Mahlzeit

Das ethische Dilemma der Hundefütterung.

29. November 2015

Wer seinen Hund gut ernähren will – ganz gleich ob durch Rohfütterung, selber kochen oder qualitativ hochwertiges Fertigfutter, steht vor einem Dilemma, das Käufer von Frolic, Pedigree und Ähnlichem nicht haben: Im Futter sind Komponenten enthalten, die für den Menschen geeignet sind. Während in viele Dosen einfach das hineingehäckselt wird, was weg muss, nehmen in hochwertigem Futter typische Schlachtabfälle wie Euter, Luftröhre, Kehlkopf oder Lunge eine zumindest sehr untergeordnete Rolle ein, sofern solches überhaupt verfüttert wird. Auch Erdnussschalen, Spelzen, Maiskleber und ähnliches wird man hier eher nicht finden. Stattdessen nährstoffreiche Innereien und Muskelfleisch in hohem Anteil, Gemüse, Salate und Kräuter. Und: Fisch, womit gleich die problematischste Zutat genannt werden soll. Wollen wir wirklich zulassen, dass der Hund zum Nahrungskonkurrenten des Menschen wird?

Das ethische und ökologische Desaster.

Hundehalter, die Veganer sind, müssen über diese Dinge vielleicht weniger nachdenken. Das klingt wie ein Widerspruch, aber wenn man davon ausgeht, dass Menschen grundsätzlich keine Tiere essen sollten, ist es auch nicht so kritisch, wenn ein Hund Muskelfleisch bekommt, der es im Gegensatz zum Menschen benötigt. Der Anteil der Hundehalter, die ihre Hunde vegetarisch oder vegan ernähren, ist sehr gering, tatsächlich geben viele Veganer ihrem Hund Fleisch. Das Thema „Nahrungskonkurrenz“ ist für sie zumindest nur ein kleines.

Trotzdem könnten und sollten sich meiner Meinung nach alle Hundehalter die Frage stellen, ob es ethisch vertretbar ist, seinem Hund nicht nur das zu füttern, was übrig bleibt (wie es zu allen Zeiten seit Anbeginn der Hundwerdung der Fall war), sondern auch das, was ebensogut ein Mensch essen könnte. 795 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen, sagt „The State of Food Insecurity in the World“. Intensivtierhaltung verursacht massive Umweltschäden, die Landwirtschaft ist der zweitgrößte Verursacher von Umweltgasen. Und: 90% der Fischbestände sind stark gefährdet. Wäre es nicht sinnvoll, jedes noch so kleine übrig bleibende Fitzelchen Fleisch und Fisch und Gemüse und Getreide für den Hund zu nutzen?

Ja, aber.

Die Antwort auf diese Frage lautet für mich „ja“ – mit einer Einschränkung: Es darf nicht zum Schaden des Hundes sein. Womit wir bei Frolic sind und dabei, dass Abfall eben nicht gleich Abfall ist. Die klassischen großen Hundfutterhersteller sind weder bekannt dafür, besonders umweltfreundlich zu wirtschaften, noch dafür, gegen den Hunger in der Welt zu kämpfen (ganz im Gegenteil), noch dafür, dass sie sich für Tierleid interessieren, weder das von Hunden noch das der verarbeiteten Futtertiere. Das kann nicht die Lösung sein.

Mein Weg.

  1. Ich füttere 95% Biozutaten. Das mag für manche in Bezug auf die Nahrungskonkurrenz des Hundes zum Menschen ganz besonders dekadent klingen. Ist aber für mich, wenn ich alle ethischen und ökologischen Aspekte einbeziehe, das einzig vertretbare. Davon abgesehen, dass es auch noch für mein Tier das beste ist.
  2. Ich füttere einen hohen Anteil Innereien: Pansen, Leber, Niere, Milz und Herz. Herz ist ein Sonderfall, da es als Muskelfleisch gilt. Somit habe ich die Möglichkeit, Muskelfleisch zu füttern, das nicht für die menschliche Ernährung gebraucht wird. Die anderen Innereien sind ebenfalls „übrig“, da wir heute üblicherweise nicht so viele Innereien essen, wie sie bei der Schlachtung anfallen.
  3. Ich füttere zur Kalziumabdeckung Hühnerhälse und –karkassen. Beides hat noch einen ordentlichen Anteil Muskelfleisch und ist nahrhaft für den Hund. Früher wurden Karkassen für Brühe genutzt, heute sind Kunden fast nur noch an Brust und Keule interessiert. Somit bekommt Panini auch da, was übrig bleibt.
  4. Panini bekommt pro Tag höchstens 75-100 Gramm Obst und Gemüse, keine große Menge. Leider koche ich nicht täglich, sonst könnte ich mehr Weggeschnittenes für sie nutzen. Als „Grünes“ bekommt sie oft getrocknete Kräuter wie Schachtelhalm, Löwenzahn oder Brennessel, die kaum für Menschennahrung verwendet werden.
  5. Bleiben Nudeln, Kartoffeln oder Reis übrig, kommt etwas davon in den Napf, Fleischreste vom Kochen ebenso.

