Mahlzeit

Zwei Jahre ohne Hundefutter.

28. September 2017
2 Jahre Barf Erfahrungen

Nein, Panini musste keineswegs zwei Jahre ohne ordnungsgemäße Fütterung auskommen. Sie hat ja schon mit zwei Stunden ohne einen Keks ihre Schwierigkeiten. Aber seit zwei Jahren verzichte ich auf „klassisches“ Hundefutter aus der Dose oder dem Beutel, in der Regel stelle ich Paninis Rationen selbst zusammen. Seit zwei Jahren gibt es keine Mischung synthetischer Vitamine mehr, wie sie gewöhnlichem Alleinfutter zugesetzt wird, stattdessen reichlich frische Kost. Zum Jahrestag will ich gern berichten, wie meine Erfahrungen mit dieser Art Fütterung sind und was sich im letzten Jahr noch einmal geändert hat.

Im Blogpost „1 Jahr BARF“ habe ich schon mal erzählt, was Panini so frisst und wie wir damit klar kommen. Bereits damals habe ich mich ein bisschen schwer damit getan, den Begriff BARF zu verwenden, weil ich öfter von der „reinen Lehre“ des Barfens abgewichen bin. Das tue ich heute noch mehr. Gleichzeitig sind mir die Bücher „Natural Dog Food“ von Susanne Reinerth und „Das BARF Buch“ von Nadine Wolf, die beide für das pure BARF plädieren, bis heute sehr wichtige Ratgeber. Wer die Mahlzeiten seines Hundes selbst in die Hand nehmen möchte, muss zwar nicht 4 Semester Pansen studieren, sich aber in jedem Fall gründlich informieren. Da das berühmte Buch „Die Ernährung des Hundes“ von Meyer/Zentek ein teures und für den Laien nahezu unlesbares Werk ist, braucht man Menschen, die all das gründlich durchgekaut haben, bevor es die Hunde tun können. Und das machen seriöse BARF-Befürworter nun mal.

Roh oder gekocht oder wie jetzt?

Trotzdem bin ich viel mutiger geworden, was die Zusammenstellung von Paninis Mahlzeiten betrifft. Die Angst vor dem Damokles-Schwert des Mangels ist fast ganz verschwunden. Das heißt nicht, dass ich nachlässiger bin. Aber roh oder gekocht ist für mich kein Dogma. Wenn ich vergessen habe, Fleisch aufzutauen, gibt es eben eine Reinfleischdose. Ich liebe dabei die Dosen von Herrmanns, weil das Fleisch Bioqualität hat und es hier 200g-Dosen gibt, also nicht solche Riesenoschis, die dann ewig im Kühlschrank stehen. Unser Gemüse war zugunsten der Verdaulichkeit schon immer weitgehend gedämpft und nur in Teilen roh.

Was weg muss, muss weg.

Ein weiterer Unterschied gegenüber früher ist der sorgsamere Umgang mit Resten, was zu kreativeren Rationszusammenstellungen führt. Besonders inspiriert hat mich dabei das Clean feeding Konzept von Anke Jobi, das mir sehr gut gefällt. Blieben früher nur 20 oder 30 Gramm Rohfleisch übrig, dachte ich: „Ach komm, was soll ich das noch aufheben“ und schwupp, war es im Napf. Heute bildet der kleine Rest schon wieder die Basis für die nächste Portion. Entweder es kommt neues Fleisch hinzu, oder eben das, was gerade da ist. Das können zwei Teelöffel Hüttenkäse sein, ein Rührei oder ein rohes Eigelb, eine kleine gekochte übriggebliebene Kartoffel oder eingeweichte Hirseflocken, Nudelreste, Haferflocken, pürierte Kichererbsen, ein Schlapps Quark oder Naturjoghurt, zwei Teelöffel Thunfisch aus der Dose – was eben weg muss. Ich weiß genau, was Panini in welchen Mengen gut verträgt (zum Glück gibt es da sehr wenige Einschränkungen) und so füllt sich der Napf mit allerlei nahrhaften Dingen, auch ohne die propagierten 70% Rohfleisch. Gemüse und Kräuter kommen natürlich wie gewohnt dazu.

Der bunte Napf: viele Vorteile.

