Draußen

Die große Gassi-Studie: 10 Hundehalter-Typen.

4. August 2019
10 Hundehalter-Typen

Eins vorweg: Es gibt natürlich mehr als zehn Typen. Aber diese kamen mir zuerst in den Sinn. Auch Mischformen sind beliebt, ich selbst würde mich zum Beispiel in einer Mischung aus den „Geselligen“ und den „Beseelten“ wiederfinden. Und wahrscheinlich trage ich weitere, hier nicht aufgelistete komische Typen in mir. Und wer nicht einen Hauch der „Blauäugigen-Sorte“ in den Adern hat, wird sich vermutlich nie einen Hund anschaffen. Also, bitte sehr. Macht den Selbst-Check! (Und nehmt nicht alles ganz so ernst).

1. Die Blauäugigen

Eigentlich wollten die Blauäugigen gar keinen Hund. Aber dann war da dieser reizende Labradorwelpe … Blauäugige sind unerschütterliche Optimisten, die sich das Leben mit Hund problemlos vorstellen. Da sie eine Neigung zu Familienhunden haben, geht ihre Rechnung erstaunlich oft auf. Die Hunde von Blauäugigen sind schlecht erzogen, aber es stört auch niemanden. Sie bekommen das garstigste Trockenfutter zu fressen, erreichen aber ein biblisches Alter. Das Glück gehört den Blauäugigen. Geht allerdings in ihrem Plan etwas schief, ist der Output am Dampfen. Häufig entwickeln sich Blauäugige allerdings auch im Laufe ihres Hundehalter-Daseins zu „Geselligen“, so dass sie durch viele Gespräche ein wahrhaft enzyklopädisches Wissen anhäufen. Andere sind jedoch auch beim fünften Hund ebenso blauäugig wie beim ersten. Toi, toi, toi.

Typische Rasse: Golden Retriever, Zwergdackel, Labrador, Mischling
Typischer Name: Oscar, Bella, Bruno, Rudi, Emil, Betty
Typischer Satz: „Ach, das geht dann schon!“

2. Die Beseelten

Die Beseelten hängen mit einem unerschöpflichen Vorrat von Liebe an ihren Hunden. Überdurchschnittlich oft gehören Rentner oder Alleinstehende zu dieser Gruppe. Es gibt eine Schnittmenge zu den Blauäugigen, anders als diese sind die Beseelten aber viel schneller besorgt – fällt das Thermometer unter 12 Grad, wird der Hundemantel bereit gelegt. Die Hunde von Beseelten verfügen über mehr Spielzeug als die Kinder von Prinz William und mehr Körbchen als Frauchens Wäscheschublade. Am Abend schauen die Beseelten „Hund, Katze, Maus“ oder „Tiere suchen ein Zuhause“ und weinen ein bisschen aus Mitgefühl. Dann gibt es Weinbrandbohnen für Mutti und ein Keksi fürs Hundi. Im Zusammenspiel mit anderen Mensch-Hund-Teams sind die Beseelten freundlich, aber schnell besorgt, so dass sie ihren Spaziergang rasch fortsetzen.

Typische Rasse: Mischlinge, Cavalier King Charles Spaniel, English Toy Terrier
Typischer Name: Benji, Bubi, Biene, Clärchen, Flocke, Ginny, Julchen
Typischer Satz: „Jetzt kennste das andere Hundi, jetzt können wir ja weitergehen.“

3. Die Distanzierten

Die Distanzierten hassen Menschen. Die eine Hälfte aus verständlichen Gründen, denn sie hat schlechte Erfahrungen gemacht. Die andere Hälfte ist einfach nur überspannt. Ihrer Seelenlage gemäß suchen sich die Distanzierten Hunde, die ihrerseits alles ätzend finden, was sich bewegt. Das gelingt allerdings nicht immer und so sind die Distanzierten gelegentlich auch mit den arglosesten Hunden unter der Sonne gesegnet. Das merken sie allerdings nicht, weil sie 24 Stunden am Tag mit Grollen beschäftigt sind. Kommen einem Distanzierte entgegen, begeben sie sich augenblicklich auf die Flucht ins Unterholz, begleitet von einem finster dreinblickenden Vierbeiner. Manchmal aber auch von einem neugierig trippelnden Hund, der es bedauert, nie zu erfahren, wer ihm da entgegenkam.