Die schwierigste Frage: Was ist mit Fisch?

Panini liebt Fisch, sie verträgt ihn gut und es ist sinnvoll, dass sie einmal pro Woche eine Fischmahlzeit bekommt. Bislang habe ich dafür aber noch keine Lösung gefunden. Wer sich den Einkaufsratgeber Fisch von Greenpeace anschaut, weiß, worauf ich hinaus will. Es ist absolut kritisch zu sehen, wenn man seinem Hund Fischfilet gibt (was ich schon öfter getan habe, wenn auch mit Unwohlsein). Selbst Aquakulturen gehen oft mit Umweltzerstörung einher, davon abgesehen, dass hier die Fische häufig mit Medikamenten und Farbstoffen vollgepumpt werden. Für mich (und den Hund) habe ich beim Fischkauf immer auf Labels wie das von MSC für nachhaltigen Fischfang geachtet, aber auch das löst das Problem des Beifangs und der Überfischung nicht, wie Greenpeace erklärt. Nach dem Prinzip des „Übrigbleibens“ wäre es eigentlich logisch, dem Hund Fischköpfe und -schwänze zu füttern, wie sie sicher auch in Dosen verarbeitet sind. Das Problem ist aber, dass mir niemand sagt, wo diese Fische herkommen, wo und wie sie gefischt wurden. Wenn ich umweltzerstörerische Fischerei nicht unterstützen will, darf ich auch nicht die Abfälle aus dieser Fischerei kaufen. Bleiben Forellen aus Teichen? Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall ist diese Nuss noch nicht geknackt, vielleicht muss ich mal mit einem Fischgeschäft sprechen.

Für mich ist es in jedem Fall nötig, zu hinterfragen, was im Napf landet, genauso wie das, was auf den Teller kommt. Nicht nur wegen Panini und mir, sondern wegen der Welt, in der wir leben dürfen.

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Titelbild © ThamKC – fotolia.de

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3 Kommentare

  • Antworten Lina 2. Dezember 2015 um 21:57

    Da hat mich der Artikel doch ein wenig wachgerüttelt und zum Überdenken unseres Hundefutters angeregt.
    Kaufe ich, Vegetarierin, tierische Produkte fast ausschließlich bio, vieles andere auch und unterstütze den regionalen Anbau, so laufe ich doch manchmal mit Scheuklappen durch den Tierfuttermarkt.
    Allerdings tun sich ja auch die Hersteller sehr schwer in Sachen Transparenz. Wer wirbt schon mit Ökologie oder artgerechter
    Tierhaltung?
    Gleich morgen werde ich mal die Hotline unseres als so hochwertig angepriesenen Futters anrufen, und frage, wie die das so sehen!
    Viele Grüße
    Lina

  • Antworten Heidi 3. Dezember 2015 um 0:21

    Hallo Lina,
    hier gibt’s zumindest mal eine ganz gute Auswahl an Bio-Tierfutter: http://www.bio-tierkost.de Hier muss man aber darauf achten, die Sorten zu wechseln, damit es keine einseitige Versorgung gibt. In Bio-Tierfutter sind nämlich in der Regel keine synthetischen Vitamine oder Mineralstoffe zugesetzt. Da wär ich mal interessiert zu hören, wie Hersteller mit so einer Frage umgehen!
    Viele Grüße
    Heidi

  • Antworten Lina 3. Dezember 2015 um 10:28

    Hallo nochmal!
    Ich habe gerade mit der Hotline telefoniert und natürlich eine Standartantwort auf meine Frage erhalten. Die Hühner kommen aus Spanien, weil der Chef des Konzerns dort wohnt und so für eine erstklassige Qualität sorgen kann. Sie “leben” in Bodenhaltung und werden fürs Tierfutter genommen, weil sie – warum auch immer- nicht das richtige Schlachtgewicht erreicht haben.
    Tja, schwierige Sache. Ich schau mir mal den Link an. Blöd ist, dass mein Hund oft Verdauungsprobleme hat und ich jetzt ein Futter gefunden habe, das er gut verträgt.
    Viele Grüße
    Lina

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