Drinnen

Das schwimmende Tier.

13. Dezember 2015

Wären wir heute im Jahr 2005, würde ich diesen Artikel nicht schreiben. Doch, einen Blog hätte ich wohl schon haben können, aber mein Tier würde nicht schwimmen. Nicht so zumindest. Physiotherapie für Hunde ist etwas Neues. Kritiker sagen, das liegt alles nur daran, dass die Hunde vermenschlicht werden, obendrein respektiert man ihr nahendes Ende nicht, sondern schleift auch gebrechliche Tiere noch zu Therapien. Ich sage dagegen: Hurra! Wie wunderbar, dass es Menschen gibt, die Hunden helfen, wieder beweglich und schmerzfrei zu werden.

Als Paninis Diagnose Kreuzbandriss feststand, googelte ich nach allem, was ihr helfen könnte, ihre Beweglichkeit wieder zu erlangen. Der Hund war 2 Jahre alt, jede Maßnahme würde eine Investition in die Zukunft sein. Der Arzt, der sie operierte, schlug bereits schwimmen zur Reha vor, gab dann jedoch zu, dass das im Januar vielleicht keine so prickelnde Idee sei. Aber es ginge ja auch ohne schwimmen. Panini war ein Hund aus Pudding. Sie hatte kaum ordentliche Muskulatur. Die aber würde sie brauchen, um ihre Gelenke zu entlasten und weiteren Problemen vorzubeugen. Ja, es könnte auch so gehen. Aber erstens würde es lange dauern, Muskeln aufzubauen, denn sie durfte ja noch keine weiten Strecken gehen. Und zweitens müsste man lange mit dem Risiko leben, dass der Hund umknickt oder sich sonst verletzt. Sie war einfach instabil. Für mich war klar, dass ich sie in professionelle Hände geben wollte. Übungen im Wasser schienen mir besonders schonend und umfassend zu sein und so suchte ich nach jemandem, der mit Unterwasserlaufbändern oder gar im Schwimmbad arbeitet.

Diesen Jemand fand ich bei Aqua Canis in Oberursel, einer Physiotherapeutischen Praxis für Hunde. Das Angebot von Tatajana Rebscher überzeugte mich sofort. Sie hat ein eigenes kleines beheiztes Schwimmbad für Hunde – was kümmern uns da die eisigen Seen im Januar? Da Panini auch noch Giardien hatte, mussten wir mit dem Schwimmen aber noch etwas warten und so kam sie erst einmal in den Genuss von anderen Übungen, die die Muskulatur ansprechen, Gleichgewicht und Koordination fördern. Als Läuferin weiß ich genau, wie wichtig das für verletzungsfreies Laufen ist – beim Menschen ist das nicht anders als beim Hund. Panini stapfte über kleine Hindernisse, balancierte auf Bällen oder anderen wackeligen Untergründen und musste sich richtig anstrengen, ohne dass Aufprallkräfte wie beim Rennen oder Springen die Gelenke stressen konnten.

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Als sie endlich schwimmen durfte, stand sie zwar immer noch ein bisschen schief, aber sie bekam langsam Muskeln (auf dem Bild sieht man deutlich, wie sie das Bein entlastet). Die zweite OP und der Spondylose-Schub waren deshalb ein herber Rückschlag, aber nur kurz. Ende April plantschte Panini schon wieder.

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Sie schwimmt, wie manch einer von uns ins Fitness-Studio geht. Ohne rechte Begeisterung, aber sie zieht es durch. Sie war in ihrem früheren Leben offenkundig noch nie geschwommen. Zwar konnte sie sich über Wasser halten, aber wie man die Richtung steuert, war ihr ein Buch mit sieben Siegeln. Sie hat das toll gelernt, apportiert gelegentlich ein Gummitierchen und wird hernach immer reichlich belohnt. Schwimmen macht ungeheuer müde, an einem Physio-Tag kann ich sehr ungestört arbeiten. Man sagt, 10 Minuten schwimmen ist so anstrengend wie eine Stunde am Fahrrad laufen – aber eben viel schonender. Sie geht ungeheuer gern in die Praxis, fühlt sich dort wohl und liebt die Physiotherapeutin. Die steht immer mit im Wasser, leitet den Hund an, achtet darauf, dass sie mit allen Beinen arbeitet. Nach zwei, drei Runden im Becken darf Panini verschnaufen, wird heftig gelobt und beschmust, bevor sie wieder ackern muss. Besser kann ich mir Hundeschwimmen nicht vorstellen.

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Nach 20 Stunden Therapie zwischen Januar und Juli war Panini so muskulös und stabil, dass ihr heftiges Toben nichts mehr anhaben konnte. Ganz langsam ließ meine Angst nach, der Hund könnte sich verletzen oder humpeln. Es passierte erst immer seltener und dann gar nicht mehr. Ihr Spondylose-geplagter Rücken hat jetzt Schutz und Stütze. Damit das so bleibt, geht sie alle 2 Wochen 20 Minuten schwimmen.

Außerdem legt der großartige Hunde-Osteopath Sven Wagenhöfer alle 6 Wochen seine magischen Hände an ihren Rücken, was den Verlauf der Spondylose stoppen oder zumindest verlangsamen soll. Immer, wenn ich erzähle, dass Panini zwei „Personal-Trainer“ hat, fragen mich Menschen nach Kosten. Natürlich kosten diese Dinge Geld, kaum weniger als eine Physiotherapie für Menschen kostet. Meine Rechnung ist aber eine andere. Jeder Euro, der dem Hund Leid erspart, ist bestens investiert. Jeder Euro, den die Therapeuten bekommen, könnte Tierarztrechnungen reduzieren oder dafür sorgen, dass es sie gar nicht erst gibt. Jeder Euro, der verhindert, dass der Hund mit Spritzen oder Operationen traktiert werden muss, der dafür sorgt, dass ich einen schmerzfreien, agilen und glücklichen Hund an meiner Seite habe, für viele, viele, viele Jahre, ist einer, den ich von Herzen gern weggebe. Dafür muss ich dann vielleicht nicht immer das neueste Fetzchen haben und kann die ein oder andere Generation von Handtaschen überspringen. Man muss eben Prioritäten setzen.

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5 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 13. Dezember 2015 um 8:42

    Panini wird sicherlich von den richtigen Prioritäten sprechen. Schön, dass es so etwas gibt.

  • Antworten Ella 13. Dezember 2015 um 15:41

    Wie gut, dass du in einem Umfeld wohnst, in dem es solche Angebote gibt! Ich hatte angelegentlich mal nach einem Katzen-Osteopath gefahndet und die nächste Praxis in 250km Entfernung ausgemacht … das macht es schwieriger, die für sinnvoll erachteten Therapien auch wirklich durchführen zu lassen.

    • Antworten Heidi 13. Dezember 2015 um 19:30

      Hallo Ella,
      da hast Du aber mal Recht. Wir haben großes Glück.

  • Antworten Christian Schröder 27. Dezember 2015 um 11:49

    Toll, dass es solche Angebote gibt und Du es wahrnimmst. Und natürlich super schön, dass es Panini wieder gut geht!
    Gruß, Christian

  • Antworten Anestro 29. Juli 2018 um 20:27

    Ich bin auch sehr froh, das es Physiotherapeuten für Hunde gibt. Unser Otto (14) durfte auch vor ein paar Jahren in den Genuss kommen und wir ermöglichen es ihm immer wieder.
    Es ist doch einfach nur schön wenn man sieht das es dem Hund dadurch besser geht.

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