Mahlzeit

1 Jahr B.A.R.F. – eine gute Entscheidung.

25. September 2016

Seit einem Jahr bekommt Panini nun frisches, rohes Futter. Einen Moment lang hatte ich überlegt, ob ich es wirklich „barfen“ nennen soll, denn von den B.A.R.F.-Prinzipien weiche ich ab. Ich verwende Trockenfutter als Leckerchen (wenn auch ein hochwertiges), Paninis „Betthupferl“ ist gekocht und auch das Gemüse ist überwiegend nicht roh. Aber mein Leitfaden beim Füttern ist das Beutetierprinzip und deshalb reihe ich mich mal in die Fraktion der Barfer ein. Nach einem Jahr kann man durchaus (Zwischen-)Bilanz ziehen und das will ich heute tun.

Warum habe ich mit der Frischfütterung angefangen?

1. Bitte Bio

Zum einen wollte ich Panini aus ethischen und qualitativen Gründen mit Biofutter versorgen. Sämtliche guten Bio-Nassfutter-Hersteller verzichteten damals auf das Hinzufügen von Vitaminen und Mineralien. Das hat mich immer unsicher gemacht. Würde die Versorgung mit Nährstoffen wirklich ausreichen, wenn der Hund ausschließlich hocherhitzte Rohstoffe aus der Dose bekommt – ohne jede Zusätze? Nachträglich pi mal Daumen etwas hinzufügen wollte ich nicht. Inzwischen gibt es auch gutes Biofutter mit minimalen Mengen an Zusätzen, aber ich sehe keinen Grund, zurück zu gehen. Und einen weiteren Nachteil hatte das Bio-Nassfutter: es war doch ganz schön teuer. Anders als die meisten Barfer hatte ich aber ansonsten mit meinem alten Futter keine echten Probleme. Die Bestandteile waren hochwertig, der tierische Anteil groß und ich vertraute auch den Herstellern, dass sich in der Dose keine üblen Sachen verbergen. Der ganze Wolfskram, den sich viele Barfer als Argumentation zurecht legen (“schon mal einen Wolf gesehen, der sich Reis kocht?”), interessiert mich auch bis heute wenig. Mein Hund ist ein Hund, kein Wolf. Fertig. Ich bin auch kein Affe.

2. Mehr Enzyme

Bei Panini zeigten sich in den ersten Monaten gesundheitliche Probleme. Neben den verschiedenen Problemen im Bewegungsapparat (was z.B. eine getreidereiche Fütterung ausschließt) funktionierte ihre Bauchspeicheldrüse nicht richtig. Oft konnte sie die Inhalte von Dosen schlecht verdauen, wenn die nicht matschig genug gekocht waren. Karottenwürfel und Reiskörner tütete ich oft im Originalzustand wieder ein. Fertigfutter hat deutlich weniger Enzyme als Frischfutter. Ich wollte ausprobieren, ob sie mit „lebendigerem“ Futter besser zurecht kam. Auch hatte ich Hoffnung, dass ihr nächtliches und morgendliches Bauchquietschen verschwinden könnte.

3. Nicht nur Fertigmahlzeiten

So wie ich für mich nicht nur aus Dose und Tüte essen will, so soll es mein Hund auch nicht. Wer jetzt „Vermenschlichung!“ ruft, kann sich ja mal überlegen, was menschlicher ist: Eine Konservendose oder ein Stück frisches Fleisch.

Wie ist die Akzeptanz?

Ich habe großes Glück mit Panini (nicht nur) was das Futter betrifft. Sie hat das Nassfutter gern gefressen, das Frischfutter frisst sie noch ein bisschen lieber. Sie ist sehr unkompliziert mit dem Fressen, mag eigentlich alles außer Fasan, den ich einmal aus Verlegenheit kaufte, weil es kein Bio-Geflügel gab. Sie freut sich aufs Futter, geht mit Neugier an den Napf, was es wohl heute wieder Gutes gibt. Es ist ja eigentlich jeden Tag etwas anderes. Ich habe von heute auf morgen umgestellt, es gab keine Probleme, im Gegenteil. Durchfall hatte sie seit einem Jahr nicht mehr. Sie liebt und verträgt das Futter bestens.

Das hier war übrigens Paninis erste B.A.R.F.-Mahlzeit: Rinderherz mit Möhrenbrei. Akzeptanzproblem kann man das nicht gerade nennen. In 50 Sekunden ist die Sache erledigt. Dann ging man nachsehen, ob beim Zubereiten etwas runter gefallen ist, um danach den Napf noch einmal auszulecken.

Was frisst der Hund denn nun?

