Aua

Bestandsaufnahme

6. April 2015

Ein Tierschutzhund ist selten ein kerngesunder Springinsfeld. Panini hatte einen Koffer voller Aua dabei, den wir nun nach und nach ausgepackt haben, um den Inhalt zu entsorgen. Manches zügig, anderes ist ein Geduldsspiel. Hier ein kleines Feuerwerk der hübschesten Hundehandicaps.

Bereits erfolgreich behandelt:

Der Kreuzbandriss

Als das Tier bei mir einzog, wusste ich, dass mit ihrem Knie etwas nicht stimmt. Nach einer Woche bewahrheitete sich die Befürchtung, dass es sich um einen Kreuzbandriss handelt. Nicht, dass ich mit Hundekreuzbändern auf du und du gewesen wäre, aber mit ein wenig Googelei wird einem doch so einiges klar. Selbst Müller-Wohlfahrt hätte hier nichts mehr ausrichten können – ein Kreuzbandriss muss operiert werden. Nur bei sehr kleinen und sehr alten Hunden sieht man davon ab. Es gibt etwa 264 Methoden, so etwas zu operieren und die Experten der einen Methode belächeln jeweils die Experten der anderen. Nach vielen Stunden vor dem Computer entschloss ich mich, meinem Tierarzt zu vertrauen. Seine Methode schien mir passend, soweit das ein Laie überhaupt beurteilen kann und es mussten dafür keine Knochen angesägt und Titanplatten oder ähnliches eingebracht werden. Das Tier ist jung und vergleichsweise leicht, das hilft. Am 22.12.2014 wurde der Hund operiert (für Kenner: mit einer Kapselraffung nach Meutstege und Bandersatz). Die Zeit danach war nicht leicht. Ein junger Hund, der sich kaum bewegen darf und Schmerzen hat, ist nicht so erbaulich anzusehen. Aber irgendwie musste es ja weiter gehen.

Die Spondylose

Da Panini immer wieder gravierende und schmerzhafte Probleme mit dem Bewegungsapparat zeigte, stellte ich das Tier irgendwann sprichwörtlich auf dem Kopf, um Ursachen zu finden. Ein Ergebnis davon ist eine Röntgenaufnahme, die ihre Spondylose zeigt. Eine Verknöcherung der Wirbelsäule als Folge von Mangelernährung und Fehlhaltung durch ihre Verletzungen. Eine Spondylose-Erkrankung erfolgt in Schüben, dabei entzündet sich der Bereich der betroffenen Wirbel, der dann auf den darunterliegenden Nervenkanal drückt. Die Folge sind Schmerzen wie bei einer Ischias-Reizung oder einem Bandscheibenvorfall. Zieht der Hund den Hauptgewinn, liegt die Spondylose ganz hinten am Übergang zum Kreuzbein. Die Nerven hier sind z.B. auch für das Pipimachen zuständig. So kann auch eine Inkontinenz entstehen. Panini hat das große Los gezogen.

Panini Rücken

Ein Spondylose-Schub wird mit entzündungshemmendem Cortison behandelt. Panini verwandelt sich unter Cortison in ein unruhiges Fress-Sauf-Pinkel-Monster. Sie versucht, draußen ALLES zu fressen, säuft Unmengen und muss sieben Mal am Tag pieseln gehen. Wir hatten keine lustige Zeit, als sie das einnahm. Aber nun ist der Rücken wieder unempfindlicher und ich hoffe das beste.