Typische Rasse: Eigentlich egal, Hauptsache traumatisiert. Und sei es nur durch das fortwährende Kontaktverbot.
Typische Namen: Unbekannt, da die Hunde von Distanzierten nie gerufen, sondern nur gezogen werden.
Typischer Satz: Ebenfalls unbekannt, da die noch niemand die Distanzierten je sprechen gehört hat

4. Die Demonstrativen

Demonstrative gibt es in vielen Farben und Formen. Die Reinform findet sich aber bei Fans von stattlichen Hunden edlen Geblüts. Mit spöttischem Blick schauen sie auf kleine Mischlinge herab – wenn sie sie überhaupt eines Blicke würdigen. Sollten sich dennoch Gespräche mit Unwürdigen ergeben, ergießt sich ein Schwall unverständlicher Fachbegriffe über das Gegenüber. Demonstrative sind in Hundevereinen aktiv, um den Hund „artgerecht auszulasten“, deshalb trifft man sie zum Glück selten außerhalb eingezäunter Areale und Hindernisparkoure. Hunde von Demonstrativen sind immer groß und tragen nie ein Geschirr oder gar einen Hundemantel.

Typische Rasse: Weimaraner, Malinois, Schäferhund
Typischer Name: Ares von der Welfenheide, Baldur vom Ritterberg, Lady vom Fürstenhof
Typischer Satz: „Wir trainieren prinzipiell auf Grau“

5. Die Geselligen

Die Geselligen sind das Herz der Hundehalterwelt. Mit feinen Fäden spinnen sie ein Netz über ganze Stadtviertel hinweg, in dem sich Giftköderwarnungen, Tierarzttipps, Neuigkeiten zu Todesfällen und Neuanschaffungen, hilfreiche Hausmittelchen und Second Hand-Equipment verfangen. Die Hunde von Geselligen erkennt man an ihren Liegeschwielen, denn wenn sich zwei Gesellige treffen, wissen ihre Hunde, dass es jetzt länger dauern wird und legen sich augenblicklich hin. Gesellige vermeiden die Verabredung zum Kaffee, sie sind mehr für den spontanen Austausch zu haben. Gesellige sind das Gegenteil der Distanzierten und eine beliebte Anlaufstelle für die Unsicheren.

Typische Rasse: Mischlinge aus der ganzen Welt, Jack Russell, Portugiesischer Wasserhund
Typischer Name: Bailey, Coffee, Caruso, Drops, Eddy, Bootsmann, Goofy, Herr Schröder
Typischer Satz: „Und, wie isses bei euch, ist das Häufchen wieder fest?“

6. Die Ehrgeizigen

Die Ehrgeizigen überlassen nichts dem Zufall. Sie verbringen Monate mit der Auswahl der richtigen Rasse. Auch wenn sie es nicht zugeben würden: Es ist wichtig, dass es eine besondere Rasse ist, die man nicht an jeder Ecke sieht. Steht die Wahl, verbringen sie weitere Wochen mit der Suche nach dem richtigen Züchter, bevor sie LKW-Ladungen voller Hunderatgeber kaufen. Sie wollen die besten Hundehalter werden, die diese Rasse jemals zu Gesicht bekommen hat. Bereits vor Ankunft des Hundes werden Erziehungspläne erstellt und die Hundeschule ausgewählt. Die Namensfindung ist ebenfalls wochenfüllend, da es etwas Besonderes sein soll. Die Ehrgeizigen haben am Ende tatsächlich wohlerzogene Hunde, können aber sehr anstrengend werden, weil ihnen ihr angestautes Wissen ständig durch alle Poren bricht. Im ungünstigsten Fall neigen Ehrgeizige zum Hundeschulen-Nazi.

Typische Rasse: Akita, Australien Shepherd, Entlebucher Sennhund, Nova Scotia Duck Tolling Retriever, Samojede
Typischer Name: Fynn, Fellini, Hazel, Jerry-Lee, Karajan
Typischer Satz: „Unser Hund kann uns sehr genau lesen!“

7. Die Unsicheren

Die Unsicheren sind ein ähnlicher Typus wie die Beseelten, stellen sich selbst als Hundehalter aber mehr in Frage. Sie sind häufig damit beschäftigt, darüber nachzudenken, ob sie wohl alles richtig machen und was der Hund ihnen sagen will. Da sie nicht so gern Hunderatgeber lesen, sind TV-Sendungen mit Martin Rütter für sie eine Offenbarung. Weil dennoch viele Fragen offen bleiben, docken die Unsicheren gelegentlich bei den Geselligen an und lassen sich beschwätzen. Dann müssen sie erst mal drüber nachdenken und sprechen auf ihren Gassirunden eine Weile mit niemandem. Die Hunde von Unsicheren verfügen meist über ein enormes Selbstbewusstsein und neigen zum Rabaukentum.

