Drinnen

Tierschutzhunde im Internet – 5 Anzeigen-Ärgernisse.

16. Oktober 2016

Bevor Panini einzog, habe ich monatelang die Homepages von Tierschutzorganisationen durchforstet und mich auch viel auf Vermittlungsplattformen wie dem Zergportal herumgetrieben. Parship für Hunde sozusagen. Sehr bald habe ich einen großen Überdruss entwickelt und viele Anzeigen nach den ersten Worten weggeklickt. Gut möglich, dass sich dahinter die zauberhaftesten Hunde verborgen haben. Das ist bedauerlich. Doch das eigentlich Schlimme daran ist nicht, dass mich die Anzeigen nicht angesprochen haben. Das Fatale ist, dass gerade diese Texte manche Menschen besonders ansprechen. Vor allem solche, die den Verstand bei der Hundeanschaffung zuhause lassen. Und genau für diese Sorte Hundehalter sind diese Anzeigen auch gemacht.

Aber warum sollte mich das stören? Es kann ja jeder die Beschreibungen finden, die ihm aussagekräftig genug erscheinen. Hauptsache, die Hunde werden vermittelt. Oder etwa nicht? Ich finde, es ist dann nicht egal, wenn falsche Erwartungen geweckt werden. Wenn wichtige Angaben fehlen. Wenn es nur noch um Gefühle und nicht mehr um Fakten gehen soll. Denn dann wächst die Gefahr, dass Hund und Halter kein Traumpaar werden und der Hund möglicherweise bald wieder hinter Gittern landet. Dieses Mal in Deutschland.

Hauptsache wieder einer raus.

Es mutet seltsam an, dass ich hier ausgerechnet diejenigen kritisiere, die so vieles tun, um Tieren ein Zuhause verschaffen, die sich oft bis zur Erschöpfung für den Tierschutz engagieren und Tag für Tag großes Leid aushalten. Doch der Zweck darf die Mittel schon deshalb nicht heiligen, weil er unter Umständen nur vordergründig erfüllt wird. Nicht mit jeder „Hund sucht Familie“ Anzeige wird dem Hund gedient. Oft hatte ich beim Lesen der Anzeigen den Eindruck, dass es überhaupt nicht um den einzelnen Hund geht. Es geht nur um die Menge, darum dass man sagen kann: Hauptsache wieder einer raus. Die Hunde, so scheint es, werden mit der Zeit überhaupt nicht mehr als Individuen angesehen. Aber vielleicht ist es ja so, wenn man im Tierschutz arbeitet. Irgendwann hat man so viel Hundeelend gesehen, dass es nur noch um das Prinzip „Hund braucht zuhause“ geht, nicht mehr um das einzelne Tier. Was ich meine, habe ich in 5 Ärgernisse unterteilt.

Ärgernis 1: Copy & Paste

Natürlich ist eine Tierschutzorganisation keine Werbeagentur, die für jeden Hund ein eigenes Marketingkonzept entwickeln kann. Das ist auch überhaupt nicht nötig. Aber muss es denn wirklich sein, dass fast alle Hunde einen weitgehend identischen Text haben? Dass der Hund gern ein Zuhause hätte, da wäre ich auch ohne Text drauf gekommen. Welche Eigenarten hat der Hund? Was weiß man über ihn? Wenn man Glück hat, gibt es drei Zeilen, die das Tier „individuell“ beschreiben. Da kann man dann lesen, dass der Hund gern ein Bällchen rollt. Oder einen Kumpel im Zwinger hat. Super. Ansonsten geht Copy & Paste meist Hand in Hand mit Ärgernis Nr. 2.

Ärgernis 2: Heiße Luft

Es kommt oft vor: Der Text ist verhältnismäßig lang und es steht nichts drin. Blablabla möchte seine Vergangenheit vergessen blablabla ein warmes Körbchen blabla schönes Zuhause blub blub, Hände, die ihn streicheln blubber. Ich werde regelrecht ärgerlich, wenn ich so etwas lese, zumindest, wenn sonst nichts Konkreteres dabei steht. Die Heiße Luft geht oft einher mit Ärgernis Nr. 3.

