Draußen Drinnen

Wer bin ich? Auf der Suche nach Frauchen.

28. März 2016

Bei mir wohnt ein Hund, für den ich sorge. Er hat eine Haftpflichtversicherung und zahlt Steuern, als seine Bürokraft übernehme ich den Papierkram für ihn. Wenn Panini über die Hundewiese laufen würde und würde dort einen Haufen absetzen und ich würde ihn nicht aufsammeln, dann wäre es gut möglich, dass mich jemand anspricht. Er würde dann vielleicht sagen: „Gehört dieser Hund Ihnen?“ Und ich, wenn ich Panini nicht verleugnen will, würde „Ja“ antworten (auf die Gefahr hin, dass mir der Mensch die Leviten liest, weil ich Paninis Hinterlassenschaften nicht aufsammle. Zu Recht natürlich). Dabei finde ich gar nicht, dass mir Panini gehört. Wie kann mir ein Lebewesen überhaupt gehören? „Gehört dieser Hund zu Ihnen“, ja, das wäre schon besser. Aber bin ich Hundebesitzerin? Ich weiß nicht.

Sensible Gemüter weichen deshalb auf den Begriff „Hundehalter“ aus. Das klingt für mich nun wiederum sehr entmenschlicht und ganz schön statisch. Als wäre ich eine Art Garderobenständer, eine Leinenaufhängung zur Hundebefestigung. Wahrscheinlich bin ich wohl sowas. Aber so recht behagt es mir nicht. Möglich wäre auch, dass ich eine „Hundeführerin“ bin, schließlich bestimme ich, wann und wohin wir gehen. Meistens. Aber dabei sehe ich nun wiederum Uniformierte vor mir, die Hunde dazu bringen, Gewaltverbrecher zu fassen. Vielleicht auch solche, die gar nicht wussten, dass sie Gewaltverbrecher sind. Und wer ist in Deutschland schon gern ein Führer?

Vermutlich haben sich deshalb die meisten Hundebesitzer/halter/führerinnen damit abgefunden, dass sie „Frauchen“ sind und ihre männlichen Pendants „Herrchen“. Meistens wird dieser Begriff ja vermeintlich aus der Sicht des Hundes gebraucht. „Na, hat dir Frauchen nicht genug zu fressen gegeben?“ Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass Panini nicht denkt, dass ich Frauchen bin. Ich bin so viel größer als sie, warum sollte sie mich mit einer Verkleinerungsform bedenken? Nein, putzig findet sie mich bestimmt nicht. Da ich mit Panini nicht verheiratet bin, kann ich aber auch nicht ihre Frau sein. Frauchen und Herrchen ist zumindest etwas Hundspezifisches. Aber es ist so … so …. Blöd. Es ist einfach blöd.

Eine große Menge der Leute, die genauso empfindet, hat beschlossen, „Mama“ oder „Papa“ zu sein. Ich wäre also Hundemama. Das ist zumindest aus genetischer Sicht verblüffend. Wie kann es sein, dass mir die Begegnung mit Paninis Vater so gänzlich entfallen ist? Auch die Geburt liegt völlig im Dunkeln. Und dann hat sie optisch auch so gar nichts von mir … Ach so, ich bin nur Adoptivmama! Ja, das stimmt auf jeden Fall, adoptiert habe ich sie. Tatsächlich gleicht unser Verhältnis dem von Mutter und Kind noch am ehesten. Ich muss sie an alles erinnern, hinter ihr aufräumen und bereite ihr Lieblingsessen zu. Unter Umständen mache ich ihr sogar den Po sauber. Diese Fürsorge ist auf jeden Fall elterlich. Aber ist das nicht sehr albern? Mama? Liegt da nicht auch eine Gruppe Menschen hinter dem nächsten Holzstapel, die „Typisch! Der Hund soll ein Kindersatz sein!“ rufen?

Es ist erstaunlich, dass wir schon so lange mit Hunden zusammenleben und noch keinen würdigen, eigenständigen Begriff gefunden haben, der unser Verhältnis zum Tier beschreibt. Der Fürsorge beinhaltet und Freundschaft. Und er müsste das feste Band ausdrücken, das die wechselseitige Begleitung ausmacht. Vielleicht bin ich am ehesten Paninis Gefährtin. So wie sie meine ist. Hundegefährtin. Möglicherweise wird es irgendwann noch einen besseren Begriff geben. Auf jeden Fall aber gibt es schon viele schlechtere.

Diese und viele weitere Panini-Geschichten gibt es jetzt auch im E-Book “Ein Hund namens Brötchen”

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6 Kommentare

  • Antworten Uschi 28. März 2016 um 17:21

    Wie wäre es, wenn wir einfach die Menschen unserer Hunde sind? Du bist Paninis Mensch und Stefan und ich sind Jerrys Menschen. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder nicht?

  • Antworten Henrik 28. März 2016 um 22:37

    Frau Hayali hat in ihrem (recht unterhaltsamen) Buch “Iss was, Dog” den Begriff “Sozialpartner” ins Rennen geschickt. Vielleicht etwas abstrakt und der Gegensatz zum “Besitzer”.

    • Antworten Heidi 2. April 2016 um 11:14

      Sozialpartner klingt für mich furchtbar. 😀 Und sowohl der Hund als auch ich haben ja hoffentlich mehrere davon. Auch Paninis Hundesitterin ist ja eine Sozialpartnerin und die Hunde, die dort sind, sind auch welche. Ne, ich bin nicht überzeugt.

  • Antworten Silvia Fahnemnann 31. Mai 2017 um 14:14

    früher war das für mich nie ein Thema, in den Zeiten von DSH(Deutscher Schäferhund), Schnauzer und co. Seit einiger Zeit habe ich nun meinen ersten Windhund, das ist eine ganz andere Beziehung und mache mir genau über diese Situation das erste Mal Gedanken. Da passt “HundeführerIn” gar nicht mehr, Hundehalter zu neutral, Eigentümer bin ich- Besitzer ??. Dann kam besagtes Mama ins Spiel, als ein Kellner im Restaurant es benutzte. Die gleichen Gedanken wie bei Heidi- das geht gar nicht, ich hab schon einen Sohn- der zu Recht Ma-ma sagt, mein Enkel 🙂 sagt Moma…. gebt mir Bescheid, wenn ihr ein schönes Wort gefunden habt… lg Silvia mit

  • Antworten Martina Meyer 16. Juni 2017 um 22:00

    Ich habe eine Nachbarin, K. und eine super gute Freundin, J. und und ich habe einen Hund, Balu. Wir, Balu und ich haben eine gemeinsame Freundin, A. und Balu hat Freundinnen in der Nachbarschaft und einen ganz dollen Freund , Tobi. Isa, Isa und Balu….das war einfach wie Arsch auf Eimer, eine großartige Freundschaft, aber mehr noch, “wortloses” Verstehen, füreinander Sorgen, sich begleiten, bis zu Isas letztem Tag. So war es zwischen uns dreien, niemand hat je bemerkt, dass Isa letztendlich “nur” 1,5 Jahre mit uns gelebt hat, nicht 15,5….Wenn ich sage, Balu ist mein Hund, dann mit genau diesem Gefühl. Und anders herum bin ich eben sein Mensch und wir wohnen zusammen.

  • Antworten Ruth 3. Oktober 2018 um 19:24

    Herrlich. Ich musste laut lachen. Über deine Geschichten. Total witzig.

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