Drinnen

Fünf Jahre mit Panini – Interview mit mir selbst.

2. Dezember 2019
Hund Panini 5 Jahre

Das Tier hat Geburtstag. Zumindest habe ich beschlossen, dass der Tag von Paninis Einzugs ihr Geburtstag ist. Demnach wäre sie jetzt sieben. Vor genau fünf Jahren spazierte sie in meine Wohnung und lebt seither an meiner Seite – manchmal sehr nahe, wie nachts, manchmal mit Abstand, wie heute, als sie wieder mal in eine andere Richtung wollte als ich. Die fünf Jahre sind verflogen als wären es fünf Tage und trotzdem ist ein Leben ohne das Brötchen nicht mehr vorstellbar. Da ich mich ohnehin dauernd als Hundehalterin hinterfrage, dachte ich, ich könnte auch gleich ein Interview mit mir selbst machen. Als Zwischenstopp auf unserem gemeinsamen Weg, der hoffentlich noch sehr weit reichen wird.

Hast du dir das Leben mit Panini so vorgestellt?

Nein. Wie hätte ich können? Bis heute staune ich über all das, was sie in mir bewegt. Über das, was ich bereit bin, für sie zu tun, über die Freude, aber auch die Ängste, die sie auslöst. Wenn es ihr schlecht geht, verdüstert sich alles und wenn sie fröhlich ist, geht es mir auch gut. Das habe ich mir so nicht vorgestellt. Es gibt Momente, da ist alles, wie gedacht. Wenn wir zusammen in der Natur spazieren gehen zum Beispiel. Und sie springt unbeschwert umher. Aber das ist ja nur ein kleiner Teil des Zusammenlebens.

Du wolltest Panini gesund machen. Ist dir das geglückt?

Wieder nein. Ich dachte, es müsste gelingen, zu zaubern. Ich habe mir am Anfang sogar vorgestellt, die riesige Narbe an ihrem Ohr könnte eines Tages wieder mit Fell bewachsen sein. Aber man kann Geschehenes nicht rückgängig machen. Wir haben viele Hürden genommen und ich darf mir gar nicht ausmalen, wie es Panini heute ginge, hätte sie keine der Behandlungen bekommen. So manches gesundheitliche Problem ist auch tatsächlich vom Tisch. In gewisser Hinsicht ist das Brötchen sogar erstaunlich robust, so etwas wie Durchfall kennen wir zum Beispiel praktisch nicht mehr. Und jetzt haben wir ein sorgloses Jahr hinter uns, Panini lief gern und gut. Aktuell macht das rechte Bein aber wieder Schwierigkeiten und ich plage mich mit dem Gedanken, ob ich daran eine Mitschuld habe.

Wie kann das sein?

Ich habe bei ihren ersten Operationen auf einen Tierarzt und eine OP-Methode gesetzt, die nicht für das gewünschte Ergebnis gesorgt haben. Nach bestem Wissen und Gewissen. Aber heute weiß ich es eben besser. Es lässt sich natürlich nicht ändern, aber ein flaues Gefühl bleibt.

Hast du eine gute Ernährung für Panini gefunden?

Paninis frühere Probleme mit der Bauchspeicheldrüse sind verflogen, also würde ich sagen, dass unser Weg gut ist. Sie bekommt überwiegend rohes Biofutter und als Ergänzung Dosen von verschiedenen kleinen Herstellern, die ich vertrauenswürdig finde. Dabei bin ich aber immer wieder neu auf der Suche, um etwas zu verbessern. Zum Beispiel die Abfallbelastung durch Dosen. Im Schnitt habe ich auch den Fleischanteil etwas reduziert, ich bin also keine Barferin im eigentlichen Sinn. Als ich mit der Rohfütterung anfing, war ich sehr streng mit mir und habe sehr aufs Beutetierprinzip geachtet. Das mache ich nicht mehr.

Was ist das Schönste am Leben mit Panini?

Sie überhaupt bei mir zu haben ist schön. Sie muss dafür nichts besonderes tun. Es genügt, dass sie neben meinem Schreibtisch liegt und schläft. Bereits das ist so schön, dass es sich allein dafür lohnen würde, diesen Hund zu haben. Sie ist einfach liebenswert. Das Schönste ist aber wahrscheinlich ihre Begeisterungsfähigkeit und ihr Witz und die unbedingte Liebenswürdigkeit, mit der sie auf Menschen zugeht.

Was, denkst du, findet Panini am besten am Leben mit dir?

