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Das quietschende Tier.

19. Februar 2017
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Obwohl ich über keinerlei Ausbildung in Sachen Wunderheilung verfüge, habe ich dem Tier vor zwei Jahren versprochen, es gesund zu machen. Wie weiland der kleine Bär den kleinen Tiger und der ist ja – ich sage es vorsichtig – medizinisch wie intellektuell nicht eben verschwenderisch ausgestattet. Gelegentlich verspricht man solche Sachen eben auch ohne einen Medzin-Nobelpreis in der Hinterhand.

Nun habe ich mir ja eine große Helferschar gesucht, um Paninis Probleme im Bewegungsapparat zu beseitigen und es scheint nicht unerfolgreich gewesen zu sein. Für andere Baustellen aber wird der Helfertrupp schon überschaubarer. Und der Erfolg ließ auch noch auf sich warten. Genaugenommen sind noch zwei solcher Baustellen übrig: Paninis rätselhafte und sprunghafte Teilzeitinkontinenz und ihr Bauchquietschen. Für beides stand mir eine Fülle an Ratschlägen zur Verfügung, die ich abgearbeitet habe, brav einen nach dem anderen.

Was das Bauchquietschen betrifft, ist die Liste lang. Das Abarbeiten führte bis zu Beginn des Jahres immerhin dazu, dass es nie mehr mitten in der Nacht quietschte, sondern nur noch morgens. Mit etwas Glück um 9 Uhr, mit Pech um 6 Uhr. Folgendes half nicht: Abendessen später geben, Mahlzeiten unregelmäßig gestalten, kein Fleisch zum Abendessen, vor dem Schlafengehen Brot mit Schmalz oder Brot ohne Schmalz oder Kartoffelpüree oder Haferschleim oder Heilerde oder Ulmenrinde oder 1 Keks … den Rest habe ich vergessen. Es quietschte eher, wenn es Stärkehaltiges gab, wie etwa Kartoffeln, es quietschte aber auch, wenn es gar keine Kohlehydrate gab. Es gab drei Tage lang das gleiche zu fressen, an einem Tag quietschte es, an den beiden anderen nicht. Es war zum Verrücktwerden.

Als wir uns kennenlernten, das Quietschen und ich, war ich hilflos und das Tier nahezu verzweifelt. Es wollte unbedingt nach draußen, Gras fressen. Aber im Winter gab es bei uns nirgendwo das gute, breite Queckengras, was Panini suchte. Schnell habe ich verstanden, dass es keinen Sinn ergibt, nach draußen zu gehen, schon gar nicht um 4:30 Uhr. Im Laufe der Zeit fand ich etwas, was besser half als alles andere. Eine von mir „Pampe“ genannte Schonkost von Biopur. Ein Esslöffel davon und das Quietschen verschwand binnen drei Minuten. Manchmal war Panini bereits richtig übel, dann leckte sie die Pampe nicht mehr aus dem Schälchen, nur vom Finger. Ich konnte schon blind und im Schlaf in die Küche gehen, um bei Bedarf die Pampe zu holen. Panini wusste das und wollte auch nicht mehr raus. Das Emergency-Frauchen war ja schon unterwegs. Oft bemerkte ich das Quietschen schneller als Panini selbst.

Die Pampe mauserte sich zum unverzichtbarsten Lebensmittel in meinem Haushalt, noch vor Kaffee und Bier. Sie musste immer vorrätig sein. Sie wurde auch zum Betthupferl befördert, weil sie besser funktionierte als alle Ratschläge. Aber leider nicht 100%ig. Etwa 2mal in der Woche quietschte es, in der Regel wurde ich morgens davon geweckt.

Falls nun jemand nach einer ärztlichen Diagnose fragt: Es gibt keine. Panini hat zwar eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz überstanden, aber die Werte sind eben längst alle wieder normal, Blut und Kot. Sie verträgt alles bestens, hat keine Parasiten, nie Durchfall. Offensichtlich kann der Magen über Nacht nicht lange leer bleiben. Zu viel Magensäure oder zu wenig Magensäure, beides macht ähnliche Symptome. Irgendein Magenmittel z.B. einen Säurehemmer hätte ich Panini nie gegeben. Dann lieber aufstehen und Pampe bringen.

Nach dieser langen Vorrede will ich nun aber endlich dazu kommen, weshalb ich überhaupt diesen Text schreibe: Seit vier Wochen hat der Hundebauch morgens nicht mehr gequietscht. Das hat es noch nie gegeben. Ich traue mich noch nicht zu sagen, wir haben es geschafft, das Quietschen besiegt. Aber man kann doch bei aller Vorsicht sagen, dass es zumindest eine signifikante Verbesserung gibt. Wie ist das möglich?

Ich habe etwas gemacht, was man unter keinen Umständen machen soll – ich habe mehrere Sachen verändert. Eigentlich soll man ja tunlichst nur an einer Schraube drehen, sonst weiß man ja nicht, welche Schraube die Veränderung gebracht hat. Mir ist das allerdings egal, da keine meiner Maßnahmen mühevoll ist, wir könnten alles so beibehalten.