Typische Rasse: Mischlinge, Bologneser, Yorkshire Terrier, West Highland Terrier
Typischer Name: Duffy, Susi, Gismo, Kimba, Leika
Typischer Satz: „Ich versteh es nicht, warum macht er das nur immer?“

8. Die Trendigen

Niemand ist so stolz auf seinen Hund wie die Trendigen. Kein Wunder, war es doch bei der Wahl der Rasse enorm wichtig, dass sie zum eigenen Image passt. Trendige haben 1.784 Bilder ihres Hundes bei Instagram veröffentlicht, auf denen er gefühlt 389 verschiedene Halsbänder trägt. Die Hunde von Trendigen kommen nicht, wenn sie gerufen werden, können aber rückwärts zwischen zwei Mandelmilch-Tetrapaks einparken und sich auf das Kommando „Buh!“ eine Pfote vor die Nase halten. Trendige haben mehr Hundewissen als die Unsicheren, sind jedoch vom Know how der Ehrgeizigen weit entfernt. Besonders offen sind die Trendigen für alternative Methoden, weshalb sie auch für den Hund selbst kochen. Trotzdem haben ihre Hunde fast immer gesundheitliche Probleme, was an der Auswahl der Rasse liegen könnte.

Typische Rasse: Französische Bulldogge, Mops, Chihuahua, Sheltie
Typischer Name: Diva, Maddox, Kira, Milo, Aimee
Typischer Satz: „Die ist so klug!!“

9. Die Robusten

Die Robusten sind unerschrockene Gesellen, die ihr Subkultur-Image mit Hingabe pflegen. Ihre Tattoos bilden eine eigene Kunstausstellung und ihr sorgfältig rasierter Undercut lässt Luft an den ansonsten pinkfarben leuchtenden Kopf. Sie sind in jeder Hinsicht körperlich präsent, weshalb es ihnen auch mühelos gelingt, Hunde zu führen, die stärker sind als sie selbst. Sie haben eine Neigung zu von der Norm abweichenden Schönheitsidealen, was nicht nur für ihre Lebenspartner, sondern auch für ihre Hunde gilt. Je zerknautschter, massiger, sabbernder, desto besser. Dabei greifen sie auch bei abgelegten und vernachlässigten Second Hand-Hunden zu. Mit anderen Hundehalter-Typen haben sie nicht viel am Hut, zur großen Erleichterung der Beseelten und Unsicheren, die beim Anblick der Robusten um das Wohl ihrer Hunde fürchten.

Typische Rasse: Bullterrier, Bordeaux Dogge, Mastiff, Englische Bulldogge
Typischer Name: Spike, Buddy, Snickers, Jimmy, Lucie
Typischer Satz: „Ich lieb dich auch, Alter!“

10. Die Tierschützer

Die Tierschützer sind der Meinung, dass die besten Hunde in Tötungsstationen zu finden sind. Ihre größte Pein dabei ist, nicht mehr Hunde aufnehmen zu können als sie derzeit besitzen. Sie haben ein ganzes Arsenal von Maulkörben und Schleppleinen zuhause, da ihre Lieblinge nicht immer verträglich sind und zum hemmungslosen Jagen neigen. Was die Liebe zu ihren Schützlingen betrifft, so stehen sie den Beseelten in nichts nach. Sie tragen nur noch angeschmuddelte Cargohosen und T-Shirts mit Sabberflecken, die sie als hübsches Muster empfinden. Ihre Bedingungslosigkeit macht den Umgang mit Tierschützern gelegentlich anstrengend, da sie über den Umgang mit Hunden die Menschen vergessen. Mit Demonstrativen, Ehrgeizigen oder Trendigen sind sie ebenso wenig kompatibel wie ihre Hunde mit Großstädten.

Typische Rasse: Podenco, Hirtenhunde aus dem Kaukasus, Bulgarische Kettenhunde
Typischer Name: Hope, Ronja, Hunter, Lotte, Pedro
Typischer Satz: „Er hat sich ganz toll gemacht.“

 

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11 Kommentare

  • Antworten Julia 4. August 2019 um 20:39

    Ein herrlicher Artikel! Super beobachtet, ich finde mich auch in einigen Typen ganz gut wieder!

