Draußen

Das Geheimnis der weißen Hose.

6. Juni 2020
Hunde Frauen mit weißen Hosen

Viele Rätsel und Mythen der Menschheit sind inzwischen aufgeklärt. Wir haben den genetischen Code entschlüsselt, die Sache mit den Dinosauriern ist klar und eines Tages werden wir sicher mit Hilfe der Wissenschaft auch verstehen können, wie Andreas Scheuer Verkehrsminister werden und bleiben (!) konnte. Eins aber bleibt ein Mysterium: Wie können Frauen mit Hunden weiße Hosen tragen?

Nun bin ich von Natur aus unten breiter angelegt als oben, weshalb weiße Hosen für mich grundsätzlich eher unvorteilhaft sind. Die praktische Kegelform unterstützt meine Fähigkeiten als Stehauf-Frauchen, ist aber für oben dunkel, unten hell nicht gut geeignet. Auch neige ich zum Schmutzen, selbst bei einfachsten Tätigkeiten. Wenn ich mir eine Tasse Kaffee eingieße, habe ich sofort ein Tupfenmuster auf meinem T-Shirt, trage ich beim Italiener helle Kleidung, wähle ich Gnocchi alla panna statt Spaghetti Bolognese und Rucola mit einem Balsamicodressing in der Öffentlichkeit zu essen, ist mir praktisch unmöglich. Nun verschärft eine helle Hose die Schmutzproblematik gegenüber einem Oberteil um ein Vielfaches. Ich setze mich in Schokoladenstreusel, trete in winzige, aber bis zum Knie hinaufspritzende Pfützen und lege meine Hände gedankenverloren auf die Oberschenkel, nicht bemerkend, dass an der rechten etwas Schmieröl vom Gartentürchen klebt. Überhaupt – der Aufenthalt im Freien! Wie könnte man sich mit einer weißen Hose auf ein Mäuerchen setzen und ein Eis essen! Für mich allein ist das bereits alles undenkbar.

Seit Panini bei mir ist, schmutzen und haaren wir gemeinsam. Ihre kleinen Kekse hinterlassen Fettflecke auf meiner Kleidung, ich wische ihre Tränen ab und mir an die Jeans und regennasser Dreck wird herzhaft zu meinen Füßen aus dem Fell geschüttelt. An schlechten Tagen muss ich sie auf der Treppe tragen, ihr Fell an mich und meine Haute Couture gedrückt. Obendrein springen mich im Feld fremde Hunde an, während in weiter Ferne ihre Frauchen und Herrchen wild gestikulierend näher kommen. Jetzt, in der warmen Jahreszeit tragen sie gerne weiße Hosen. Nicht etwa ehemals weiße Hosen oder Hosen, die möglicherweise früher mal weiß hätten gewesen sein können, nein, tatsächlich blütenreinweiße Hosen. Und ich kann es nicht fassen.

Wie ist das möglich? Ich habe schon Frauen mit blendend hellem Beinkleid getroffen, die von garagengroßen Hunden begleitet wurden, deren Sabberfäden sich bei jeder abrupten Kopfbewegung wie indische Hängebrücken mit jedem umliegenden Gegenstand verbanden. Frauen mit ungarischen Hirtenhunden, die große Mengen nicht ortsfester Botanik sowie acht Sorten Straßenbeläge im Fell mit sich trugen. Mit strahlend reinen weißen Hosen. Die Frauen, nicht die Hunde. Wie kann das sein? Ich selbst trage blaue (?) Jeans mit Antikfinish, speckig glänzenden Anteilen sowie bräunlich staubigen Akzenten und das unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Wäsche. Die optische Veredelung durch Schmutz gelingt binnen Minuten, Panini unterstützt mich dabei nach Kräften. Dagegen begegnen mir Frauen, die an Regentagen weiße Hosen in Gummistiefeln tragen. Es sind geheimnisvolle Wesen, für die das Prinzip der typischen Modesünden von Hundehalterinnen ganz offensichtlich nicht gilt.