Tatsächlich ist es geglückt, das Tier zu etwa 80% mit Bio-Rohstoffen zu versorgen. Selbstverständlich ist das nicht, die Beschaffung von Bio-Fleisch ist schwierig und ich wüsste nicht, wie ich es ohne den großartigen Bio-Metzger Herrn Buchheister von barf-bio.de schaffen sollte. Denn zum einen muss die Sache finanzierbar sein, zum anderen brauche ich auch Zutaten, die Menschen nicht oder wenig essen, wie Pansen oder andere Innereien. Da wird die Beschaffung knifflig. Mein Bio-Anbieter hat aber noch einen anderen Vorteil: Die Qualität und die Zusammensetzung der Mischungen überragt alles, was man in üblichen B.A.R.F. Shops kaufen kann um Längen. Hier weiß jemand ganz genau, was Hunde brauchen und stopft die Mischungen nicht mit billigem knorpeligem und bindegewebsreichem Füllmaterial voll, was der Hund nicht so toll verträgt und nährstoffarm ist.

Panini bekommt mit ihren derzeit 18 kg 300 gr Futter in den Napf, davon sind etwa 2/3 tierisch und 1/3 pflanzlich. Hinzu kommen kleine Trockenfutterbits oder anderes für die Belohnung oder das Training unterwegs, ein kleiner Kauartikel oder ein Knochen und ein Betthupferl.

Im Augenblick ist sie auf Diät, da landen schon mal nur 260 gr im Napf. Panini ist kastriert, mäßig aktiv und ein leichtfuttriger Hund, sie braucht nicht so viel.

a) Fleisch

Panini bekommt Muskelfleisch und nährstoffreiche Innereien von Rind, Lamm und Pute. Außerdem gelegentlich Muskelfleisch von Hirsch und Ente. Etwa ein- bis zweimal pro Woche gibt es Pansen, die größte Bandbreite kommt vom Rind mit Muskelfleisch, Herz, Leber, Niere, Milz und Pansen.

b) Fisch

Fisch gibt es einmal pro Woche, zu 50% in Bioqualität, in der Regel auf jeden Fall aus nachhaltigem Fischfang (soweit das überhaupt noch möglich ist). Manchmal gibt es Fischreste aus einem regionalen Barfshop. Das kann so ziemlich jeder Fisch sein.

Fischmahlzeit: Seelachs mit Eigelb, Kokosöl, Gemüse und Kräutern

c) Knochen

Sofern die benötigte Kalziummenge noch nicht durch Hühnerkarkassen oder Algenkalk abgedeckt ist, bekommt Panini ein- zweimal pro Woche einen Hühnerhals oder ein Stück Kalbsbrustknochen. Der Hühnerhals ist momentan aus Kaloriengründen gestrichen.

Unsere Bio-Hühnerhälse wiegen 80-100gr, für Panini  der komplette Fleischanteil einer Mahlzeit. Das geht nicht mehr als Imbiss durch ...

Unsere Bio-Hühnerhälse wiegen 80-100gr (20% Fett), für Panini fast eine komplette Mahlzeit. Das geht nicht mehr als Imbiss durch …

d) Obst & Gemüse & Salat

Hauptsächlich Bio-Gemüse, selbst zusammengestellt, teilweise gedämpft und püriert. Meine Mischungen enthalten in der Regel Apfel, Karotte und Fenchel, anderes nach Saison z.B. Pastinake, Zucchini, Chinakohl, Feldsalat. Für eine Extra-Portion Enzyme ist auch immer etwas Papaya dabei. Ab und zu gibt es auch mal ein Babygläschen Karotte oder FitBarf Sensitive von CdVet als Gemüseersatz.

Ein gefundenes Fressen taut auf: Rinderpansen, Hähnchenkarkasse, Gemüsewürfel und Papaya

Ein gefundenes Fressen taut auf: Rinderpansen, Hähnchenkarkasse, Gemüsewürfel und Papaya

e) Kräuter

Weil ich meist nicht so viel Grünes im Gemüse habe, gibt es ab und zu Kräuter bzw. Gräser dazu, wie die Bio-Gräser-Mischung von Haustierkost oder die Kräuter & Algenmischung vom DHN Shop.

f) Öl

Mehrmals pro Woche 1 TL Kokosöl, sonst ab und zu die Omega 3-6-9 Mischung vom DHN-Shop.

g) Zusätze

Wechselnd. Am häufigsten gibt es Luposan Gelenkkraft und Collagile Dog für die Gelenke, zur besseren Aufnahme von letzterem auch Vitamin C durch Hagebuttenschalen (Lunderland). Bei Bedarf MicroMineral von CdVet. Kurweise und bei Bedarf Gladiator Plus und Kanne Fermentgetreide. Das würde ich aber alles zum Fertigfutter genauso geben.

