Draußen

Die 5 fundamentalsten Erziehungstipps für Deinen Hund.

25. Mai 2017
Hund Erziehung Tipps

Ich brauche einen Coach. Dringend. Für alles. Ich habe mir das ganz genau zurecht gelegt. Erst buche ich das Change Management für den Job, dann werde ich die Ernährungsberatung nutzen und danach die Frisuren- und Farbberatung buchen. Ich mache sonst einfach alles falsch. Am meisten falsch mache ich allerdings immer noch im Umgang mit dem Hund. Ich spreche falsch mit ihm, reagiere falsch, belohne falsch, fasse ihn falsch an und füttere ihn falsch. Durch die Lektüre zahlreicher Internetseiten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich zunächst meinen Bachelor in Wolf machen sollte, um dann den Master in Hund draufzusatteln. Ich sehe mich sonst als Laie außerstande, dem Tier fürderhin gerecht zu werden.

Gerade kürzlich las ich wieder, man dürfe auf keinen Fall (!) mit heller Stimme mit dem Hund sprechen, ihn etwa freudig im oberen Violinschlüssel loben. Denn dann denke der Hund, man sei ein Welpe und reagiere verstört. Ich habe dann noch einmal gründlich nachgedacht und weitere Fehler identifiziert, die man auf keinen Fall (!) machen darf, wenn man den Hund nicht nachhaltig traumatisieren möchte.

  1. Trage keine voluminösen Lockenfrisuren. Denn dann denkt der Hund, du seist ein Löwe und reagiert mit Flucht.
  2. Gib keine Kotproben beim Tierarzt ab. Sonst denkt der Hund, Du möchtest den Wert seines Outputs von einem Sachverständigen schätzen lassen.
  3. Trage keine T-Shirts mit einem Zahlenaufdruck, z.B. „Route 66“. Der Hund interpretiert sonst die Nummer als Deine Ranglistenposition im Rudel.
  4. Singe niemals in Gegenwart des Hundes! Sonst denkt er, du wärst Xavier Naidoo und wird bissig.
  5. Esse auf keinen Fall etwas, wenn der Hund dabei ist. Sonst denkt der Hund, du würdest etwas essen, wenn er dabei ist.

Man kann so unheimlich viel falsch machen! Und ich möchte doch perfekt sein, wie all die anderen Hundehalter im Netz! Ich denke ohnehin oft, ich habe mein Tier längst traumatisiert. Eine berühmte Kolumnistin und Bloggerin schrieb einmal in ihrem berühmten Kolumnistinnenblog, sie sei niemals, wirklich niemals je gegenüber einem ihrer Hunde laut geworden. Auf keinen Fall (!) dürfe man jemals gegenüber einem Hund laut werden. Es nütze ja auch nie etwas. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Ich lag nächtelang wach. Andere haben siebzehn Hunde und werden niemals laut und ich habe nur dieses eine, ja kaum nennenswerte Tier, das nicht einmal ein querschnittsgelähmter zu Kämpfen ausgebildeter Angsthund mit 10 Vorbesitzern und mieser Sozialisierung ist und werde dennoch laut. Falscher kann man einen Hund gar nicht behandeln. Ja, ich würde so weit gehen zu sagen: Wer seinen Hund anmotzt, nur weil er sich trotz einem deutlichen „Nein“ ein bis zur Unkenntlichkeit entstelltes Gummibärchen auf dem Bürgersteig reinpfeift, der hat gezeigt, dass er nicht in er Lage ist, einen Hund zu halten und hätte sich wohl besser einen Goldhamster angeschafft.

Ich habe mir jedenfalls ganz fest vorgenommen, nie mehr etwas zu meinem Hund zu sagen, was zu hoch, zu tief, zu laut, zu leise, zu freundlich oder zu grantig klingt. Sonst denkt der Hund am Ende noch, ich wäre auch nur ein Mensch.

Bild © Braydon Anderson – Unsplash

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14 Kommentare

  • Antworten Lisa 25. Mai 2017 at 21:07

    Oh, wie herrlich geschrieben :) Ich muss immer noch lachen …
    Jedenfalls bin ich jetzt davon überzeugt, dass mein Hund traumatisiert sein muss!

    Liebe Grüße,
    Lisa

  • Antworten Inken 26. Mai 2017 at 0:26

    Ich habe natürlich IMMER ALLES falsch gemacht. Doch dank des Blogs einer berühmten Bloggerin weiss ich das nun. Ich spreche sie einfach nicht mehr an….jawoll.

  • Antworten Inken 26. Mai 2017 at 0:29

    ….und ich überlege einen Blog über Goldhamsterhaltung zu schreiben. Ich habe nämlich das Gefühl, dass die unterschätzt werden.

