Draußen

Machen Sie das da weg!

16. August 2017
Haufen_2

Ich bin gereizt. Das kann ja schnell mal passieren, wenn man mit vielen Menschen auf einem Raum lebt. Allerdings bin ich heute nicht etwa gereizt, weil es so viel Rücksichtslosigkeit gibt. Sondern weil man mich der Rücksichtslosigkeit bezichtigt. Heute zum dritten Mal innerhalb von vier Wochen. Langsam geht es mir auf die Kekse (ein einzelner Keks kann das schon gar nicht mehr tragen).

Ich muss kurz ein bisschen ausholen. Die Sache mit dem Hundekot ist in der Stadt ein Problem. 55 Tonnen davon, so schätzt man in Berlin, bleiben jährlich auf den Straßen liegen. In anderen Städten sieht es nicht viel besser aus. Trotz angedrohter Ordnungswidrigkeitsgebühren werden die Geschäfte der Vierbeiner oft nicht entfernt. Ich ärgere mich darüber so sehr, dass ich schon öfter Haufen eingesammelt habe, die nicht von meinem Hund stammen. In unserer Straße möchte ich erstens nicht selbst hineintreten und zweitens will ich verhindern, dass jemand auf die Idee kommt, Panini könnte die Verursacherin gewesen sein. Hundehassern nehme ich da lieber schnell die Argumente. Unlängst sammelte ich überdies auf „unserem“ Grünstreifen auf ca. 150 Metern neun (!) gefüllte Kotbeutel ein, die liegen gelassen wurden, obwohl sich zahlreiche Papierkörbe in unmittelbarer Nähe befinden. Es ist zum Haare raufen.

Grünstreifen

Dass man sich über solche Dinge ärgert, kann ich deshalb verstehen. Allerdings betreffen sie Nichthundehalter und Hundehalter gleichermaßen, auch mit einem Hund in der Wohnung bin ich noch nicht derart verrottet, dass ich gern Hundekot unter der Sohle trage. Ganz im Gegenteil – ich betrete häufiger kontaminierte Gebiete als Menschen ohne Hund, unter Umständen muss ich sogar noch darauf achten, dass mein Tier nicht von den fremden Hinterlassenschaften nascht und ich habe den Druck, dass man mich mit dem Fehlverhalten anderer in Verbindung bringt. Ich finde liegengebliebenen Hundekot also noch scheißiger als der durchschnittliche Nichthundehalter.

Umso absurder ist es, dass ich immer öfter angegangen werde, ich soll etwas entfernen, was es gar nicht gibt. Denn unglückseligerweise wissen viele Menschen nicht, wie ein weiblicher Hund pinkelt.

Vor etwa vier Wochen raunzte mich ein älterer Mann an, ich sollte gefälligst den Haufen aufheben. Da war aber keiner, Panini hatte gerade gepieselt. „Der Hund hat gerade gepinkelt“, sage ich. „Wollen Sie mich verarschen?“, sagt der Mann. „Machen Sie die Schweinerei da weg!“ „Das ist ein Mädchen“, sage ich „die pinkelt im Sitzen!“. Der Mann flucht und grollt, dass er mich anzeigen will und geht laut schimpfend von dannen.

Wenige Tage später läuft mir ein junger Mann laut rufend hinterher. Ich kapiere erst überhaupt nicht, dass er mich meint. Schließlich stellt er mich. „Wollen Sie das nicht wegmachen?“ Wieder hat Panini gerade auf einem Stück Wiese ein kleines Geschäft gemacht. „Da ist nichts, der Hund hat gepinkelt!“ „Das hab ich aber ganz anders gesehen!“ erwidert der Mann und wieder erkläre ich, dass weibliche Hunde nicht unbedingt das Beinchen heben, sondern sich hinsetzen. Er lässt erst dann locker, als ich ihm meine Kottütensammlung zeige, die ich in meiner Gassitasche mitführe – zum zaghaften Beweis, dass ich immer gerüstet bin, etwas aufzusammeln, falls es nötig ist. Aber hier gibt es einfach nichts, was ich aufsammeln könnte. Zumindest nichts von Panini. Möglicherweise wird ja aber seit neuestem erwartet, dass man auch das Bächlein in einer Dose auffängt?

