Draußen

Das ummäntelte Tier.

19. Juni 2015

Hundemäntel haben einen sehr schlechten Ruf. Das liegt vor allem an ihrem Design. Doch das nicht fair und ein bisschen so, als würden wir alle keine T-Shirts tragen, weil es welche von Ed Hardy gibt. Oder solche mit dem Aufdruck „Bier formte diesen wunderschönen Körper“. Was kann das Textil für sein Design? Ich gebe allerdings zu, dass auch ich Hundemänteln gegenüber skeptisch war. Früher gab es sowas nicht und wir wissen ja, dass zu allem, was es früher nicht gab, ein 10er-Pack Argwohn mitgeliefert wird. Das muss man dann erst mal abfummeln und in den Müll werfen, wo es hingehört.

Hunde von Männern haben auch heute noch keine Mäntel an. Von echten Männern, meine ich. Dagegen sieht man Mäntel besonders häufig an Frauenhunden. Kleinen, zarten, putzigen Schoßhündchen, die klingen wie Gießkannen und aussehen wie von Steiff genäht. Sie tragen Mäntel mit Kapuzen und Strassperlen, mit total lustigen Aufdrucken (V.I.P., Mamas Liebling, Adidog) und Knochen- oder Pfotenmustern. Ich weiß nicht, warum Hundetextilien immer Knochen- oder Pfotenmuster haben müssen. Vielleicht, damit sich die “Generation Jack Wolfskin” mehr mit ihrem Hund identifizieren kann? Ich finde Pfotenmuster peinlich. Ich habe ja auch keine Bettwäsche mit Fußmuster.

Auf jeden Fall hat man eine Vorstellung vom Hund. Und von sich mit dem Hund. Ein kerniges Team, bei Wind und Wetter draußen, der Natur verbunden. Der Hund, ein treuer, schlecht riechender Begleiter. Zumindest, wenn es geregnet hat. Hätte „der Mann in den Bergen“ einen Hund gehabt, er würde bestimmt niemals einen Hundemantel tragen.

Panini zog im Dezember bei mir ein und ich war froh, dass sie als Südländerin hier scheinbar nicht fror. Sonst hätte ich ihr am Ende gar einen Mantel anziehen müssen. Ne, ne, ne. Doch dann kam der Moment, als der Tierarzt mir sagte: Das Tier hat Rücken. Er sagte das ein bisschen anders, aber das war die Essenz. Und er sagte auch „Schön ein Mäntelken anziehen, wenn et getz kalt is!“ Das sagte er tatsächlich, denn er kommt nicht aus Hessen. Das Mäntelken soll verhindern, dass feuchte Kälte an meinen zwar ausgesprochen kindlichen und albernen, aber dennoch großmütterlich arthrotischen und rückenschmerzigen Hund kommt. Wenn es darum geht, Panini Schmerzen zu ersparen, werfe ich nicht nur meinen pekuniären Besitz mit beiden Händen zu denen, die ihn haben wollen, sondern auch alle Vorurteile über Bord. Ich kaufte sofort zwei Mäntelken. Ein etwas wärmeres Modell aus Softshell und einen leichten Regenmantel. Panini hat (wie ihre Mäzenin) keine Standardfigur, weshalb es gar nicht so leicht ist, halbwegs passende Mäntelken zu finden. Aber mit den gekauften können wir erst mal beide leben. Das Tier findet das Anziehen eher so mittel, ergibt sich aber ihrem Schicksal, wie so oft, wenn es etwas vollkommen Undurchsichtiges tun soll.

IMG_40582 (1)Inzwischen habe ich meine Meinung über Hundemäntel gründlich geändert und halte alle abschätzigen Blicke von Männern mit ernsthaft dreinblickenden Schäferhunden und nobel trabenden Weimaranern aus. Wenn es regnet, ich meine, richtig regnet, sehen wir die ohnehin nie. Dann gehört uns der Spazierparkour. Ich weiß nicht, was die anderen dann machen. Pipi im Garten vielleicht. Panini kann locker ausschreiten und schnuppern wo und wie lange sie will. Sie hat ja einen Regenmantel. Wenn wir nach dem Spaziergang ins Haus kommen, dauert das Trocknen mit dem Handtuch etwa eine Minute. Beine, Schwanz und Kopf, das war’s. Oben in der Wohnung dann kommt aber der erhabenste Moment. Dann ziehe ich dem Tier den Mantel aus und wir machen beide einen Hüpfer. Denn sie ist vollkommen warm und trocken. Und sauber. Ein bisschen Dreck fängt sich am Bauch, aber das ist nicht der Rede Wert. Und meine Wohnung riecht nicht wie ein alter Spüllappen.

Mag sein, dass wir den Gedanken lieben, vom artgerechten, natürlichen Leben des Hundes. Die Wahrheit ist aber, dass der Hund ein eher menschliches Leben führt. Mit Zentralheizung, Napf und Hundebett. Nichts davon ist natürlich. Paninis Sommerfell ist stellenweise eher ein Flaum. Wenn es regnet, wird sie klitschnass bis auf die Haut. Schon möglich, dass ihr Fell eine natürliche Imprägnierung hat. Aber sie ist nun mal trotzdem keine Ente, der Nässe nichts ausmacht. Sie lebt nicht mehr im Freien, sondern ge- und beschützt in geschlossenen Räumen. Wenn sie aber draußen ist, soll sie es möglichst lange und unbeschwert sein. Das geht bei Regen am besten im Mantel. Vielleicht ist das Mäntelken so gesehen ein Beitrag für ein natürliches Hundeleben. Manchmal ist das Unlogische eigentlich besonders logisch.

