederzeit wieder das Ordnungsamt rufen. Ebenso, wenn der Halter uneinsichtig ist. Ein einfacher Konflikt zwischen zwei Hunden, bei dem einer schnappt, wäre für mich natürlich kein Grund, irgendjemanden einzuschalten. Das ist zwar doof, kann aber mal passieren.
      Viele Grüße
      Heidi

  • Antworten jay 11. Juli 2018 um 8:38

    Mit Aufmerksamkeit und Interesse habe ich die Beiträge gelesen.
    Ich selber hatte einen großen Hund, 35kg.
    Der liebste und gehorsamste Hund. Keine Raufereien, keine Pöbeleien, kein lästiges Schnüffeln am Hinterteil anderer Hundedamen! (Zur Erläuterung, ich lebe auf dem Land und mein Hund ist inzwischen verstorben)
    Aber es gab einen Nachbarhund mit einer gemeinsamen, langen Grundstücksgrenze. Der Nachbarhund war ein kläffender Minischnauzerrüde, der bevorzugt am gemeinsamen Zaun stand und kläffte. Meinen Hund interessierte das nicht. Das ging über Jahre so.
    Eines Tages hatte der Minischnauzer wohl unbemerkt an unauffälliger Stelle ein Loch unter den Grenzzaun gebuddelt und lief auf unserem Grundstück herum.
    Leider bemerkte dies mein Hund, stürzte sich auf den kleinen Nachbarhund und biss ihn – tot!
    Und nun? Jetzt würde ich gern Meinungen lesen!
    Folge für mich/meinen Hund: Anzeige beim Ordnungsamt. Ortsbegehung. Erläuterung der Umstände. Keinerlei Auflagen für meinen Hund. Feindschaft mit den Nachbarn bis zum heutigen Zeitpunkt.

    • Antworten Heidi 21. Juli 2018 um 14:31

      Hallo Jay,
      dein Kommentar ist im Spam gelandet und ich habe ihn erst heute gefunden. Sorry dafür. Das ist eine schlimme Geschichte für alle Beteiligten. Aber ich würde vermuten, dass sehr viele Hunde auf einen Eindringling mit Aggression reagieren würden. Ob der folgenschwere Biss beabsichtigt war, oder ein Unfall in einer Keilerei, der zu Ungunsten des körperlich deutlich Unterlegenen ausging, lässt sich vermutlich schwer sagen. Ich denke, es ist tragisch, aber die Nachbarn müssen sich den Schuh anziehen, dass sie den Hund nicht ausreichend beaufsichtigt haben – weder beim Buddeln, noch beim Ausbrechen. Er hätte ebensogut auf die Straße rennen und überfahren werden können. Wen hätten die Nachbarn dann angezeigt? Und sicher wäre es auch eine gute Idee gewesen, die Kläfferei abzustellen, allein schon, um die Nerven der Nachbarschaft zu schonen. Ich finde es nicht ok, das über Jahre hinzunehmen, ohne mal mit dem Hund ein ernstes Wörtchen zu reden. Emotional kann ich die Anzeige trotzdem verstehen. Ist schwer, mit sowas umzugehen.
      Viele Grüße
      Heidi & Panini

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