Dass solche Zusammenstellungen möglich sind, ist großartig. Zum Einen bleibt so weniger übrig und es müssen weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Auch drängle ich mir nicht mehr – obwohl längst satt – die letzten Nudeln im Topf rein, ich weiß ja, dass sie der Hund fressen kann. Zugleich gehe ich sorgsamer mit dem kostbaren Nahrungsmittel Fleisch um, verschwendet wird bei uns nichts mehr. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich Kosten spare – wir kommen mit den Fleischmengen länger hin als früher.

Keine Nachteile? Doch, klar.

Wer ab und zu so kreativ füttert, muss noch aufmerksamer sein, damit der Hund alles bekommt, was er braucht. Und nicht zu viel von etwas mampft, was er nicht haben soll. Die Menge der Kohlenhydrate muss ich bei Panini strengstens im Auge behalten, weil sie schnell zunimmt. Bunte Rationen oder eine Reinfleischdose enthalten meist keine Innereien, ich muss dann darauf achten, die wichtigen Inhaltsstoffe der Innereien auf anderem Weg wieder in den Hund zu bekommen, vor allem Vitamin A, Selen, Zink oder Jod. Aus meiner Sicht werden Innereien oft vernachlässigt, besonders, wer für den Hund kocht, lässt aus naheliegenden Gründen den stinkenden Glibber meist weg. Das ist keine gute Idee, weil Innereien wie Leber und Niere sehr wertvoll und vitaminreich sind. Da ich keine Lust auf Vitaminmischungen habe, gibt es bei uns oft Innereien, was Panini natürlich traumhaft findet.

Und was ist mit den berühmten Zusätzen?

Was ein Zusatz ist und was ein ganz normales Lebensmittel, darüber könnte man streiten. Wenn ich mir einen grünen Smoothie zubereite, ist das kein Zusatz, sondern ein gesunder Snack. Kommt aber beim Hund etwas Gerstengras, Brennnessel oder Moringa in den Napf, wird es gleich zum „Zusatz“? Für mich gehört das alles zusammen. Nur die Dinge für Paninis Gelenke (derzeit Collagile Dog, Grünlippmuschelpulver, Pleurotus Vitalpilz und Kräuter) sind tatsächlich Zusätze. Wäre sie ganz gesund, würde sie das nicht bekommen.

Darüber hinaus finden sich in Paninis Futter immer wieder diese Komponenten: Gräser, Fermentgetreide, Algen, Paranüsse, Kräuter, Hagebuttenpulver, Bierhefe, Apfelessig, Kokosöl, Lebertran, Hanf-, Borretsch- und Lachsöl, Frischkäse, Eier, Meersalz. Manches davon ist essentiell wichtig, anderes ergänzt die Fütterung nur bei Bedarf.

Mischungen, die Untertitel wie „32 gesunde Kräuter“ tragen, vermeide ich, das ist mir einfach zu unübersichtlich. Wenn ich eine Kräuter- oder andere Mischung verwende, dann müssen die Komponenten sehr überschaubar sein. Heilkräuter gibt es nur kurweise, bei Wiesenkräutern wie Brennnessel oder Löwenzahn gucke ich nicht so genau hin.

Fleisch – wohl dem, der eine gute Quelle hat.

Auch hier stimme ich mit dem Clean feeding-Konzept überein: Lieber etwas weniger Fleisch und dafür in guter Qualität, als massenhaft diese fiesen Mischungen, die es in vielen Barf-Shops gibt. Bei uns gibt es kein Fleisch unbekannter Herkunft, keine Mischungen mit Euter, Hoden, Kehlkopf und ähnlichem Unfug. Nach wie vor kaufe ich das Fleisch am liebsten bei Barf Bio, ein absolut vertrauenswürdiger Shop mit Bio-Fleisch in herausragender Qualität und tollen Mischungen ohne Mist. Wild, Fisch und Knochen ergänze ich bei meinem lokalen Anbieter Barf-Planer in Karben und zu meiner großen Freude bietet ein kleiner Laden in Frankfurt (Die Köterei) seit kurzem Fleisch aus dem Karnivor Shop an, der sehr auf die Herkunft und Qualität des Fleischs achtet. Damit habe ich tolle Quellen für: Rind, Lamm, Pute, Huhn, Ente, Wild und Fisch. All das bekommt Panini. Und wenn es mal oft viel Fleisch gab, dann kommt auch mal ein Veggi-Day dran. Dann wird eine Veggi-Dose von Naftie aufgemacht, ein Highlight für Panini, die “shanti pasti” besonders liebt.

Und was sagt das Tier am Napf?

