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Kreuzband-OPs – doppelt hält besser.

7. Februar 2016

„Einmal ist keinmal“ sagt das Sprichwort und das stimmt offensichtlich. Paninis erste Kreuzband-OP am rechten Bein war nicht erfolgreich und so wurde sie ein zweites Mal operiert. Ich finde, dass wir damit bereits genug Wegezoll auf dem Schicksalspfad gezahlt haben. Inzwischen stelle ich mir das Schicksal allerdings als eine Art Schäuble vor, wahrscheinlich strebt es die schwarze Null an und deshalb muss man immer weiter zahlen. Ein Jahr nach unserer ersten OP riss Paninis Kreuzband auf der anderen Seite, womit wir zu den 50% Pechpilzen gehören, die beide Kreuzbänder in den Wind schießen können. Und weil einmal ja nun eben keinmal zu sein scheint, werde ich dieses Knie auch noch ein zweites Mal unters Messer legen lassen.

Für den Kreuzbandriss-Laien klingt das nach einem außergewöhnlich großen Haufen Exkremente, der uns an den Hacken klebt, tatsächlich gibt es aber solche Fallgeschichten zu Hauf. Natürlich lief ich wie ein Zootiger hin und her und habe mich gefragt, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ob Panini etwas falsch gemacht hat. Ob wir beide zu doof sind für eine handelsübliche OP mit normalem Heilungsverlauf. Da ich aber zwischenzeitlich das Internet auswendig gelernt habe, weiß ich, dass das nicht stimmt. Das Problem liegt darin, dass über die richtige Methode einer Kreuzband-OP bei Hunden ein Glaubenskrieg tobt. Und dass es unendlich schwer ist, das richtige zu tun.

Die Informationen, die uns der Haustierarzt, der Panini drei mal operierte, zu diesem Thema gab, passen auf ein Reiskorn. Selbst die Methode, die er anwand, musste ich erfragen. Vielleicht wäre das für den tierarzterfahrenen Menschen bereits ein Grund gewesen, die OP woanders vornehmen zu lassen, aber ich hatte trotzdem einen guten Eindruck. Er hatte den Kreuzbandriss sofort diagnostiziert, wusste Fehlhaltungen zu deuten, was bei zwei anderen Tierärzten nicht der Fall war. Er hatte nach eigenen Angaben über 200 Hunde so operiert, mit sehr gutem Erfolg (natürlich). Ich hatte Vertrauen und Panini auch.

Das hinderte mich nicht daran, alles zu ergoogeln, was es zum Thema gab. So erfuhr ich bereits vor einem Jahr von dem Glaubenskrieg. Während die einen auf die Methode meines Tierarztes schworen (Kapselraffung nach Meutstege mit Bandersatz) hielten die anderen die Methode für veraltet und bestenfalls für kleine Hunde geeignet. Hier empfahl man meistens neuere, sehr invasive und aufwändige Methoden (TPLO oder TTA), die großes chirurgisches Geschick und Erfahrung erfordern. Dazwischen gibt es unzählige andere Methoden, buchstäblich hunderte. Besonders häufig fand ich einen Konsens: Bei Hunden bis 25 kg sind Methoden mit Bandersatz angebracht, bei schwereren und sehr lebhaften Hunden wählt man besser eine der anderen. Panini wiegt 17 kg und ist nicht überdurchschnittlich quirlig. Ich war froh. Wenn man gerade mal seit drei Wochen einen Hund hat, schreit man nicht unbedingt Hurra, wenn man ihm einen gesunden Knochen durchsägen lassen soll. Hinzu kommt, dass die sanftere OP gerade mal ein Drittel kostet, aber das war nicht ausschlaggebend für die Entscheidung. Ich glaube, ich wusste nicht einmal, wie groß der Preisunterschied ist.

