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Das undichte Tier.

14. Oktober 2019
Inkontinenz bei Hunden

Einige Tage, nachdem Panini bei mir eingezogen war, bemerkte ich eine nasse Stelle auf ihrer Decke. Mit etwas Phantasie ließen sich dafür mannigfaltige Erklärungen finden. Doch es dauerte nicht lang, bis mir klar wurde: Ich habe mir ein Auslaufmodell angeschafft. Das Brötchen tröpfelte.

Die Forschung nach Ursachen blieb unerquicklich, zumal Paninis Undichtigkeit rätselhaft war. Sie blieb wochenlang komplett trocken, um dann einen Tag mittags ein paar Tropfen zu verlieren, danach blieb sie wieder lange dicht. Andererseits gab es Zeiten, an denen sie jeden Tag auslief, dieses Mal aber hinterließ sie Pfützen. Anders als andere inkontinente Hunde lief sie niemals nachts aus, sondern immer tagsüber im Halbschlaf oder in großer Entspannung. Sie konnte manchmal sechs Stunden problemlos ohne Pinkelpause bleiben, an anderen Tagen musste sie nach einer dreiviertel Stunde schon wieder raus. Manchmal konnte sie die komplette Wasserschüssel leeren und blieb trocken, manchmal waren schon ein paar kräftige Schlucke zu viel und liefen durch. Manchmal wirkten nur Spuren von harntreibenden Kräutern verheerend, manchmal vertrug sie große Mengen ohne Folgen.

Die Ursachenforschung: Warum läuft der Hund aus?

Im Kern meiner Beobachtung standen vor allem zwei mögliche Dinge, die Paninis seltsames Pipisieren beeinflussen. 1. Ihre Spondylose, die an den letzten Wirbeln möglicherweise auf Nerven drückt (Stichwort: Cauda Equina) und 2. Ihr sehr schwaches Bindegewebe, was ihr traurigerweise durch ihre frühe Kastration mit auf den Weg gegeben wurde.

Doch beides brachte mich nicht weiter. Weder die Osteopathie noch die Goldimplantation haben im Hinblick auf die Tröpfelei eine Verbesserung gebracht. Das wäre wahrscheinlich gewesen, wenn Punkt 1 zugetroffen hätte. Und zu Punkt 2: Warum hält das schwache Bindegewebe manchmal dicht und manchmal nicht? Das alles klang nach einer weiteren, sehr typischen Ursache für Inkontinenz bei Hunden: eine Blasenentzündung. Anzeichen gab es dafür allerdings nie. Weder hatte Panini je Schmerzen oder Unwohlsein beim Pipimachen gezeigt, noch gab es jemals sichtbare Spuren von Blut, noch haben ihre Pfützchen streng gerochen. Als ich eines Tages mit einer Schöpfkelle hinter dem Hund herlief, um eine Probe für den Arzt einzufangen, war das Ergebnis mäßig. Ja, ein paar Zellen könnten auf eine Entzündung hindeuten, aber sehr vielversprechend war das nicht. Es gab Kräuter für das Brötchen und der Inhalt der nächsten Kelle war vollkommen einwandfrei. Kein Blut, keine garstigen Bakterien. Doch das Tier tröpfelte weiter mal und mal nicht. Es wurde mir empfohlen, Kürbiskerne und reichlich Hagebuttenschalen zu geben, um den PH-Wert des Pipis in der Balance zu halten. Daraufhin lief Panini jedes Mal komplett aus und ich habe diese Maßnahme verworfen.

Die Inkontinenz-Keule: „Ich kann Ihnen Incurin mitgeben!“

Ich könnte nun einen reichlich ermüdenden Text darüber schreiben, was ich alles ausprobiert habe, um die Lage zu verbessern, aber dann schnarcht ihr mir weg, das muss ja nicht sein. Ich habe ALLE naheliegenden naturheilkundlichen Dinge versucht, wie Kürbiskerne, Kräutermischungen, TCM, klassische Homöopathie, homöopathische Komplexmittel, Akupunktur. Mir wurde mehrfach dazu geraten, einfach Incurin oder Propalin zu verwenden, die Standardmittel für Inkontinenz bei Hunden. Angesichts der langen Liste möglicher Nebenwirkungen erschien mir das unverhältnismäßig. Die Belastung durch die Pieselei war für uns beide überschaubar. Es gibt tolle Einlegedecken für die Körbchen und die Erfindung der Waschmaschine ist ja nun auch schon geraume Zeit her. Wegen der unregelmäßigen paar Tropfen jeden Tag Medikamente geben?

„Ist die läufig?“

Und trotzdem: Auf Herausforderungen den Hund betreffend denke ich gern so lange herum, bis ich eine gute Lösung gefunden habe. Das gilt auch für ein weiteres, rätselhaftes Problem: Panini wurde ständig sexuell belästigt. Wo immer wir hinkamen, wurden die Rüden verrückt. Nun hat mein Tier sehr schöne Augen und ein charmantes Wesen, aber ich fürchte, die Herren Hunde interessierten sich ausschließlich für den Geruch ihres unteren Hinterteils. Panini hasst diese Sorte Interesse an ihr aus vollem Herzen, versteht es aber nicht, sich das liebestolle Volk vom Leib zu halten. Sie knurrt fast nie, geschweige denn, dass sie ihren Widerwillen noch deutlicher zeigt. Sie läuft einfach weg – und der sabbernde Rüde hinterher. Und ich natürlich, weil ich versuche, irgendeinen fremden völlig entfesselten 40 Kilo-Hund von meinem Brötchen fernzuhalten, was schon öfter etwas Mut erforderte. Herrchen oder Frauchen sind so gut wie nie an dem Geschehen interessiert, oder freuen sich offenbar daran, dass wenigstens einer in der Familie einen potenten Eindruck macht. Nur manchmal wurden wir sicherheitshalber gefragt, ob Panini läufig sei, gern auch nachdem ein frei laufender Hund bereits ausgiebig penetrant meine angeleinte Hündin bedrängte.