Die Giardien

Giardien sind die Zeugen Jehovas unter den Parasiten – äußerst lästig und man wird sie sehr schwer los. Obwohl als Einzeller auf der Welt, verfügen sie doch über ein enorm cleveres System zum Überleben. Sie tun sich zu zweit zusammen und umschließen sich mit einer Hülle, die schwer von Medikamenten durchdrungen werden kann. Man könnte sehr viel und lange über Giardien schreiben. Nichts davon wäre schön. Sie verursachen bei Hunde- und Katzenhaltern eine wahre Paranoia, die sich in der täglichen Dampfstrahlung der kompletten Wohnung, der Entfernung sämtlicher Heimtextilien und hysterischer Fütterung (Kein einziges Kohlehydrat in den Hund!!) äußert. Dass die Dinger auch noch auf Menschen übertragbar sind, macht es nicht besser. Mein Hund hatte in unregelmäßigen Abständen unerfreuliche Durchfälle, glücklicherweise kein Erbrechen, was auch häufig vorkommen kann.

Giardien kommt man mit umstrittenen Medikamenten bei. Umstritten deshalb, weil sie oft beim ersten Behandlungszyklus noch nicht wirken und dann wieder und wieder und wieder gegeben werden. Da sie oft starke Nebenwirkungen haben, geben sie dem Hund den Rest. Das ganze Tier besteht praktisch nur noch aus Durchfall. Eine Freude für die Hausfrau des gepflegten Heims. Obendrein mehren sich die Stimmen, die sagen, dass immer mehr Giardien-Stämme gegen die Medikamente resistent sind. Es gibt also Gründe, diesen Medikamenten zu misstrauen. Da die Viecher aber nun eben eine deutliche Ansprache brauchen, wollte ich nicht allein naturheilkundlich vorgehen. Also versuchte ich beides. Die Schulmedizin als akute Dröhnung, die Naturheilkunde als langfristige Therapie, um eine erneute Vermehrung zu verhindern. Panini bekam den Wirkstoff Fenbendazol für zwei mal fünf Tage mit drei Tagen Pause und Giardex, ein Präparat der Traditionellen Chinesischen Medizin. Von ersterem bekam sie beängstigenden Durchfall, aber die Methode half. Die Behandlung musste nicht wiederholt werden. Die Giardien verschwanden und kamen auch (toi, toi, toi) nicht wieder. Giardex habe ich 8 Wochen lang gegeben.
Die Wiederherstellung des angegriffenen Darms war mühsam, aber gelang mit Puur probiotica über vier Wochen.

Die Ohrmilben

Im Grunde kaum der Rede wert. Das Tier kratzte sich heftig an und in den Ohren, vor allem abends. Im Zuge der ersten OP wurden die Ohren gründlich gereinigt, die Hinterlassenschaften der Milben entfernt. Danach musste ich regelmäßig Surolan Ohrentropfen anwenden und einmassieren. Auf dem Beipackzettel stand, man soll die Tropfen nicht bei trächtigen Tieren anwenden und auch nicht bei solchen, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Cortison war auch drin. Aha. Panini leckte sich immer die Pfoten nach dem Kratzen ab und ich war wenig begeistert. Die Milben verschwanden – und nach einer Woche waren sie wieder da. Ob es sich dabei um die Nachkommen träger Cousins und Cousinen in versteckten Windungen handelte oder ob sich in Milbenkreisen herumgesprochen hat, dass eine mobile Immobilie frei geworden ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall misstraute ich Surolan nun noch mehr und gab statt dessen die Kräuter-Tropfen Puur -Ohr. Surolan trocknete außerdem schnell ein und war ohnehin nutzlos geworden. Nachdem ich dem Hund drei Wochen lang in den Ohren herumpopelte, um den Schmodder zu entfernen und 3 mal täglich einen Tropfen einmassierte, war die Milbenparty vorbei.