h) Belohnung

Seit über einem halben Jahr nehme ich Grey Peak Small Bread von Wolfsblut als Keks für unterwegs. Die Bröckchen sind winzig klein, riechen gut und werden gern gemocht. Als ultimative Superbelohnung habe ich Meaty to go von alsa entdeckt, das hat bei uns das ziemlich kalorienreiche Tubi Dog ersetzt und wird sogar noch lieber gemocht.

i) Snacks

In der Regel etwas Kleines, möglichst Naturbelassenes zum Kauen, große Dinge wie Rinderohr oder Rinderkopfhaut gibt es selten. Im Moment gestrichen, aber sonst gern: getrocknete Hühnerhälse. Außerdem Kalbseinzelrippen (getrocknet, splittern nicht), Büffelfleisch, Lungenschnitzel, Lachshautröllchen, Kalbsohr. Alles getrocknet, kalorienarm und meist mit moderatem Proteingehalt. Leider gibt es fast nichts davon als Bio-Artikel, also muss man sehen, dass man etwas bekommt, das möglichst aus Deutschland und vom Weidetier stammt. Nicht ganz leicht.

j) Extras

1 Eigelb pro Woche, gelegentlich 1 Stück Handkäs

k) Betthupferl

Panini hat oft Probleme, länger als 9 Stunden nüchtern sein, dann rebelliert morgens der Bauch mit Gluckern und Quietschen. Deshalb gibt es kurz vor dem Schlafengehen noch was. Am Zuverlässigsten funktioniert die Schonkost von Bio Pur, auch dann, wenn der Bauch schon quietscht, ist das Problem damit in 3 Minuten erledigt. Meine Wunderwaffe. Aber wir arbeiten noch dran, die Quietscherei ganz wegzubekommen.

Ist die Fütterung nicht anstrengend?

Nein, überhaupt nicht. Alle sechs Wochen bestelle ich tiefgefrorenes Fleisch, gelegentlich kaufe ich noch beim Barf-Shop vor Ort etwas dazu. Ich kaufe das Fleisch gewolft und meist gemischt, so dass sich mein Aufwand für Wiegen und Umpacken in Grenzen hält. Ebenfalls alle sechs Wochen mache ich eine frische Gemüsepampe, die dann eingefroren wird und ich kann sie dann portionsgerecht in Würfeln herausnehmen. Ich habe also immer alles da packe es in den entsprechenden Anteilen in den Napf und fertig ist die Mahlzeit. Dauert kaum länger als Dose aufmachen. Alles, was am barfen aufwändig ist, habe ich hinter mir: lesen, schlau machen, gute Quellen suchen. Sollte ich einmal nicht frisch füttern können, weil wir unterwegs sind oder ich vergessen habe, etwas aufzutauen, gibt es das großartige luftgetrocknete Hundefutter von J. Meißner. Das wird jederzeit ungeheuer gemocht und sehr gut vertragen.

Hat sich durch die Art der Fütterung irgendetwas verbessert?

Einen direkten Vorher-Nachher-Vergleich kann ich eigentlich nicht machen. In den ersten Monaten bei mir hatte Panini mit sehr vielen Sachen zu kämpfen. Sie wurde mehrfach operiert und bekam Medikamente. Es ging ihr nicht gut, was aber nicht wirklich fütterungsbedingt war. Auch vor der Umstellung auf Frischfütterung bekam Panini Biofutter, weniger gutes Futter bekam sie nur ganz kurz. Als ich auf Biofutter umstellte, begann sie irgendwann unangenehm zu riechen. Nach einer Woche war der Spuk vorbei. Ich nehme an, dass es da einiges zu entgiften gab.

Ab zur Tiertafel: Trockenfutter gab es bei uns nur kurz.

Ab zur Tiertafel: Trockenfutter gab es bei uns nur kurz.

Panini hat derzeit sehr gute Blutwerte, auch alle Werte die Bauchspeicheldrüse betreffend, sind wieder normal. Die Ärztin, die die Werte beurteilte, fand sie angesichts ihrer Krankheitsgeschichte mit insgesamt vier Operationen und vielen Medikamenten in kaum anderthalb Jahren erstaunlich gut. Sie hat weiches, glänzendes Fell und regelmäßigen, problemlosen Output. Sie ist vital, sieht gut aus, die Augen tränen weniger als früher.