  • Antworten ines@meyrose 5. August 2019 um 7:27

    Danke für den Lacher am Morgen.
    Ich sende gesellig-ehrgeizige Grüße 🙂

  • Antworten Katja 5. August 2019 um 10:18

    Ja, ich bin auch dabei, Ebenso mein Bruno. Also zähle ich zumindest namentlich zu den Blauäugigen. Bruno und ich haben aber braune Augen und die gleiche Fellfarbe, wo ich uns dann wiederum eher zu den Trendigen zählen würde (ja, seine Fellfarbe entspricht tatsächlich meiner Naturfarbe, nein, nix nachgefärbt…). Ehrgeizig war nur ich. Bruno würde ich eher als lässig beschreiben. Bloß kein` Stress bitte, Ruhe bewahren und laaaaange ausruhen. Taucht Bella auf, wird er allerdings hochaktiv! Da nutzt das schönste BLEIB nichts, wenn er in der Ferne seine Herzensdame erschnuppert? Soll sich Bruno diese Gelegenheit etwa entgehen lassen? Er zählt insofern eher zu den Geselligen. Auch nach 3 Hundeschulen findet er Bella interessanter als mich. Es sei denn, ich schmiere mich komplett mit Leberwurst ein.
    Insgesamt bilden Bruno und ich also eher eine Mischform. Letztendlich aber die Kategorie: 6er im Lotto!

    Vielen Dank für deine wunderbaren Texte!
    und gesellige Grüße

  • Antworten Socke-nHalterin 5. August 2019 um 19:49

    Liebe Heidi,

    beim ersten Lesen dachte ich, dass ich gar nicht gemeint sein kann. Kein Tibet Terrier und kein Hund namens Socke. Glück gehabt!!!!!

    Natürlich finde ich mich wieder und zwar in fast jedem genannten Typen.

    Wie schön, dass wir alle nicht in Schubladen gesteckt werden können, sondern individuell, lernfähig, besonders, und einzigartig sind. ;o)

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • Antworten Lisa 6. August 2019 um 10:01

    Super.
    Ein trendiger Distanzierter 😀
    Beim Trendigen hattest du mich schon vorher und dann auch noch ‘natürlich kocht er für seinen Hund’

  • Antworten Steffi 6. August 2019 um 12:00

    Hahahahaha…. So treffend….
    Ich habe 2 Aussies & tatsächlich war ich bis vor einigen Jahren durch und durch Typ Ehrgeizig….

    Gott sei Dank ist diese Zeit vorbei. Jetzt bin ich nur noch Typ ‘Gemeinsam die Freiheit genießen’

  • Antworten Mareike 6. August 2019 um 18:03

    Eine sehr scharfsinnige Beurteilung, aber ich hadere noch damit, mich einer der Kategorien zugehörig zu fühlen. Du solltest dringend eine Fortsetzung schreiben.

    Liebe Grüße,
    Mareike mit Loki

    • Antworten Heidi 6. August 2019 um 22:14

      Vielleicht mach ich das sogar mal … Es gibt noch so viele Typen! 🙂

  • Antworten Steffi Lowack 6. August 2019 um 19:48

    So Leute, und jetzt komm ich !😊
    DANNY (was uns der Name jetzt sagen mag, überlegt bitte alle selbst! Er hieß allerdings schon so) kommt aus einer ungarischen Tötungsstation! Er ist ein Retriever-Irish-Terrier-Mix! Er kann total gut hören, hat aber einfach manchmal keinen Bock! Wir gehen jetzt gleich noch eine Runde um uns Liegeschwielen im Kreise der Geselligen zu holen. Vorher machen wir aber große Bögen um die Disziplinierten!

    LG
    Steffi
    &
    Danny
    🐾🐾

  • Antworten Isabel 7. August 2019 um 5:51

    Ganz zauberhaft! Wir sind mit unserer Bärbel (Cane Corso-Labrador-Mischling, Tierheim) ganz eindeutig, ich gebe es zu, die Blauäugigen (bis aufs Futter). Andere bekannte Hundehalter kann ich auch sofort in ein oder zwei Kategorien finden. Mit so viel feinsinnigem Humor und Herz geschrieben, großartig. Bitte unbedingt eine Fortsetzung!

  • Antworten Libby 14. August 2019 um 19:02

    Ich fühle mich bei „den Ehrgeizigen“ ein wenig ertappt, hier wohnt ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever und ich gebe zu, dass wir ambitioniert trainieren. Andererseits: Wer mal brauchbarer Jagdhund werden will, muss auch eine Menge lernen. Der Spaß geht uns dabei nicht abhanden und wir verbringen natürlich auch viele Nachmittage einfach nur gemeinsam auf der Couch.

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