Draußen

Die 5 häufigsten Hundetypen an der Leine

17. September 2023
Hund an lockerer Leine

Im Sommerurlaub begegnete mir einmal eine Mutter, die ihr etwa dreijähriges Kind mithilfe eines Brustgeschirrs an einer Leine führte. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie merkwürdig es eigentlich ist, dass ein Lebewesen ein anderes mit einer Leine an sich bindet. Trotzdem liegt es mir fern, für allzeit leinenlose Freiheit zu plädieren – ganz im Gegenteil. Die Hundeleine rettet jeden Tag zahllosen Hunden das Leben, von Menschen ganz zu schweigen. Das Ideal ist dabei die “lockere Leine”, ein echter Umsatzbringer in allen Hundeschulen. Sie ist das hohe C, der dreifache Rittberger, das perfekte Soufflé. Alle wollen sie hinkriegen, aber den wenigsten gelingt es wirklich immer und jederzeit. Stattdessen transformiert sich das, was am Ende der Leine zoppelt, drängelt oder trödelt manchmal auf das Seltsamste. Ich habe die fünf beliebtesten Verwandlungen einmal notiert.

1. Der Lenkdrachen

Es sind meist junge Hunde, die beim Gassi zum Lenkdrachen werden. Unabhängig von Jahreszeit und Windstärke gelingt es deren Besitzerinnen und Besitzern mühelos, ihre Lieblinge steigen zu lassen. Hat das Tier etwas besonders Aufregendes, wie etwa einen anderen Hund, einen Moosknödel oder einen sehr alten Papiertütenrest entdeckt, muss es umgehend dorthin und verliert vorwärtsstrebend leicht die Bodenhaftung. Das liegt daran, dass Frauchen oder Herrchen dem Schub etwas entgegensetzen wollen und ihr Gewicht wie ein Wakeboardfahrer nach hinten verlagern. Derweil hebt der Hund vorne ab. Ein harmonisches Gesamtbild, das nur von deutlich hörbarem Röcheln gestört wird – verblüffenderweise tragen Lenkdrachen immer ein Halsband, nie ein Geschirr.

Der beliebteste Satz von Lenkdrachen-Fans:
“Er kommt jetzt in die Pubertät!”

Junger Hund an der Leine
Ein Lenkdrachen beim Frühstart.

2. Die Marionette

Wenn Frauchen oder Herrchen fürchten, ein allzu großer Abstand zum Hund könnte zu einem gefährlichen Kontrollverlust führen, greifen sie gern zur Marionetten-Technik. Und die geht so: Statt in einem eher flachen Winkel wird die Hundeleine senkrecht nach oben geführt. Dies gelingt in der Regel nur bei kleinen Hunden gut, weshalb diese auch überdurchschnittlich häufig zu Marionetten mutieren. Das Mensch-Hund Gespann bezahlt diese Technik mit einem Verlust von Eleganz, da der Hund dem Menschen ständig vor die Füße läuft und der Mensch deswegen strauchelt. Werden Pinscher, Chihuahua & Co. zum Weiterlaufen gedrängt, erhalten sie denn auch gelegentlich einen Stubser mit den neuen Buffalos. Für längere Spaziergänge ist eine senkrecht geführte Leine nicht geeignet, weshalb Marionetten oft getragen werden.

Der beliebteste Satz von Marionetten-Liebhabern (wird ins Handy gesprochen):
“Der Typ ist so hohl, ey …”

3. Die Forelle

Einer der Gründe für die Beliebtheit von Flexileinen ist, dass man damit Hunde angeln kann. Entfernt sich das Tier weiter, als es soll oder kommt es auf Ruf nicht zurück, lässt es sich durch die schrittweise Verkürzung der Schnur aus der Grünfläche fischen. Der rückwärts rutschende Vierbeiner hat keine Chance, aber immerhin das Glück, nach seiner Ankunft nicht mit einem gezielten Nackenschlag ins Jenseits befördert zu werden und den Heimweg in einem Eimerchen oder einer Styroporbox auf Eis antreten zu müssen. Forellen sind Kummer gewohnt und nutzen jede Gelegenheit, wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzukehren. Zu ihren Besitzern haben sie scheinbar oft ein ähnlich herzliches Verhältnis wie Fische zu ihren Anglern.

Der beliebteste Satz von Anglern:
Keiner. Statt einer Wortäußerung ist meist nur das Klicken und Schnurren der Flexileine zu hören.

Dackel sind beliebte Forellen, die oft andere Ideen für die gemeinsamen Freizeitgestaltung haben als ihre Besitzerinnen und Besitzer (die Flexileine kann man sich hier dazu denken).

4. Der Honecker

Der Honecker ist die vielleicht häufigste Daseinsform des Hundes. Nach dem Motto “Vorwärts immer, rückwärts nimmer!” zieht es den Honecker unaufhaltsam nach vorn, ganz gleich, wer oder was am anderen Ende seiner Leine hängt. In seinem Kopf scheint sich hinter ihm eine unsichtbare Feuerwand aufzubauen, der es zu entkommen gilt. Der Rückruf kollidiert denn auch regelmäßig mit dem zweiten Teil seines Lebensmottos. Die Leine ist gespannt, ganz im Gegensatz zum Hundebesitzer, denn der weiß ja, was ihn erwartet – ein Huskyrennen mit ihm selbst als Schlitten. Bei Honeckers mit einem Gewicht von mehr als 20 Kilo sollte das Freizeit-Budget gleichmäßig auf den Besuch eines Fitness-Studios und einer Hundeschule aufgeteilt werden.

Der beliebteste Satz von Honecker-Anhängern:
“Jetzt warte doch mal!!!”

5. Der Trolley

Der Begriff des Trolleys entstammt dem englischen Begriff “to troll”, was etwas mit “gehen” zu tun hat. Doch genau davon sieht der Trolley ab, weshalb man ihn hinter sich herzieht. Anders als handelsübliche Rollkoffer hat der hündische Trolley jedoch keine Rollen, sondern nur Pfoten, deren Sinn und Zweck er gelegentlich vergisst. Das macht die Sache knifflig. Trolleybesitzer haben verspannte Schulterblätter, da sie meist mit nach hinten gedrehten Arm unterwegs sind. Ähnlich wie ihre Kollegen an Flughäfen und Bahnsteigen sind sie meist in Eile, was dem Slow Motion-Hund zuwiderläuft. Wer am Ende gewinnt, hängt stark von der Gewichtsklasse des Trolleys ab. Obsiegt das Tier, entwickelt sich ein Standbild, was insbesondere im Regen einen ganz eigenen Charme ausstrahlt.

Der beliebteste Satz von Trolley-Freunden:
“Hopp, auf, komm, los, auf geht’s, guck mal, der andere Hund geht auch weiter, kommschon, genug geschnüffelt, auf, weiter geht’s, es fängt schon an zu regnen, wenn wir jetzt weiter gehen, schaffen wir es noch, los, auf ….!!”

Auch wir können uns übrigens in diese Typisierung bestens einordnen. Im Laufe der Jahre hat sich Panini in der Tendenz vom Honecker zum Trolley entwickelt. Obwohl, ein Dödel-Profi war sie ja schon immer …

Das Tier im Honecker-Modus.

Bilder: © FixiPixi_deluxe – pixabay.com, DGLimages – istockphoto.com, gwen arcana – pexels.com

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