Leider haben wir das Bauchquietschen noch immer an der Backe, aber es tritt nicht mehr nachts auf, nur noch morgens. Eine zeitlang konnte sie kaum vier, fünf Stunden ohne Fressen bleiben, das ist vorbei. Es wird schlechter, wenn es zum Abendessen Stärke, z.B. aus Hirse oder Knorpel bzw. Knochen gibt. Das kann ich ja einfach vermeiden. Ansonsten sind wir beide glücklich mit dem Futter. Dem Hund schmeckt es und ich habe das gute Gefühl, ihr etwas Frisches und Hochwertiges zu geben, ordentliche, nährstoffreiche Rohstoffe. Und weil sie davon viel weniger braucht, als vom Fertigfutter, lässt es sich auch finanziell machen.

So lange Panini keine Probleme bekommt, die eine Frischfütterung ausschließen und ich weiterhin gute Fleischquellen habe, denke ich, dass wir dabei bleiben werden.

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6 Kommentare

  • Antworten Andrea 26. September 2016 um 10:37

    Liebe Heidi,

    danke für den Einblick in den Speiseplan von Panini. Für mich liest es sich wie das perfekte How-To inkl. Lieferanteninformationen. Das spart eine Menge Recherche- und Informationsarbeit für die Zeit, wenn auch bei uns eine Fellnase (wahrscheinlich rumänischer Herkunft) einziehen wird.

    Alles Gute für Euch weiterhin!
    Und Panini hat so ein riesen Glück, dass sie an Dich geraten ist.

    • Antworten Heidi 26. September 2016 um 15:58

      Liebe Andrea,
      perfekt ist es sicher nicht und es ist ja immer eine sehr persönliche Entscheidung, was man geben mag oder nicht. Bei Panini passt es aber wohl alles ganz gut und bestimmt lohnt es sich, das ein oder andere auszuprobieren. Das Glück mit Panini ist auf jeden Fall auf meiner Seite. Dann bin ich mal gespannt, wer da bei euch einzieht! 🙂

  • Antworten Victor 27. September 2016 um 6:39

    Hallo Heidi, vielen lieben Dank für die ausführlichen Eindrücke in euren Speiseplan. Auch wir stellen die Ernährung immer mehr Richtung Gemüse, Obst und Fleisch um. Vom Trockenfutter weichen wir ab da wir ja auch nicht jeden Tag das gleiche essen wollen. Mir macht es zudem richtig Spaß auch für die Hunde etwas leckeres zu kochen. Bastel immer wieder an neuen Rezepten für meine beiden. Viele Grüße Victor

  • Antworten Monatsrückblick September 2016 – Pfotenfreunde Inuki & Skadi 1. Oktober 2016 um 8:39

    […] September viel gelesen. Bücher, Blogs und Artikel. Besonders interessant fand ich den Artikel von kommstduhierher zum Barfen und von madamecherie zum Thema Smartphones und Abhängigkeit. Besonders süß anzusehen […]

  • Antworten Hundetyp 13. Oktober 2016 um 13:22

    Ich kann vom Barf auch nur das beste berichten. Ja klar, am Anfang ist es etwas komplizierter und man braucht ein wenig bis es Routine wird und man seinen “Flow” gefunden hat, aber dann funktioniert es perfekt. Das wichtigste ist aber etwas ganz anderes.

    Der Hund liebt frisches Fleisch über alles und zeigt das auch schnell. Desto älter der Hund, desto schwieriger die Umgewöhnung, aber die meisten greifen instintiv gerne zu und lieben rohes Futter. Alleine vom Wohlbefinden merkt man es dem Hund anschließen dann auch an, dass es ihm besser geht.

  • Antworten Michael Kelt 2. Juni 2017 um 10:13

    Hallo liebe Heidi,

    das freut mich für euch beide! 🙂
    Vorab möchte ich mich für die vielen Tipps rund ums Frischfleisch und die kleine Vitamin- und Nährstoffkunde bedanken!
    Sehr interessant zu lesen und zu lernen!
    Bei unserer morgendlichen Fütterung steht frischer Rindermix auf dem Ernährungsplan –
    Unsere Hündin ist sehr wählerisch und bedient sich bevorzugt an sehr teurem Markenfutter. Aufgrund ihrer starken Allergie-Anfälligkeit sind wir schließlich aufs “barfen” umgestiegen. Seit der Futteränderung hat sich ihr Fressverhalten deutlich gewandelt. Sie wirkt sehr viel ausgeglichener und aufgeweckter 🙂
    Auch die Zusammensetzung des neuen Futters gefällt mir sehr gut! Die hohen Nährstoffwerte sind einfach super!

    Liebe Grüße wünscht,
    Michael

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