Eine neue Spur: D-Mannose!

Das wollte ich dringend ändern. Aber wie bloß? Immer wieder dachte ich an einen Zusammenhang zwischen dem Pipisieren und Paninis anziehendem Geruch. Ein Pilz? Eine Entzündung? Aber wo? Sollte ich sie in die Tierklinik zu einer Abklärung mittels Ultraschall bringen? Ich grübelte immer wieder. Bis ich mich entschloss, die Fährte Blasenentzündung wieder aufzunehmen. Was wäre, wenn es eine ganz schwache, weil chronische wäre? Und die Blase darüber chronisch gereizt? Mir fiel auf, dass kein Problem auftrat, wenn Panini einmal etliche Stunden durchgehalten hatte – wohl aber an einem der folgenden Tage. Als würde durch längeres Halten in der Folge eine Entzündung entstehen. Ich beschloss, es mit Cranberry zu versuchen, das hatte ich bislang ausgelassen. Und tatsächlich nahm das Interesse der Rüden ab, wenn auch nur leicht. Tröpfeln kam aber immer noch vor. „Cranberry taugt nichts“, sagte meine Schwester, die Apothekerin ist. „D-Mannose ist viel besser!“. Ich hatte noch nie etwas von D-Mannose gehört. Was ist das? Und dürfen Hunde das überhaupt bekommen? Ich las das Internet leer. D-Mannose ist ein Zucker, aber anders als etwa Xylit für Hunde ungefährlich. Die Zuckermoleküle dienen in der Blase als Shuttle-Service: Bakterien heften sich daran (statt an die Blasenwände) und werden zügig hinausbefördert. Die von Entzündungen oft chronisch gereizte Blasenschleimhaut kann sich nachhaltig regenerieren und wird widerstandsfähiger. Studien bestätigen die Wirkung. Kein Hokuspokus.

Ich kaufte ein sündhaft teures Hundeprodukt (Urinaid), was unter anderem Cranberry und D-Mannose beinhaltet. Panini bekommt es seit fast vier Wochen. In den ersten zwei Wochen gab es einen nassen Fleck, seither nichts mehr. Sie leckt auch nie mehr an sich herum, um Tropfen abzufangen. Mit Ausnahme eines Hundes lassen Rüden sie bislang in Ruhe, auch solche, die ihr früher öfter hinterhergerannt sind. Mein ohnehin ausgeprägter Optimismus wächst von Tag zu Tag. Haben wir die beiden Probleme endlich gelöst? Nach 4,5 Jahren rätseln und probieren? Es wäre wunderbar.

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5 Kommentare

  • Antworten Ines 14. Oktober 2019 um 17:10

    Wie gut, dass Ihr eine Lösung gefunden habt! Ich kenne das von unserem Hund. Davon abgesehen, dass er zu Blasenentzündungen bei zu basischen PH-Wert im Urin neigt, dann läuft er aber komplett (!) aus, hat er dieses Gedröppel bis hin zu kleinen Pfützen unter sich bei totaler Entspannung oder Aufregung (in der Küche vorm Füttern zum Beispiel). Die TA sagte, dass da oft ein nicht erklärbarer Zusammenhang mit einer Schilddrüsenunterfunktion besteht. Hunde, bei denen ein bestimmter Schilddrüsenwert zu niedrig ist, dröppeln oft. Und siehe da: Bei unserem Hund war der Wert viel zu gering. Jetzt bekommt er das Hormon dafür 2 x täglich als Tabletten (gibt es in aromatisiert, nimmt er wie ein Leckerli) und das Problem ist zu 95 % weg. Lästig war am Anfang nur die regelmäßige Blutkontrolle. Aber jetzt ist er gut eingestellt und das Fell wurde zudem im Zugucken schöner. Wir wussten gar nicht, was der Tierheimzausel für schönes Fell bekommen kann.

    Alles Gute für Euch!

    • Antworten Heidi 14. Oktober 2019 um 19:44

      Das ist ja mal wieder total spannend! Panini hat auch eine schwächelnde Schilddrüse, das haben wir aber gut im Griff und es war nicht heftig genug für Hormone. Seeehr interessant … 🙂

  • Antworten Socke-nHalterin 14. Oktober 2019 um 19:09

    Liebe Heidi,
    ich finde es gut, dass Du so offen über das Problem schreibst.

    Ich habe Deinen Artikel sofort an eine liebe Freundin weitergeleitet. Vielleicht kann Sie etwas aus Deinem Artikel für ihre Fellnase ziehen.

    Alles Gute für Euch und viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • Antworten Heidi 14. Oktober 2019 um 19:47

    Hallo Sabine,
    das wäre toll, wenn der Artikel auch anderen helfen kann. Deshalb schreibe ich es ja auch auf…
    Liebe Grüße, auch an die coole Socke!

  • Antworten Ina 20. Oktober 2019 um 23:12

    Danke für diesen tollen Tipp! Ich werde das auch gleich mal ausprobieren. Werde mich aber für die günstigere Variante aus dem Drogeriemarkt entscheiden. Der Wirkstoff ist da ja auch drin.

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