Vor Jahren habe ich mich noch gefragt, ob der Hund Abwechslung braucht. Bei den selbst zusammengestellten Mahlzeiten ist Abwechslung zumindest für den Ausgleich der Nährstoffe sehr wichtig. Aber macht das den Hund nicht ganz durcheinander, wenn er nicht jeden Tag Chappi bekommt? Kriegt er nicht fürchterlichen Durchfall von dem ganzen Wechsel? Ganz offensichtlich hat Panini dank ihrer Fütterung eine ziemlich vielseitige Darmflora, die auf alles eine Antwort hat und die Nahrung bestens verdaut. Durchfall kennen wir nicht. Das Tier weiß nie, was es heute gibt und nähert sich dem Napf immer mit gespannter Neugier. Keine Mahlzeit ist wie die andere und mein Hund genießt das ganz offensichtlich sehr. Ein einziges Mal hat Panini etwas nicht geschmeckt und das war Fasan, den hatte ich mal im Barfshop mitgenommen. Auch dieser Napf wurde brav geleert, aber dann sah mich Panini mit einem Blick an, der sagte: Musst du nicht wieder kaufen. Ansonsten wird immer alles in Sekundenschnelle aufgemumpft.

Ist das denn auch gesund?

Vor einem Jahr hatte Panini noch mit morgendlichem Bauchquietschen zu kämpfen, das ist vorbei. In diesem Jahr trat es vielleicht noch etwa drei Mal auf. Das Kotfressen hat sich gebessert, das Gewicht wird gehalten. Haut und Fell sind gesund, alle Kotproben im vergangenen Jahr waren wurmfrei.

Zum Ende des Jahres will ich mal wieder ein Blutbild machen lassen und auch nach den Leber- und Nierenwerten schauen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass alles in Ordnung sein wird.

Ich denke mir, dass diese Art der Fütterung das optimiert, was Hunde seit Jahrtausenden gewohnt sind: Fressen, was da ist und der Mensch nicht braucht. Nur dass der Anteil an Muskelfleisch höher ist und vitaminreiche Extras hinzukommen, weil unsere Rohstoffe leider nicht mehr so nährstoffreich sind wie früher. Wenn man auf Ausgewogenheit und Qualität achtet, kann das nicht ungesund sein.

Und was hat der Mensch davon?

Mir macht diese Art der Fütterung total Spaß. Ich liebe es, zu überlegen, was Panini heute fressen könnte. Ich stelle gern etwas zusammen, während mein Hund vor der Küche sitzt und sich erwartungsvoll die Lefzen leckt. Ich finde es toll, wenn sie den ersten Happen meist vorsichtig probiert (was mag es wohl sein?) und dann reinhaut, als gäbe es kein Morgen. Nach jeder Mahlzeit sind wir beide froh und zufrieden. Der Hund, weil er etwas Leckeres bekommen hat und ich, weil es ihm geschmeckt hat und ich ganz genau weiß, was es war, wo es herkam und wie es hergestellt wurde. Den Aufwand finde ich genauso normal, wie mir selbst ein Butterbrot zu schmieren. Ich sehne mich nicht danach, irgendwo fertig geschmierte Butterbrote kaufen zu können.

So lange Panini ihr Fressen verträgt, gut aussieht, gesund bleibt und gute Blutwerte hat, sehe ich keine Notwendigkeit, die Fütterung umzustellen.

 

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1 Kommentar

  • Antworten Foehnlocke 27. Oktober 2017 at 14:30

    Super Beitrag *Däumchenhoch.
    Seit dem Letty bei mir ist, bekommt Sie Rohfleisch mit Gemüsemix und eben was gerade da ist :) Ich finde es toll Sie so zu ernähren und freue mich, wenn ich sehe, wie es Ihr schmeckt. Bei mir gibt es wirklich auch viel weniger Resten wie früher, ohne Hund. Die würde wirklich alles fresse. Aber der kleine Feinschmecker muss natürlich auch auf Ihre Linie gucken :)
    Auf die Idee, auf Fertigprodukte oder Trockenfutter umzusteigen, um vielleicht etwas Zeit und Geld zu sparen, wäre ich noch nie gekommen. Welche Ausreden ich bei den Hundehaltern in meiner Hundeschule- Gruppe höre.
    Wir ziehen das so weiter wie bis jetzt :) Letty ist gesund und gefrässig. So lange das so bleibt, wird sich an der Ernährung auch nichts ändern.

    Viel Spass beim Füttern wünsche ich :) & Panini einen guten Appetit!