Drinnen

Kontaktliegen.

13. Juni 2018
Kontaktliegen

Kontaktliegen ist ein komischer Begriff. Er bezeichnet nicht etwa die Liegeflächen eines besonders engen Solariums, das den Besucher wie ein Kontaktgrill zwischen Ober- und Unterteil klemmt. Er meint auch nichts Sexuelles. Kontaktliegen ist vielmehr eines der zahlreichen Hobbys des Hundes, eine Art Spezialdisziplin des Liegens. Wenn der Hund von einer Sache wirklich etwas versteht, dann ist es das Liegen. Im Rahmen liegender Tätigkeiten kann er eine ungeheure Bandbreite anbieten: Im Weg herumliegen; liegen bleiben, wenn man ihn ruft; auf dem Rücken liegen, um den Bauch als Handschmeichler darzureichen; auf fremden Beinen liegen, bis dort die Blutzufuhr stoppt – der Hund kennt alle Farben und Formen des Liegens genau. So eben auch das Kontaktliegen. Anders als für viele andere Liegeformen braucht er dazu ein zweites Wesen, das seine Liegeleidenschaft teilt. Hund, Katze, Hamster, Mensch, egal. Hat er ein solches Wesen gefunden, drückt er seinen Körper an den anderen und heizt die Körperstelle, die er zum Andocken ausgewählt hat, in Windeseile auf 48 Grad hoch. Ich weiß das, denn ich liege oft mit meinem Hund Kontakt.

Kontaktliegen ist toll für die Bindung. Das sagen zumindest Hundeexperten. Ich bin keiner. Mir sind diese ganzen Hundebegriffe mit –ung ein bisschen suspekt. Bindung. Unterordnung. Auslastung. Fellwechselung. (Treffen sich zwei chinesische Hunde. Sagt der eine zum anderen: Nein, ich bin es nicht, del hiel so haalt. Es muss sich da um eine “Fellwechselung” handeln. Hahaha. Riesenwitz.) Zurück zur Bindung. Man muss so etwas unbedingt haben, sonst hört der Hund nicht. Nur wenn der Hund sich gebunden fühlt wie eine Kohlroulade, kommt er, wenn man ihn ruft. Deshalb muss man Kontaktliegen.

Von alledem hatte ich keine Ahnung, ich habe erst später davon gelesen, nachdem ich schon mehrere Stunden kontaktliegend verbracht habe. Es ergab sich einfach so. Ich mag es, wie mein Tier riecht, sofern es sich nicht gerade in Fuchsverdauung gewälzt hat. Ich mag es auch, wie sich mein Tier anfühlt. Genau genommen hat mein Tier nur einen einzigen Haken: Es ist so klein, dass man immer zu ihm hinunter muss. Wenn es liegt, ist es sogar noch kleiner. Nun könnte man sich natürlich gebückt wie Quasimodo durch die Wohnung bewegen, um den Hund jederzeit anfassen und riechen zu können. Das habe ich anfangs versucht. Es geht enorm auf die eigenen Bandscheiben. Besser ist es, man begibt sich gleich ganz auf Augenhöhe.

Das motiviert auch fürs Staubsaugen, sofern man nicht dauernd herumlaufen will wie geteert und gefedert. Wo das Tier liegt (und es liegt ja überall), verliert es Haare. Ich sauge also rasch einen Staubbeutel voll, (den man in Schmuckschatullen verkaufen sollte, damit die Verpackung besser zu den Kosten passt) und lege mich dazu. Manchmal. Auch umgekehrt ist es denkbar. Ich liege irgendwo herum und der Hund schiebt sich an mich. Wahrscheinlich, weil er mich binden will, damit ich höre. Das Tier ist klug, das macht nichts ohne tieferen Sinn. Es kennt auch Dinge, die in keinen Hundelehrbüchern stehen. Zum Beispiel Kontaktsitzen, bei dem es sich auf fremde Füße setzt. Oder Kontaktessen, Kontaktschlafen oder Kontaktfernsehen. Das Tier mag einfach Kontakt.

Ich bin eigentlich gar nicht so der Kontakttyp. Mein erwünschter Nichtkontakt-Radius ist eher üppig. Panini hat nie darauf Rücksicht genommen und jetzt haben wir den Salat. Ich robbe auf dem Teppich herum, weil mir 1,20 Meter Abstand zum Tier viel zu groß erscheinen. Sobald ich Kontakt habe, geht es mir wie meinem Handy, wenn es Kontakt zum Kabel hat: Ich lade auf. Das Tier ist meine persönliche Power Bank. Sein Herz ist aus Gold – edel, korrosionsbeständig und enorm leitfähig. Und deshalb eben wohl ganz besonders gut für Kontakte geeignet.

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6 Kommentare

  • Antworten Petra Heilmann 13. Juni 2018 um 20:08

    Besser hätte man das Kontaktliegen beim Hund definitiv nicht beschreiben können. Sehr erfrischend und sooo wahr.

  • Antworten Lisa 13. Juni 2018 um 21:19

    Hach, wieder einmal so herrlich geschrieben!!! 🙂

  • Antworten Regina 13. Juni 2018 um 21:54

    Ich habe des Öfteren 2 Power Bänke gleichzeitig. Das ist sagenhaft! Oxytocin für alle!
    Toll geschrieben Frau Schmitt!

  • Antworten Menschin 13. Juni 2018 um 22:38

    Kontaktliegen ist toll. Leider mit Tiffi nicht ganz einfach. Es macht ihr erstmal Angst, wenn ich mich zu ihr auf den Boden lege. Erst mit viel Kraulen und rumblödeln kann ich sie überzeugen. Irgendwann kippt sie dann einfach in meine Richtung oder legt den Kopf auf meinen Bauch.
    Aber ich bleibe geduldig und fange jeden Abend von vorne an. Irgendwann kommt sicher der Zeitpunkt an dem sie nicht mehr erschrickt, wenn ich mich zu ihr lege.

    Grüße,
    Karen und Tiffi

  • Antworten Yvonne 14. Juni 2018 um 8:32

    Grandios beschrieben, liebe Heidi, vielen Dank für diesen herzöffnenden Text!
    Ich bleib jetzt weiter bei meinen beiden Fellnasen liegen, und genieße. 🙂
    Liebe Grüße,
    Yvonne plus(heute) 4

  • Antworten Christine 14. Juni 2018 um 19:19

    Ich hab so gelacht bei der Beschreibung – so toll geschrieben und so wahr! 🙂

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