Ärgernis 3: Die Tränendrüse

Ja, ich weiß. In der Vermittlung MUSS mit Emotionen gearbeitet werden, sie sind der Schmierstoff für den Vermittlungsmotor und das ist auch nichts Schlimmes. Wenn aber wichtige Angaben zum Tier fehlen, stattdessen nur das oben genannte Geblubber dasteht und das auch noch in Verbindung mit emotionaler Erpressung, dann werde ich sauer, weil das kein Hund verdient hat. „Wer diesem kleinen Kerl in seine treuen Augen schaut, kann ganz tief in seine Hundeseele sehen. Was mag er Unvorstellbares erlebt haben? Wie viel Hunger und Leid musste er erdulden? Jetzt ist er hier in Sicherheit und wir werden alles tun, um ihm seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen …..“ Die Tränendrüse mit Verblödungseffekt ist Ärgernis Nr. 4.

Ärgernis 4: Beschreibungen in Ich-Form

„Seit Monaten sitze ich nun hier im Zwinger und halte nach Dir Ausschau. Was muss ich tun, um Dein Herz zu erobern? Ich bin garantiert pflegeleicht und belle auch ganz wenig. Ehrenwort! Alles, was ich will, ist ein warmes Körbchen und ein paar Streicheleinheiten …“ Wer ist denn hier die Zielgruppe? 8-Jährige oder verantwortungsvolle Hundebesitzer?? Dieses Ärgernis ist oft kombiniert mit Ärgernis Nr. 5, in meinen Augen das größte von allen.

Ärgernis 5: Der bescheidene Hund

Diese Art Beschreibung hat mich besonders genervt, weil sie zu verhängnisvollen Fehlentscheidungen führen kann. Und dem Hund garantiert nicht gerecht wird. Dabei wird der Aufwand der Hundehaltung schön geredet und betont, wie anspruchslos der Hund ist. Er braucht „nur ab und zu ein paar Streicheleinheiten“, „einmal am Tag einen schönen großen Spaziergang“, „regelmäßig einen vollen Napf“. Nur, nur, nur. Da steht nicht, dass der Hund mit Milben und Darmparasiten einzieht, eine Schilddrüsenunterfunktion, Arthrose und ED hat, mit Rüden absolut unverträglich ist und schlecht allein sein kann. Ganz davon abgesehen, dass jeder Hund mehr braucht als einen vollen Napf. Diese Beschreibungen sind vollkommen verantwortungslos. Sie werden besonders oft bei Hundesenioren angewendet, die angeboten werden wie Sauerbier. Weil sie alt sind, so wird suggeriert, haben sie kaum noch Ansprüche. Was passiert, wenn der so vermittelte Hund erhebliche (medizinische) Bedürfnisse hat? Wenn er streng riecht und eine Zahnsanierung braucht? Ab damit an die Autobahnraststätte?

Und dann gibt es noch ein Extra-Ärgernis für mich. Das ist zwar nicht verantwortungslos, aber dennoch bestens geeignet, eine Adoption zu verhindern.

Das extra Ärgernis: Miese Fotos

Natürlich fehlt es immer an Zeit, wenn Tierschutzorganisationen vor Ort in den Tierheimen sind. Natürlich sind manche Hunde sehr unruhig oder ängstlich und deshalb keine guten Models. Und natürlich sind Tierschützer auch keine Fotografen und die Lichtverhältnisse oft blöd. Aber heute sind fast alle guten Smartphones in der Lage, ordentliche Fotos zu machen und es gibt Bildbearbeitungsprogramme, mit denen auch Laien mit wenigen Handgriffen und in wenigen Minuten die Bilder korrigieren können. Hundebilder müssen nicht verwackelt oder düster sein, Hunde müssen keine vom Blitz grünen Augen haben und die Fotos dürfen im Jahr 2016 auch größer sein als 15 KB. Noch immer findet man oft Bilder von Hunden in der Vermittlung, die diese dick, gefährlich, hässlich oder alt aussehen lassen ohne, dass sie es sind. Und das sogar dann, wenn die Tiere direkt, also ohne persönliches Kennenlernen adoptiert werden sollen. Ich habe nie verstanden, weshalb man auf der einen Seite textlich auf die Tränendrüsen drückt, aber die einfachste und naheliegendste Chance, ein emotionales Band zu knüpfen, nämlich ein Foto, ungenutzt lässt.