(Noch) eine Baustelle:

Die Arthrose

Wird ein Kreuzbandriss rasch nach seinem Auftreten behandelt, sprich operiert, kann man Folgeschäden im Griff halten. Mein Hund, ein Meister der Verstellung, muss viele Monate mit einem schlackerigen, instabilen Knie umhergelaufen sein. Niemand hat die Verletzung bemerkt. Und vielleicht auch nicht bemerken wollen. Die Folge davon ist eine Arthrose im Kniegelenk. Eine Operation ist kein Garant dafür, dass eine Arthrose gestoppt werden kann. Im Gegenteil, nach Knie-Operationen verstärkt sich die Arthrose oft noch. Am 25.3.2015 wurde Panini ein zweites Mal operiert. Es bestand der Verdacht auf Meniskusschaden, auch das kann im Nachgang einer Operation vorkommen. Der Verdacht bestätigte sich nicht, stattdessen hatte dem Hund die Arthrose zu schaffen gemacht, das Knie wurde nochmals gründlich geglättet, damit Verknöcherungen weniger scheuern können. Im Grunde gehört die Arthrose also auch unter “Bereits erfolgreich behandelt”, wird aber eben dennoch immer ein Thema bleiben. Um das Gelenk geschmeidig zu halten, bekommt sie Luposan Gelenkkraft und Kollagen.

Die Inkontinenz

Es kommt selten vor, aber es kann passieren, dass Panini im Schlaf ein bisschen pieselt. Seit ich es weiß, hat sie eine spezielle waschbare Auflage und ein Handtuch im Körbchen, sollte ein Malheur passieren, ist es in zwei Minuten behoben. Als Ursache vermute ich die Spondylose und möglicherweise eine Blockade im Rücken. Sie bekommt dagegen Vitamin B zur Stärkung der Nerven und Silicium, ein naturheilkundliches Kürbispräparat. Letzteres noch nicht lange genug, um zu sagen, ob es dauerhaft Erfolg zeigt. Außerdem soll sich im Mai ein Hundeosteopath die Sache mal ansehen.

Sonst hat Panini ein paar Narben, die hoffentlich nicht noch auf weitere Probleme hindeuten, eine Muskelatrophie an der rechten Hinterhand, die sich wohl mit Training beheben lässt. Ihr fehlen drei Zähne und ihre Augen tränen ein wenig. Das wichtigste aber: Sie ist ungeheuer guter Dinge, geht gern zum Tierarzt und macht jede lästige Behandlung mit. Sie ist eine zauberhafte Patientin und weigert sich, sich gehandicapt zu fühlen.

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2 Kommentare

  • Antworten SHADOW 11. September 2015 um 10:02

    Hallo Heidi, nach der Suche im Netz nach Angeboten von Möhrenpellets bin ich auf Deine Seite gestoßen. Mein Respekt und meine Hochachtung an Dich. Ich habe auch zwei Hunde aus dem Tierschutz, beide aus Ungarn und Glück gehabt, sie sind gesund. Bevor ich mich für sie entschied, hatte ich eine Hündin aus dem hiesigen Tierheim. Ausgesetzt wegen Krebs, habe ich erst später erfahren. Ja und, sie war schon 12 Jahre alt, taub, konnte pipi nicht lange halten, sabberte und, und und. Aber sie war glücklich. Sie war mein Erdferkel, meine Arbeitshund, die riesengroße Äste über kilometerlange Spaziergänge schleppte, die wieder lebendig geworden war, weil ihr Herz wieder froh war. Einen alten und kranken Hund begleiten zu dürfen, machte mich weise, ich war zufrieden und lernte die wichtigen Dinge im Leben zu schätzen. 9 Monate lebte sie bei mir, dann war der Krebs stärker und ich habe knapp 1000 EUR Tierarztkosten bezahlt. Aber ich würde es immer wieder so machen. Und du kannst sehr, sehr stolz auf dich sein und Panini dankt es dir jeden Tag aufs neue. Ich wünsche Euch weiterhin viel Durchhaltevermögen, ich schafft das schon. Gruß SHADOW

    • Antworten Heidi 11. September 2015 um 10:10

      Hallo Shadow,
      danke für Deinen lieben Kommentar!
      Wir sind weiter auf dem Weg bergauf, auch wenn noch nicht alles so ist, wie es soll. Es ist so, wie Du sagst, man lernt viel an einem Tier, dass nicht ganz auf der Höhe ist.
      Viele Grüße an Dich und Deine beiden Ungarn!

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