Hier hat die Wissenschaft in Zukunft noch ein höchst erstaunliches und wirklich bedeutungsvolles Rätsel zu lösen.

Bild © Vesnaandjic – istockphoto.de

Das Shirt zum Thema (schmutzunempfindlich):

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9 Kommentare

  • Antworten Inken 6. Juni 2020 um 13:20

    Liebe Heidi, wieder einmal sind wir uns einig. Sowohl figürlich, als auch im Wundern. Eventuell wird die Wissenschaft in den nächsten 500 Jahren eine Erklärung finden.

  • Antworten Antje Strauch 6. Juni 2020 um 13:54

    So lustig. Ich schmeiß mich weg 😅😂. So ist es, diese Frage habe ich mir schon so oft gestellt. Wie geht das bei manchen? Ich finde weiße Klamotten so edel, aber ich brauche nur mit dem Gedanken zu spielen, schon sehr ich mich vor meinem geistigen Auge. Selbst beige ist bei mir schon gewagt. Wie troestlich, dass ich nicht alleine bin 🤗🙃🤭🙋

  • Antworten Jutta Oels 6. Juni 2020 um 15:16

    Ich neige auch zum Schmutzen; weiss ging bei mir auch in hundelosen Zeiten nicht. Zum Glück hat man mir schon in meiner Jugend eingeredet, schwarz steht mir so gut. — Allerdings habe ich 2 weisse Hirtenhunde. Jedenfalls, Sauberkeit ist total überbewerte. Und jemand, der mir in blütenreiner Klamotte wie in der Persil Werbung entgegen kommt, ist mir höchst suspekt – ob mit oder ohne Hund.

  • Antworten Ines 6. Juni 2020 um 15:41

    Woher kennst Du mich? Ich bin eine von denen, die mit weißer Sommerhose, heller Velourlederhouse oder weißer Bluse auf Gassirunde geht bei trockenem Wetter. Welche Hose einstaubt, ist doch egal. Und ich flippe aus, wenn ein anderer Hund es wagt, mich zu beschmutzen. Ich will nämlich fremdem Eckelhundesabber weder an einer hellen noch einer dunklen Hose haben. Ich will fremde Hunde nirgends an mir haben. Leckerlis habe ich in einer Dose und mein Hund springt mich nicht an und sabbert nicht.

    Klingt schlimmer als ich bin, ist aber inhaltlich alles korrekt. Ich würde aber keines der Teile draußen tragen, wenn mein Herz daran hinge – wegen der anderen Hunde …

  • Antworten Anna 7. Juni 2020 um 23:22

    Ach Heidi, du bist echt ein schreibendes Geschenk :)! Ich brauchte heute dringend etwas zum Lachen und las dann “die weiße Hose”. Mir laufen immer noch die Tränen vor Heiterkeit. Nun wünsche ich mir noch, daß du (zu den wunderbaren T-Shirts, von denen ich ein paar besitze) die passenden Cargohosen und/oder Jacken und Westen offerierst. Wie wäre es mit einer “Etwas Weißes und ein Brötchen” Collection ;)?

  • Antworten Ute Backhaus 14. Juni 2020 um 8:00

    Schon bei der Überschrift musste ich lachen!
    Wann kommt wieder ein Büchlein von dir raus?
    Wir haben den gleichen Humor und anscheinend den gleichen Kleidergeschmack!

  • Antworten Miriam 16. Juni 2020 um 12:23

    Und wieder musste ich hier herzhaft lachen.
    Liebe Grüße
    Miriam

  • Antworten Julius 11. Juli 2020 um 10:38

    So lange man sich nicht in das Häuflein des Hundes setzt, dürfte die weiße Hose durchaus eine gute Idee sein!
    LG
    Julius

  • Antworten Lina 30. Juli 2020 um 16:05

    Eine weiße Hose ist ja schon im normalen Alltag ein Fettnäpfchen. Mit Hund ist das schon eine Meisterleistung ohen Flecken nach Hause zu kommen. Es müsste mal eine Doku über diese mysteriösen Gestalten geben. Ich würde sie schauen :p

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