Ich glaube, sie findet es toll, dass es jeden Tag gutes Essen gibt und an manchen Tagen sogar noch besseres. Sie findet es super, dass es jeden Mittag einen Snack gibt und man weiß vorher nie, was für einen. Sie liebt es, dass es bei mir ruhig ist und dass man ungestört schlafen kann. Dass sie manchmal ein riesiges Feld voller Mäuse ganz für sich hat. Und natürlich, dass sie fast nie allein ist und es immer warm, weich und geborgen hat. Wenn man drüber nachdenkt, ist man als Hundehalter bereits ganz schön fein raus, wenn man auch nur die einfachsten Dinge zur Verfügung stellen kann.

Welche Erziehungsbaustellen gibt es noch immer?

Besonders weit sind wir in Sachen Erziehung nicht gekommen. Auch das hatte ich mir anders vorgestellt. Aber einen Hund, der Schmerzen hat, kann man kaum trainieren. Und als er dann keine hatte, wollte ich endlich einfach nur ein bisschen Normalität leben, ohne strenges Programm. Deshalb ist alles so wie es ist. Die Leinenführigkeit ist mies, sie will öfter bestimmen, wo es lang gehen soll. Und noch immer frisst sie Dinge, die sie nicht fressen soll. Aufgegeben habe ich bei diesen Themen allerdings noch nicht.

Was hast du dem Hund in fünf Jahren beigebracht?

Ein mittelprächtiges Sitz, Platz, Bleib, einen Rückruf, den ich je nach Tagesform etwa im Bereich der Note 3-4 ansiedeln würde. Ins Körbchen und auf die Decke schicken mit Note 2-3. Ein „Aus“ mit Note 3-4. Sitzen und auf das Essen warten mit Note 1-2. Darüber hinaus macht der Hund im Alltag viele Dinge einfach so mit. Ich habe ihr beigebracht, dass man keine Angst haben muss und ich denke auch, dass sie sich auf mich verlassen kann. Und dass man jedem Tag entspannt entgegen blicken kann.

Und was hast du von ihr gelernt?

Mehr als ich mal so eben aufschreiben könnte. Das vielleicht wichtigste im Alltag: Die Bedeutung von Stärke, Ruhe und Geduld. Sie hat alle meine Vorräte an Fürsorge und Liebe angezapft, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.

Würdest du dich mit dem Wissen von heute wieder für diesen Hund entscheiden?

Paninis Wesen passt zu mir. Ich verstehe sie, sogar ihre Dickköpfigkeit. Ich mag es, dass sie so viel Körperkontakt braucht und so menschenzugewandt ist. Aber auch, dass sie Ruhe liebt, so wie ich. Sie würde sehr gern mit mir laufen, wenn sie könnte, das konnte ich auf unseren seltenen Läufen erleben. Ich kann mir keinen wunderbareren Hund vorstellen. Es ist ungeheuer traurig, dass sie wegen ihrer Probleme mit dem Bewegungsapparat nicht der Hund sein kann, der sie eigentlich wäre. Das Leben ist kein Wunschkonzert und entgegen den Aussagen von irgendwelchen Tschacka-Hugos kann man sich nicht alles so formen und backen, wie man es möchte. Es ist wie es ist und so ist es. Wir sollten vor fünf Jahren einfach zueinander finden.

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12 Kommentare

  • Antworten Christiane 2. Dezember 2019 um 22:18

    Liebe Heidi,
    mir kommen die Tränen ,weil ich genau das gleiche durch gemacht habe Jamie und ich sind am 4 Januar auch 5 Jahre zusammensind.
    Sie ist meine Seelenhündin und dein Interview sprich mir aus der Seele.
    Immer egal wo wenn ich irgendwo einen Hund sehe kommt ein Lächeln in mein Gesicht egal wie gestresst ich bin.jeder Hund erinnert mich daran wie glücklich ich mit meiner Jamie bin. 😘
    Danke , das ich soviel von dir lernen durfte und du immer mit Rat und Tat zur Seite standest.Danke für Alles

  • Antworten Heidi 2. Dezember 2019 um 22:21

    Liebe Christiane,
    ich danke Dir, dass Du uns schon so lange begleitest! Alles Beste weiterhin für euch!

  • Antworten Christiane 2. Dezember 2019 um 22:24

    Liebe Heidi, ich bin so froh durch Zufall auf deinen Blog aufmerksam geworden zu sein…❤️

  • Antworten Anja Meiser 3. Dezember 2019 um 12:01

    Fünf Jahre schon. Ich freue mich sehr über deine Geschichten und wünsche euch weiterhin eine gute Zeit zusammen.
    .An lockerer Leine laufen ist gut für die Gelenke an beiden Enden der Leine. 🙂 Korrektes “Sitz” hingegen wird völlig uberbewertet. Sag ich mal.