Diese und viele weitere Panini-Geschichten gibt es jetzt auch im E-Book “Ein Hund namens Brötchen”

Titelbild © markgoddard – iStockphoto.de

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9 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 19. Juni 2015 um 19:57

    Ich war auch eher so ne Hundemantelverpöhnerin… hab jedes Frauchen für doof gehalten, die ihren Hund so verweichlicht. Bis mein Neffenhund ins Leben trat und der Kerl schlottert dermaßen, wenn es kälter ist, dass man wirklich arg Mitleid bekommt. Die Nichte finanziell als Studentin nicht ganz so flüssig also wurde von Tante (also mir) das Mäntelchen gekauft – aber ausgesucht wurds von mir nicht. Ich find, es steht dem Herrn aber gut. Und außerdem verfügt er noch über ein selbst gestricktes mit dicken Knöpfen. Hauptsache nicht kalt. http://blumenmond.blogspot.de/2014/12/auf-den-hund-gekommen.html

  • Antworten Andrea 19. Juni 2015 um 22:56

    Ich würd ja, zumindest dem Tier zu Liebe. Aber das Tier weigert sich, ständig und egal, in was für einem Modell. Sie läuft keinen Meter und frieren tut sie trotzdem…

    Also was will man machen. Bei Starkregen gehen wir, wenn es gar nicht mehr anders geht, höchstens um den Block – nackig versteht sich…

    • Antworten Heidi 20. Juni 2015 um 10:07

      Das ist natürlich ein schwieriger Fall … 😉 Da hab ich Glück, Panini hüpft und springt damit.

  • Antworten Sabine Fuchs 14. Juli 2016 um 10:04

    Vielleicht sollte ich es auch mal probieren, vielleicht würden meine Hunde dann bei Regen doch mal einen Schritt vor die Tür setzen. Und nicht immer nur sagen: Frauchen, wenn du unbedingt Gassi gehen musst, dann werden wir dich nicht daran hindern, aber geh doch bitte alleine.
    Und das hier nicht zum Thema: Für diesen Blick bräuchte dein Hund eigentlich einen Waffenschein, ist ihr das klar? unglaublich…. der bringt wohl jedes harte Herz zum Schmelzen 😀

  • Antworten Heike 17. Juni 2017 um 4:04

    Mein Ridgeback hat auch zwei Mäntel, einen für Regen und einen für Winter. Vor allem bei Regen, geht es nicht ohne… Da macht er sich nicht mal die Mühe an der Haustür umzudrehen, nein, per Rückwärtsgang geht es direkt wieder ins Haus.
    Wasser von oben geht nur mit einem ordentlichen Mantel für das Hündchen. Allerdings ist es kein Problem mit dem Regenmantel in einen Teich zu hüpfen!

  • Antworten Hunderegenmantel 6. Dezember 2017 um 10:50

    Ja der Hundemantel war lange Zeit richtig verpöhnt. Ich weiß noch wo wir unsere Elif ganz frisch von der Türkei in Deutschland hatten war es schon Oktober und sie hat mächtig gefroren. Wir haben ihr einen Mantel mit Daunen gekauft damit sie nicht krank wird. Sie hat kurzes raues Haar und war klimatisch nicht auf Deutschland eingestellt 😀 Man muss sich heute noch auf doofe Blicke einstellen aber ist mir egal. Da sie mittlerweile aus ihrem alten Hundemantel herausgewachsen war und wir so oder so neue brauchten habe ich selbst vor kurzen verschiedene Produkte durchgesucht da ich für meine Hunde wieder was für die jetzige Jahreszeit brauche. Was habt ihr für Hundemäntel auf dem Bild? Habt ihr sie selber gemacht? Sehen cool aus 😀 Viele Grüße Victor

  • Antworten Anke Emunds 14. Dezember 2018 um 16:27

    Liebe Heidi sehr guter Beitrag zum Thema Hundemantel! Meine Zwergrauhaardackeldame hat in der Tat
    eine eigene Garderobe nötig, etwas für den Regen, für die mitteldeutsche Kälte und natürlich Daunen für die sibierisch anmutenden tiefkalten Temperaturen. Auch wir werden immer wieder belächelt aber uns geht es so wie dir und Panini. Bei jedem Wetter sind wir draussen und der Dackel ist wenig nass und dreckig. Ausserdem hat mein tiefer gelegtes Hundemodell kein Problem mit Bodenfrost, oder Rücken.
    In Ermangelung der passenden Mäntel jedoch habe ich mich zur Schneiderin für Dackelmäntel gemausert, dass schont die Geldbörse! Danke für deine tollen Beiträge. VG Anke

  • Antworten Marianne 9. Februar 2019 um 23:37

    Hallo Anke,

    Ich habe auch einen Dackel und würde mich freuen, wenn du mir erzählen kannst, wie du die Kleidung nähst. Nimmst du die Schnitte ab?

    Liebe Grüße aus Wien,
    Marianne

  • Antworten Anke Emunds 10. Februar 2019 um 16:45

    Hallo Marianne, in der Tat habe ich den Schnitt von einem gekauften (teuren) gut sitzenden Mantel abkopiert. Einen Probemantel genäht, Schnitt verfeinert und dann immer weiter spezialisiert. Mittlerweile verschiedene Stoffkombies ausprobiert und hier und da Inspirationen geholt. Für eine Freundin mit Zwergdackel auch etwas kleiner geschnittene Mäntel genäht, so habe ich 2 Größen die ich nutze. VG A. Emunds

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