Gestern kommt mir ein Radfahrer entgegen und hält sich nicht mit Höflichkeiten auf. „Machen Sie das da weg, Sie Ferkel!“ blökt er mich an. „Der Hund hat nur gepinkelt!“ rufe ich, „das ist ein weiblicher Hund!“. „Das ist doch lächerlich!“ schreit der Mann, winkt ab und fährt weiter. Ich brülle ihm irgendetwas hinterher, inzwischen zunehmend wütend, dass ich mich so behandeln lassen muss.

Es ist mir auch schon früher mal passiert, dass jemand Paninis Art, Geschäfte zu machen, verwechselt. Aber in dieser Frequenz nervt es. Was ist denn los, hat Markus Lanz vielleicht dazu aufgerufen, Hundehalter zu stellen? Kam dazu ein Beitrag in „Hallo Deutschland“? Oder in „Volle Kanne, Service täglich“?

Geschäft, klein

Geschäft, klein

Ich würde mir wünschen, die Medien würden für alle degenerierten Städter mal einen Beitrag darüber bringen, dass es nicht nur männliche Hunde gibt. Ich helfe gern mit, die Unterschiede zu erklären. Wenn ein weiblicher Hund pinkelt, geht er in die Hocke. Den Popo senkt er dabei tief ab, der Rücken ist gestreckt, die Vorderpfoten halten Abstand. Natürlich gibt es individuelle Unterschiede je nach Körperbau und ob Besonderheiten im Bewegungsapparat vorliegen. Viele weibliche Hunde markieren auch und lüpfen dabei ein Bein. Panini hängt so beim Pinkeln manchmal wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

Niemals aber sieht es so aus.

Geschäft, groß

Geschäft, groß

Der untere Rücken ist gebeugt, der Popo hält ausreichend Abstand zum Boden, damit der Hund sich nicht selbst beschmutzt. Die Vorderpfoten stehen enger an den Hinterbeinen.

Wenn man das auf die Ferne nicht unterscheiden kann, macht es gar nichts. Dann wäre es aber schön, wenn man fremde Menschen nicht einfach so ankackt. Der verbale Abfall lässt sich nämlich ganz schlecht in Tüten entsorgen.

 

Bilder © Robert Kovacs – istockphoto.de, charnsitr – fotolia.de

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8 Kommentare

  • Antworten Anna 16. August 2017 at 15:47

    Ganz genauso erlebe ich es auch häufiger. Noch schlimmer ist es, wenn man einen Rüden an der Leine hat, der nie gelernt hat das Bein zu heben. Da wird einem kaum geglaubt, das er nur gepinkelt hat. Auch besonders ärgerlich ist es, wenn der eigene Hund ständig fremde Hinterlassenschaften an den Pfoten kleben hat. Sammle auch gelegentlich fremde Haufen aus den genannten Gründen ein. Aber man kommt ja kaum hinterher. Mir fällt zudem immer häufiger auf, dass insbesondere Besitzer großer Rassen (zumindest in meinem Bezirk Berlins) offenbar keine Lust haben die riesigen Haufen ihrer Liebsten wegzuräumen. Auch bei Regen oder Kälte häufen sich die Überreste, da es Herrchen oder Frauchen anscheinend zu anstrengend ist bei ungastlichen Wetterverhältnissen ein Tütchen hervorzuholen und noch zehn Meter zum Mülleimer zu gehen. Hundehassern und Verrückten spielt das in die Hände, so dass man als Besitzer immer besorgter sein muss. Schade!

  • Antworten Lisa 16. August 2017 at 15:59

    Hallo,

    wieder einmal soooo super geschrieben!