    • Antworten Heidi 3. Dezember 2019 um 13:39

      Danke! Sitz ist bei uns eh so eine Sache – Panini hat dafür eine eigene Technik entwickelt, die für ihr schmerzendes Bein am Besten funktioniert. Allerdings geht die nicht gut auf glatten Untergründen, sie rutscht einfach auf dem Fell weg. Deshalb gibt es Sitz bei uns nur auf Teppichen und auch draußen nur äußerst selten, wenn es kalt oder matschig ist, muss sie draußen nicht sitzen. Warum auch?

  • Antworten Stefan 3. Dezember 2019 um 12:25

    Hallo Heidi, einmal mehr treffende Worte für eine Beziehung zwischen Mensch und Hund, die sich nur dann von selbst erklärt, wenn man es selber erlebt.
    Bei uns sind vor zwei Jahren zwei Brüder eingezogen und obwohl wir vorher nie Hunde um uns hatten, war es ab diesem Tag um uns geschehen. Es fühlt sich einfach so richtig an 😉
    Danke für die Zeit, die Du Dir nimmst, immer mal wieder Deine Gedanken aufzuschreiben.

  • Antworten Socke-nHalterin 3. Dezember 2019 um 19:19

    Ich bin tief berühr über Deine ehrlichen und schönen Worte…. Ich finde, dass Ihr stolz auf Euch sein könnt, denn was ist schon ein perfektes Sitzgegen die Erkrankungen, die Ihr überstanden habt….

    Es was traurig macht mich ” ich plage mich mit dem Gedanken, ob ich daran eine Mitschuld habe”.

    Ich denke nicht, dass dem so ist und wenn es so ist, dann hast Du das nicht bewusst gemacht und wirst alles tun, dass es dem Brötchen bald wieder gut gehen wird. Ich habe erst neulich durch zu lange Krallen Socke große Schmerzen bereitet, sie in die Notfallsprechstunde getragen und ihr Schmerzmittel gegeben. ich mache also auch große Fehler…..

    Auf die nächsten 5, 10, 15 Jahre…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Antworten Heidi 4. Dezember 2019 um 13:07

      Hallo Sabine,
      leider lässt sich ja meine Entscheidung nicht rückgängig machen und sie bedeutet lebenslange Probleme. Es ist schwer, das wegzustecken. Ich würde heute vor einer OP immer zwei Ärzte befragen, es sei denn, ich kenne den Arzt bereits sehr gut. Unser Arzt hat mir damals vermittelt, dass es sich um einen kleinen Routineeingriff handelt, den er schon hunderte Male durchgeführt hat, jedesmal mit großem Erfolg. Er wirkte ungeheuer ruhig und sicher. Heute würde mir das nicht mehr reichen, um so zu vertrauen. Lange Krallen sind bei uns übrigens auch ein Thema, Panini bekommt sie mit einem Schleifgerät gekürzt. Das kann sie aber nicht leiden, weshalb ich es ebenfalls ungern angehe und so sind sie manchmal länger, als ich es gern hätte. Knifflig …
      Liebe Grüße
      Heidi & Panini

      • Antworten Socke-nHalterin 4. Dezember 2019 um 17:33

        Liebe Heidi,

        rückblickend sieht man viele Dinge anders. Ich kenne das. Hätte, hätte, Fahrradkette sagt man dazu wohl.

        Ich möchte Dich trösten und Dir Folgendes schreiben.
        Zum damaligen Zeitpunkt hast Du alles richtig gemacht. Nun hast Du gelernt und Erfahrungen gesammelt. Aber damals eben nicht. Panini ist zudem Dein erster Hund. Heute noch einmal so zu agieren, könntest Du Dir vorwerfen. Ich finde, dass Du ganz wunderbar mit Panini zusammenlebst und alles gut und richtig machst. So richtig, wie es Dir in dem Moment möglich war.

        Sie hätte niemand besseren an ihrer Seite bekommen können.

        Viele liebe Grüße
        Sabine mit Socke, die sich jetzt auch ein Schleifgerät zulegt

        • Antworten Heidi 4. Dezember 2019 um 17:40

          Es gibt bei Amazon eines für größere, dickere Krallen! Das ist das beste, was wir bisher hatten. Die anderen holen echt kaum was runter und es dauert ewig. Ich weiß nicht, wie zart Sockes Krallen sind, aber selbst Leute mit sehr kleinen Hunden beklagen sich bei vielen Schleifern. Meiner Meinung nach zu Recht.

  • Antworten Inken 3. Dezember 2019 um 20:24

    Ach Heidi,
    Ihr habt so ein Glück miteinander gehabt…. und du formulierst es wunderbar!
    Herzlichen Glückwunsch von und Dreien!

    • Antworten Heidi 4. Dezember 2019 um 13:10

      Danke, liebe Inken!

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