Nach einem sehr vielversprechenden Heilungsverlauf in den ersten drei Wochen nach der OP, kam plötzlich ein Einbruch, der einige Wochen und viele Schmerztabletten später zur zweiten OP führte. Verdacht auf Meniskusschaden, eine klassische Folgeverletzung. Aber der Meniskus war intakt. Der Arzt berichtete, er habe nochmals die Arthrose geglättet, eine Erklärung, die mir nie schlüssig erschien. Tatsache ist aber, dass der Hund danach sehr schnell großartig lief, alles heilte, wie es sollte und das Bein ein halbes Jahr später sehr stabil und der Hund schmerzfrei war. Ich hatte keinen Grund mehr, an der Methode zu zweifeln. Deshalb entschied ich mich auch beim zweiten Mal dafür. Zumal ich gelesen hatte, dass es gut wäre, bei einer Methode für beide Beine zu bleiben, um Dysbalancen vorzubeugen.

Im Dezember 2015 wurde das zweite Bein operiert. Anders als beim ersten war der Heilungsverlauf keinen einzigen Tag lang vielversprechend. Der Hund benutzte das verletzte Bein partout nicht. Anfangs wollten mich alle beruhigen. Die Physiotherapeutin, der Osteopath und natürlich der Tierarzt. Dem Tierarzt gelang das nicht im mindesten, weil er meine Sorgen nicht einmal ernst nahm. Ab da war das Vertrauen unwiederbringlich weg. Ich habe beim Fädenziehen das letzte Mal mit ihm gesprochen.

Nun MUSS der Hund das Bein nach zwei Wochen noch nicht benutzen, aber ich wurde das Gefühl nicht los, das etwas nicht stimmte. Es dauerte zwei Wochen, bis das Tier das Bein überhaupt im Stand beim Fressen und Trinken freiwillig aufsetzte. Ich hörte dauernd, das sei ja oft eine „Kopfsache“, die Tiere trauten dem Bein nicht, obwohl es längst möglich sei. Aber Panini war noch nie zimperlich. Dieses war ihr „starkes“ Bein. Sie würde ohne Not nicht ihr schwaches Arthrosebeinchen zusätzlich belasten, das noch weitere alte Verletzungsspuren hat. Mehr als jedem Arzt vertraue ich meinem Hund. Nach vier Wochen war ich mir ganz sicher: Wenn sie das Bein nicht benutzt, dann, weil sie einfach nicht kann.

Ich fuhr mit Panini zur Tierklinik Kalbach, einer relativ neuen Klinik mit gutem Ruf. Wir brauchten einen Facharzt, dringend. Wir fanden ihn in Dr. Fischer, einem jungen engagierten Arzt, der sich sehr viel Zeit und mich ernst nahm. Er stellte schnell fest, dass Paninis Bein instabil ist. Die Bewegung im Liegen geht gut, aber wenn sie es belasten will, rutscht der Unterschenkel nach vorn, es hat keinen Halt. Wie ist das möglich, trotz OP?

Kreuzbandriss Hund links

Die Krux liegt in der Methode begründet. Sie basiert darauf, dass die Gelenkkapsel eröffnet wird und in der Folge das Gelenk versteift. Es bleibt natürlich beweglich, aber entscheidende Teile werden steif und fest und geben dem Knie Stabilität. Das ist ein Prozess, der mehrere Wochen dauert. In dieser Zeit muss ein dünnes Nylonfädchen den stabilsierenden Job leisten. Das Risiko dieser OP-Methode ist, dass sich dieses Bändchen lockert, dehnt oder reißt, bevor die Kapselversteifung eingetreten ist. Das ist auch der Grund, weshalb sie bei schweren oder hyperaktiven Hunden nicht funktioniert. Die Tierklinik Kalbach empfiehlt die Methode nur bei Hunden bis 10 kg. Panini hat nicht getobt in den ersten Wochen, ich habe sie extrem geschont. Es hat nichts genutzt. Vermutlich hat sich das Band gelockert, das Knie bekommt keine Ruhe mehr.

Deshalb kommt jetzt doch die Knochensäge zum Einsatz. Bei der von Dr. Fischer empfohlenen TPLO wird die Biomechanik im Knie so verändert, dass bereits durch die Position der Knochen eine Stabilität eintritt. Der Unterschenkelknochen wird zersägt und mit einer Stahlplatte neu verschraubt. In der Heilungsphase wächst der Knochen in dieser neuen Position zusammen. Das Implantat bleibt drin, sofern es nicht später einmal Ärger macht, dann wird es entfernt. Aber bis dahin ist der Knochen längst wieder zusammengewachsen. Auch bei dieser Methode rechnet man mit etwa drei Monaten bis zur Wiederherstellung. Die Prognose ist sehr gut, die Komplikationsrate gering. Hier ist es sehr plastisch gezeigt, wie das Ganze funktioniert.