Für die meisten Menschen, die einen Tierschutzhund im Internet suchen, ist das Surfen durch die Vermitttlungsanzeigen eine emotionale Achterbahnfahrt. Für den einen, den man nimmt, muss man tausende zurücklassen. Man filtert nach Optik, Größe, Alter und fühlt sich schlecht dabei, Lebewesen, die man nicht kennt, überhaupt zu kategorisieren. Ich habe mich manchmal gefühlt, wie einer dieser dubiosen Männer, die sich eine Thai-Frau per Katalog suchen. Aber dennoch: Ich muss mich bewerben, einen Bogen ausfüllen, in dem ich detaillierte Angaben mache. Ich muss mitteilen, wo und wie lange ich Gassi gehen kann, wer im Falle meiner Krankheit auf den Hund aufpasst, wie alt mein früherer Hund wurde und woran er starb. Ich muss detaillierte Angaben machen. Für die Organisation scheint das manchmal nicht zu gelten. Das ist unfair den potentiellen Hundehaltern und vor allem dem Hund gegenüber. Zum Glück sind nicht alle so. Wie es anders gehen kann, zeigen z.B. die Beschreibungen von Tiere in Not in Berlin, die schönen Fotos vom Tierschutzverein Santorini und viele andere.

Bild: Giovanniliaone – istockphoto.de

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15 Kommentare

  • Antworten Genki & Co 16. Oktober 2016 um 16:57

    Ich gebe dir in allen Punkten recht, wobei ich denke, gerade bei Auslandshunden ist oft nicht wirklich viel zu den Hunden zu sagen und irgendwas muss man doch schreiben.
    Was mich aber noch viel mehr stört, sind Verharmlosungen, Beschönungen oder gar das Verheimlichen eigentlicher Tatsachen bis hin zu Lügen. Ich kenne selbst jemanden, der eine Weile im Auslandstierschutz gearbeitet hat, der mir zB erzählt hat, dass bei ihnen pauschal bei allen Hunden “mit Katzen verträglich” in die Beschreibung geschrieben wurde, wenn der Hund es geschafft hat am Katzengehäge vorbeizugehen, ohne eine Katze zu töten. Klar kann man in einem Tierheim, gerade in einigen Auslandstierheimen mit 50+ Hunden, nicht unbedingt bei jedem Hund testen, wie er sich mit einer Katze “ohne Gitter” den vertragen würde und kennt zu vielen Hunden die Geschichte auch garnicht. Dann kann man aber auch ehrlich schreiben, dass die Verträglichkeit mit Katzen nicht bekannt ist.
    Was hat denn der Hund oder Halter davon, wenn man sich einen Hund mit ganz falschen Erwartungen geholt hat und es dann eben aufgrund dessen nicht klappt? Der Hund spielt eine weitere Runde Besitzerkarusell, geholfen ist keinem, höchstens dem Tierheim, das nun einen Platz frei hat – Ist das im Sinne des Hundes?
    Letztens habe ich einen Aufruf auf Facebook gesehen – Da wurde ein Zuhause für einen Junghund gesucht. Dieser war wohl aus dem Ausland über der Tierschutz nach Deutschland vermittelt worden und nach einem Tag sollte er wieder weg und ein neues Zuhause wurde gesucht. Mehr als die neuen Besitzer seien mit dem Hund “überfordert” gewesen stand da nicht, aber dafür er Hinweis, dass alle “negativen Kommentare, die die Vermittlung behindern” gelöscht werden. Was also genau ist da vorgefallen? Wieso wird da nicht mit klaren Worten kommuniziert?
    Bevor ich mir Genki geholt habe, habe ich auch lange nach einem Hund “aus zweiter Hand” gesucht. Ich war da auch in einer Vermittlungsgruppe für Bulldoggen auf Facebook. Auch dort wurden alle Kommentare, die den betreffenden Hund irgendwie “negativ” aussehen lassen könnten gelöscht. Ein persönliches unschönes Highlight, das mir in Erinnerung geblieben ist, war eine Bulldoggenhündin aus dem Ausland, die vermittelt werden soll. “Uhm, die ‘Hündin’ hat auf dem Foto aber ganz eindeutig Hoden”, merkte ein Gruppenmitglied an – Bam, da gab es sofort Rüge, diese Unklarheit wäre der Vermittlung jetzt hinderlich und der Kommentar wurde gelöscht. Da denke ich nur noch “Hallo, geht’s noch?”.
    Natürlich wünschen wir uns alle, dass all diese Hunde – egal ob Rüde, Hündin, mit problematischen Verhalten, Katzenunverträglichkeit etc. ein Zuhause finden. Aber Leute, die sich einen Hund aus dem Tierschutz holen, haben auch grobe Vorstellungen und Wünsche oder auch Rahmenbedingungen (Katzen, Kinder, andere Hunde), die eingehalten werden sollten. Sie wollen ja auch nicht Irgendwas, hauptsache es hat 4 Beine.