1. Eines Abends grübelte ich gemeinsam mit der wunderbaren Tierhomöopathin Inken Rehburg über die Sache mit dem Quietschen und der Säure. Sie setzte auf „zuviel davon“ und ein Betthupferl, das a) länger im Magen liegt als die Pampe und b) aufsaugende Eigenschaften hat. Nun hatte ich es ja schon mit Brot oder einem Keks versucht, aber vielleicht sollte ich es NOCHMAL versuchen. Ich forschte also nach dem ultimativen trockenen Betthupferl und fand es in den „Gute Nacht Keksen“ von alsa hundewelt. Ich fand die Zusammensetzung ganz ok, mein Hund bekommt sonst mit Ausnahme von Fermentgetreide kein Getreide und ich dachte, dass es wohl nicht so problematisch sein könnte. Also gibt es bis heute vor dem Schlafengehen drei dieser Kekse. Panini liebt sie sehr.

2. In Paninis Abendessen fand sich für einige Wochen ein Messlöffel der DHN Roots, Kräuter, die Magen und Darm unterstützen. Inzwischen habe ich die Kräuter wieder ausgeschlichen.

3. Während Panini im Sommer und Herbst auf „Diät“ war, gab es keine Hühnerhälse zur Kalziumversorgung, da sie ziemlich fett und kalorienreich sind. Ich wollte aber nicht dauerhaft auf Knochen für sie verzichten und so traute ich mich erstmals an andere Knochen. Inzwischen bekommt sie mehrmals in der Woche einen kleinen Kalbsbrustknochen, Lammrippen oder auch mal einen Rinderknochen. Sie liebt die Knochen über alles und verträgt sie gut.

4. Nachdem sie über die Knochen gut mit Mineralien versorgt ist, stellte ich die Gabe von MicroMineral von CdVet ein. Sie hatte es zuvor gelegentlich bekommen. Im MicroMineral sind neben Algenkalk auch Bierhefe, Traubenkerne und einige andere natürliche Inhaltsstoffe zu finden.

Diese vier Dinge sind anders als früher. Und der Bauch quietscht nicht mehr (toi, toi, toi, zumindest fürs erste). Was ist ausschlaggebend? An die Kräuter glaube ich nicht so recht. Die mögen sicher unterstützen, aber sie hat sie auch früher schon mal bekommen, ohne besonderen Einfluss auf das Quietschen. Die Kekse halte ich für so wichtig, dass ich mich nicht traue, mal einen weg zu lassen. Es müssen drei sein. Mein Gefühl redet mir das ein. Und mein Gefühl ist es auch, das mich seit Wochen daran hindert, noch mal MicroMineral zu geben. Manche Hunde reagieren auf Bierhefe. Gerade MicroMineral oder überhaupt Mineralien werden immer empfohlen, um Magensäure zu puffern. Es mag seltsam klingen, dass ausgerechnet Knochen, für die man eine starke Magensäure braucht, einen positiven Einfluss haben sollen. Aber sie haben ja nun reichlich Mineralien. Vielleicht sind gerade deshalb Knochen die perfekte Maßnahme? Ich wäre nie drauf gekommen, aber es könnte doch sein?

Ich werde weiterhin drei „Gute Nacht Kekse“ vor dem Schlafengehen geben, ich werde Knochen füttern und MicroMineral weglassen. Ich bin sehr gespannt, ob uns das für immer von der Quietscherei befreien kann. Das wäre ein großes Glück und ich hätte wieder einen Teil meines Versprechens eingelöst.

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5 Kommentare

  • Antworten Inken 19. Februar 2017 at 21:41

    Danke für die Blumen.. und mein Gefühl sagt: Irgendwann hast Du Dein Versprechen erfüllt!

    • Antworten Regina 19. Februar 2017 at 23:05

      Uns Herrchen wollte mir auch nicht glauben, dass es gegen Sodbrennen oder Aufstoßen hilft, wenn ich einen Esslöffel Apfelessig einnehme. Zuviel Säure mit Säure bekämpfen? Ich sehe es als “doppelte Verneinung” und es hilft wirklich.
      Aber das nur am Rande- ich freue mich für Panini und hoffe, dass alles so bleibt!

      • Antworten Heidi 20. Februar 2017 at 0:14

        Apfelessig bekommt Panini auch manchmal ein paar Tröpfchen! Sie liebt es total. Es ist wohl insgesamt sehr gut für die Verdauung und den Darm.

  • Antworten Claudia 20. Februar 2017 at 0:47

    Oh das liest sich alles sehr spannend. Unser Hundetier quietscht auch gelegendlich und meistens, wenn das Frühstück zu lang auf sich warten lässt. Lotte ist leider ebenfalls mit einem recht anfälligen Magen-Darm trakt ausgestattet und hat uns auch schon eine schöne Notfall-Panik beschert als vorne wie hinten nur noch Blut “herausfiel”. Genaues hat auch der Fachmann nicht herausgegunden, aber das Tier wieder aufgepäppelt.

    Mit deinen guten Anhaltspunkten mach ich mich da jetzt mal ans Werk! Danke sehr!

    • Antworten Heidi 20. Februar 2017 at 11:46

      Oh weh, bei Blut hätte ich auch Panik bekommen. Alles Gute für Euch!