Tplo-schema

Von Florian Scheuerer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Man darf nicht zurückschauen und deshalb versuche ich nicht, um die verlorene Zeit, die Kraft und das Geld zu trauern. Wir haben sechs Wochen umsonst gekämpft, aber das lässt sich nun nicht ändern. Andere Fragen sind jetzt vorrangig. Wie halte ich sie davon ab, nach der OP am Bein zu lecken, was jetzt noch wichtiger ist, damit sich ja nichts entzündet? Ich habe einen neuen, anderen Trichter gekauft, der wieder nach 30 Sekunden ab war. Ich könnte versuchen, ihr mit „Erziehung“ beizubringen, dass der Trichter dran bleiben muss, aber ich bin zu schwach dazu. Ich schaffe es nicht, sie zu etwas zu nötigen, was sie so sehr hasst. Erst recht, wenn es ihr nicht gut geht und sie Schmerzen hat. Ein „Beinling“ aus Trikot ist unterwegs. Abschreckende Pflaster mit Bitterstoffen werden kaum funktionieren, da sie Bitteres mag. Ich kann sie gut beaufsichtigen, aber ich muss ja trotzdem mal unter die Dusche. Ich reagiere auch nachts, aber nach einigen Tagen bin ich erfahrungsgemäß so erschöpft, dass ich das Leckgeräusch nicht mehr gleich höre. Wir sind ja Profis, Panini und ich, wir wissen wie es ist, nach OPs. Ich hoffe, es geht alles gut. Keine Infektion bitte. Keine Entzündung. Einfach nur eine Heilung und endlich wieder laufen. Das muss doch diesem Schicksals-Schäuble beizubiegen sein, dass das jetzt einfach so sein sollte. Drückt uns die Daumen. Die OP ist am Mittwoch, dem 10.2.

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Titelbild © Anja von Blumenmond

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10 Kommentare

  • Antworten Maren 7. Februar 2016 um 14:03

    Hallo,
    dass ist ja schade, dass die OP beim 2.Bein nicht geklappt hat. Ja, die richtige OP Methode zu finden, ist wirklich nicht einfach….
    Aber dieses Ansägen oder Verschrauben des Knochens finde ich schrecklich und habe damals 2013 für Summer Kapselraffung mit Bandersatz gewählt und jetzt hat sie nur eine Kapselraffung erhalten. Bislang läuft auch alles in die richtige Richtung. Wir waren schon das erste Mal auf dem Unterwasserlaufband.
    Was wirklich sehr wichtig bei diesen TPLO, dass die ersten Wochen nach der OP der Hund voll geschont wird. Damit der Knochen richtig zusammenwächst.
    Mit Summer (Energiebündel) wäre das wirklich hart geworden.
    Ich drücke euch ganz doll die Daumen!!!
    Maren mit Summer

    • Antworten Heidi 7. Februar 2016 um 15:17

      Danke Maren! Tja, manchmal klappt es eben und manchmal nicht. Im Schonen kennen wir uns aus, wir schonen seit 6 Wochen. 🙁 Aber wenn es bei 50 kg-Hunden klappt, wird es bei uns ja wohl auch irgendwie gehen.

  • Antworten Ella 7. Februar 2016 um 15:32

    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass dies jetzt die richtige Lösung ist und die Heilung ohne Komplikationen verläuft.

    • Antworten Heidi 7. Februar 2016 um 20:41

      Dankeschön Ella!

  • Antworten Blumenmond 8. Februar 2016 um 10:21

    Hallo Heidi,

    meine Gedanken sind bei Dir und dem herzallerliebsten Brötchen. Das wird und muss gut gehen. Irgendwann sind mal alle schlechten Dinge aufgebraucht – Ihr seid auf jeden Fall dran!

    Drücke alle Daumen für die nächste Zeit.

    Gruß
    Anja

  • Antworten frank 13. März 2016 um 17:07

    hey,

    das ist echt traurig, aber lasst den kopf nicht hängen!
    ich wünsche dir und einem hundi alles erdenklich gute und hoffe ihr finden den richtigen weg.
    gute besserung von unserem hund und mir!