  • Antworten Isabella 26. Mai 2017 at 10:33

    Was für ein wunderbarer Beitrag … der mich dazu bringt, mir auch mal an die eigene Nase zu fassen. Ich habe sicher auch schon so vieles falsch gemacht bei der Erziehung meiner Hunde – aber ich bin nicht sicher, ob ich es so ganz ohne Hilfe schaffen kann, mir das auch abzugewöhnen. Wahrscheinlich hält der gute Vorsatz nicht lange, wenn ich keine Unterstützung bekomme.
    Ich kann es schon fast vor mir sehen – wenn Cara ins nächst Matschloch springt, dann werde ich wieder mit ihr reden – zu laut, zu tief und zu viel!
    Da wäre vielleicht eine Gruppe zur Unterstützung nicht schlecht – so etwas wie die Anonymen Sprachlastigen Hundehaber :)

    Und Goldhamster sind sicher auch keine Lösung … irgendwer wird schon noch rausfinden, dass die auch nicht angesprochen werden dürfen!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara – die vor lauter Traume auf dem Sofa schnarchen!

  • Antworten Socke-nHalterin 26. Mai 2017 at 14:46

    Das ist ein ganz herrlicher Beitrag, der mir zeigt, ich bin nicht alleine auf dieser Welt der talentierten Hundehalter.

    Wenn ich mit Socke eine Kurs mache, werden mir meine Defizte im Kreise der anderen Hundehalterimmer sehr deutlich. Also, was macht man, man besucht keine Kurse mehr und verdrängt das Problem. Dein beitrag erinnert mich daran und war soooo herrlich unterhaltsam.

    Mein Favorit die 5

    “Esse auf keinen Fall etwas, wenn der Hund dabei ist. Sonst denkt der Hund, du würdest etwas essen, wenn er dabei ist”.

    Das geht natürlich gar nicht…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • Antworten Claudia 30. Mai 2017 at 9:40

    Oh wie herrlich dieser Artikel ist. Ich lach mich kaputt und einiges ist dabei wo man sich selbst an der Nase packen solte. Hihi…Lg Claudia

  • Antworten Silvia Fahnemnann 31. Mai 2017 at 10:12

    wie schön, wie kurzweilig, wie wahr, – ich spreche auch in einer zu hohen Tonlage mit meinem Hund – aber er kommt dann…lg Silvia mit

  • Antworten Sonja 1. Juni 2017 at 12:56

    So herrlich
    …. am besten einfach garnichts mehr sagen zum dem Hund
    Demnach macv ich auch aaalles falsch… meine Hunde müssen tot unglücklich sein…
    Dachte immer das ist freude wenn ich nacv hause komme… hab mich wohl geirrt

    LG Sonja

  • Antworten Sabine 1. Juni 2017 at 13:23

    Ein wunderbarer Artikel, ich habe herzlich gelacht. Und ich glaube, ich mache auch ziemlich viel falsch!

    LG Sabine und Hunde

  • Antworten Peter 2. Juni 2017 at 17:01

    Endlich mal Tipps aus dem Netz, wo sich auch jemand wie ich hinterfragen und verbessern kann. Gerade Tipp Nr 5 wird so oft falsch gemacht. Da isst man in einem anderen Raum … und er merkt es ja doch. Oder man laut nur m Kaugummi; doch, auch das ist essen, halbrohen zu schlucken. Die Liste ist unendlich.

    Danke. Erfrischend!

  • Antworten zoe 3. Juni 2017 at 2:55

    wirklich, wirklich witzig.
    hab tränen gelacht.
    ich will übrigens gar keinen hund, der reagiert wie programmiert.
    ich tue ja auch nicht, was man mir sagt…;)
    jedenfalls oft nicht.
    wäre besser, die leute würden sich mal ein wenig entspannen bei der hundeerziehung.
    würde den hunden sicher auch gefallen

  • Antworten Elke Schlemm 16. Juni 2017 at 21:33

    Erziehung ist ja sowieso total out :-) Dog – talk ist angesagt! Wir kommunizieren auf Schnauzenhöhe und einigen uns, natürlich leise, wer wann auf`s Sofa darf. Alles klar?

  • Antworten Heike 17. Juni 2017 at 3:54

    Also ich finde, Punkt 4 klingt sehr plausibel

  • Antworten Gabriele D. 21. Juni 2017 at 12:30

    Hilfäää, ich glaub ich hab meinen Hund kaputtgemacht 😮
    Was mach ich denn jetzt?
    Ich schrei auch mal. und wenn ich mich sehr freue, dann auch mit heller hoher Stimme.
    Ich flüstere ihr Nettigkeiten ins Ohr beim Kuscheln.
    Ich hab ihr auch mal nen Schlappen hinterher geworfen 😮
    UND ich benutze auch mal böse Schimpfworte 😮
    Ich sollte nicht mal einen Hamster haben dürfen.