    Liebe Grüße,
    Lisa

  • Antworten Monika 16. August 2017 at 16:07

    Wieder mal sehr schön geschrieben!! Dieses “Ankacken” von ahnungslosen Nichthundehaltern kenne ich leider auch sehr gut. Wir wurden auch schon angepöbelt, obwohl wir gerade am Einsammeln der Hinterlassenschaften waren. Nach der Frage, ob sie mal eine Nase voll aus dem gerade frisch gefüllten Beutel nehmen möchten, sind die Leute dann aber doch weitergefahren (hatten sie doch extra ihren Wagen angehalten und das Fenster runtergefahren, um uns entsprechend zu belehren). Allerdings hatten wir auch schon andere Erlebnisse: Nachdem unser Vizekeks Cookie direkt vor dem Garten eines Hauses sein Häufchen hinterlassen und ich es gerade eingesammelt hatte, klopfte es im Haus lautstark gegen die Scheibe. Hinter der Scheibe ein gestikulierender Mann. Ich dachte schon “Man, was will der denn, ich hab’s doch eingetütet” – als ich sah, dass er applaudierte und uns ein “Daumen hoch” zeigte. Es geht also auch anders. 😀
    Aber ich ärgere mich genauso über Hundehalter, die den Kot nicht wegmachen und es stimmt, was Anna oben schreibt: Je größer der Hund, desto kleiner die Bereitschaft, das Zeug einzusammeln. Wirklich schade – denn ausbaden müssen es ALLE Hundehalter und im Zweifel die Hunde, die durch Hundehasser vergiftet werden.

  • Antworten Mara 16. August 2017 at 16:10

    Waaah, ich fass es nicht – es gibt also auch in Berlin solche Menschen. Die einerseits uninformiert sind (kein Ding!). Und andrerseits den Doofen machen und Leute anpöbeln, ohne hinzusehen.

    Ich kam letztens mit Abra an einem Haus vorbei. Aus einem Fenster über mir keifte es, dass ich den Hund da wegnehmen solle. Wenn der wieder die Mauer anpinkeln würde, würde man die Polizei rufen. “Entschuldigen Sie, aber das ist eine Hündin, die hat weder vor noch an ihr Haus gemacht.” Derweil setzte Abra sich hin. Hinsetzen wie “Sitz”. Nicht wie “Macht nen Haufen”. Daraufhin drohte der Herr im Fenster zu explodieren.
    Nunja.
    Ich habe dann freundlich gegrüßt und bin einfach weitergegangen. Dem war eh nicht zu helfen in seiner Wut.

    Liebe Grüße,
    Mara und Abra

  • Antworten Socke-nHalterin 16. August 2017 at 20:13

    Kaum zu glauben, was in der Hauptstadt Deutschlands los ist. Dabei dachte ich, dass man dort ganz liberal, weltoffen und freundlich ist.

    Hier ist mir das in fast sieben erst einmal passiert und die Dame war zurecht sauer, denn der Haufen lag vor ihrer Haustüre. Als ich sagte, dass wir es nicht waren, ließ sie uns gehen.

    Unglaublich…..

    Viele nachdenkliche Grüße
    Sabine mit Socke

    • Antworten Socke-nHalterin 16. August 2017 at 20:15

      Kaum zu glauben, was in der Hauptstadt Deutschlands los ist. Dabei dachte ich, dass man dort ganz liberal, weltoffen und freundlich ist.

      Hier ist mir das in fast sieben Jahren erst einmal passiert und die Dame war zurecht sauer, denn der Haufen lag vor ihrer Haustüre. Als ich sagte, dass wir es nicht waren, ließ sie uns gehen.

      Unglaublich…..

      Viele nachdenkliche Grüße
      Sabine mit Socke

  • Antworten Chris 22. August 2017 at 9:51

    Hallo!
    Jaja…. die Leute hab ich auch schon kennengelernt. Ganz besondere Exemplare…..
    Grüßle
    Chris

  • Antworten Steffi 18. Oktober 2017 at 11:37

    Dass ist auch immer meine Angst, bisher wurde ich aber nur laaaaange angeguckt wenn Frau Hund ein Häufchen gemacht hat und ich in dem Moment die Tüte noch nicht unter ihren Po gehalten habe :/

    Ansonsten kann ich aber bestätigen, dass es einen optischen Unterschied zwischen weiblicher Hund pinkelt und weiblicher Hund kackt gibt. Exakt der abgebildete runde Rücken. Aber dass jetzt im “vorbeischreiben” jemanden zu erklären wird wohl schwierig.