  • Antworten Grasgrün 9. Juni 2016 um 12:50

    Hallo!

    Wie geht es denn Panini jetzt? Hat Dr. Fischer alles wieder gut machen können?

    Uns steht auch in ein paar Tagen eine Kreuzband OP mit TPLO ins Haus und ich hab die blanke Panik davor… 🙁

    • Antworten Heidi 11. Juni 2016 um 19:16

      Hallo zurück,
      noch ist nicht alles gut. Obwohl das Bein wieder schön zusammengewachsen ist, kämpfen wir noch, der Hund läuft noch nicht wieder rund. Aber wir arbeiten dran …
      Die TPLO ist schon ein Brocken und die Zeit danach nicht ganz leicht. Aber sie geht vorbei und im nachhinein ging die richtig schwierige Phase doch schnell vorbei. Ich drücke alle Daumen! Don’t panic, alles wird gut gehen.

  • Antworten Alexandra 10. Dezember 2017 um 19:45

    Hallo an alle.Ich habe einen Berner sennen Rüden mit 1,5 Jahren. Wir haben an einem hintetbein einen kompletten kreuzbandriss und am anderen hinterbein einen anriss . Wir sollen laut TA nach der TPLO Methode im Januar die 1. op haben und nach 12 wochen dann fie 2. Op. aber ich möchte ihm das so gerne ersparen weil dies doch eine furchtbare op ist und anschliesend doch der absolute horror ist. Hat jemand Erfahrung über die Lebensqualität für Anton ohne op???

    • Antworten Heidi 10. Dezember 2017 um 20:26

      Hallo Alexandra,
      ich bin kein Arzt und kann deshalb nicht von medizinisch professioneller Warte sprechen, nur aus meinen Erfahrungen. ICH würde einen so jungen und schweren Hund auf jeden Fall operieren lassen! Und zwar mit genau so einer Methode wie die TPLO eine ist, welche hier am besten ist, kann nur ein Arzt entscheiden. Dein Hund schafft das! Mein Hund hat auch eine TPLO geschafft und ich kenne große Hunde, die zwei TPLOs hinter sich haben und die rennen wieder. Natürlich birgt jede OP Risiken, aber ich sehe keine Alternative. Wäre der Hund sehr alt und/oder schwer herzkrank, könnte ich mir Orthesen vorstellen, die die Knie stabilisieren. Das ist aber eine Lösung, wenn es keine andere gibt und der Hund vielleicht noch eine Lebenserwartung von 1-2 Jahren hat. Dein Hund aber hat eine Lebenserwartung von 10+ Jahren und da lohnt sich eine OP natürlich sehr. Unbehandelt wird der Hund eine starke Arthrose in beiden Knien entwickeln und voraussichtlich nur unter Schmerzen gehen können. Mit einer TPLO kann er im besten Fall vollkommen schmerzfrei werden, das ist ohne OP nicht möglich. Die Schonhaltung, die er dann einnimmt, birgt außerdem große Risiken für den Rücken, das heißt, es ist nicht unwahrscheinlich, dass hier später Spondylosen, Bandscheibenvorfälle o.ä. auftreten. Die Fehlbelastung bedeutet auch ein Problem für die Vorderläufe, die er stärker belasten wird. Du siehst, da kommt ein ganzer Rattenschwanz hinterher, den du mit einer OP abwenden kannst. ICH (und das ist wirklich meine persönliche Meinung), würde den Hund schnellstmöglich operieren lassen, damit die Arthrose gar nicht erst loslegen kann. Die OP ist zweifelsohne kein Zuckerschlecken, aber Abertausende von Hunden haben sie gut überstanden! Nach einer TPLO kann der Hund meist in recht kurzer Zeit das Bein wieder belasten, viele marschieren schon auf vier Beinen aus der Klinik und stellen sich schon am Abend beim Pipi-machen drauf. Was ist es, was dir Angst macht? Das Risiko? Das Ruhehalten hinterher? Ihr schafft das! Lasst euch gut beraten, geht in eine Klinik, wo ihr euch 100% wohl und gut aufgehoben fühlt. Wenn ihr die Klinik doof findet, geht woanders hin! Alles Gute für dich und Anton!
      Heidi & Panini

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