  • Antworten Heidi 16. Oktober 2016 um 17:50

    Kommentare, die die Vermittlung behindern werden gelöscht? Wow. Absurd. “Tierliebe” nimmt da wirklich manchmal seltsame Formen an.

  • Antworten Camilla 17. Oktober 2016 um 23:07

    Seit fünf Monaten lebt bei und mit uns ein Hund aus dem Tierschutz. Unsere Beziehung entwickelt sich sehr schön, aber ich kann nicht sagen, dass das ganze völlig unproblematisch ist. Der Hund hat eine Geschichte, sicher keine einfache, – und das merkt man. Man muss sich sehr bemühen und sich mit der ganzen Problematik auseinandersetzen um z.B. zu verstehen, warum er aus Angst heraus manchmal merkwürdig reagiert. Es wird besser, und wir sind ganz glücklich mit ihm, aber ich kümmere mich wirklich extrem viel darum, denke mich sehr in ihn hinein (manchmal glaube ich schon, ich sehe die Welt nur noch durch Hundeaugen 😉 ) damit er mehr und mehr entspannen kann und habe mir auch Hilfe gesucht. Das ist auch alles in Ordnung. Was mich nur aufregt – genau wie du schreibst – sind diese Beschreibungen der Hunde aus dem Tierschutz, die glauben lassen, dass das Zusammenfinden und -leben mit Tierschutz-Hunden total easy sei. Ich kann dazu nur sagen, dass er mein zweiter Hund ist und ich inzwischen doch ein bisschen Erfahrung habe … Wäre er mein erster Hund gewesen … – ich wäre sicher überfordert gewesen.

  • Antworten pia-von-holten.de 19. Oktober 2016 um 11:21

    Wow, dass finde ich doch schon sehr krass, wie du das beschrieben hast. Das bei Hunden oft das gleiche steht, ist mir auch schon aufgefallen und die Sache mit den Bildern habe ich auch nie wirklich verstanden. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass durch ein schönes Bild die Hunde viel mehr Vermittlungschancen hätten. Wobei wenn keine negativen Dinge über die Hunde steht, dann kommt spätestens wenn sie adoptiert werden die Wahrheit ans Licht. Das war zum Beispiel bei einem Nachbarshund von mir der Fall. Die Besitzer wollten einen zweiten Kuvaz haben. In der Anzeige wurde sie als sehr jung und top gesund beschrieben, als die Hündin dann angekommen ist, zeigte sich dann leider das komplette Gegenteil. Sie ist gerade einmal 10 Monate alt und hat hochgradig schwere HD und könnte ohne Schmerztaletten gar nicht mehr laufen.

  • Antworten Hundetyp 30. Oktober 2016 um 15:46

    Also im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten. Man holt sich einen Hund aus dem Tierheim, denn die sind überfüllt, noch dazu weil immer mehr Hunde gerettet/importiert werden. Oder man sucht sich einen SERIÖSEN Züchter. Alleine was unseriöse Züchter an Erbkrankheiten etc. weitergeben, ist nicht mehr feierlich.

  • Antworten Christoph 29. Juni 2017 um 23:18

    Auch wenn der Beitrag schon ein paar Monate alt ist, meiner Meinung nach ist er immer noch aktuell und wird auch noch sehr lange aktuell bleiben. Wir haben 2013 einen Angsthund aus dem spanischen Tierschutz adoptiert. Die Beschreibung von Telmo war sehr emotional, dir wahrscheinlich zu emotional. Die Fotos waren gut (das Problem steht im Übrigen meistens hinter der Kamera aber bitte kein Smartphone, damit habe ich beruflich leider zu oft zu tun) und wir konnten lesen, er hatte seit seiner Geburt (Feb. 2012) mit 25 anderen Hunden auf einem fluchtsicher abgeschlossenen Areal gelebt ohne ausreichend verpflegt zu werden. Wir hatten ebenfalls gelesen, dass die Hunde auch auf Grund von Misshandlungen durch die dortigen Arbeiter so ängstlich waren, dass sie mit Käfigfallen eingefangen werden mussten, was 1 Woche gedauert hatte. Trotzdem hatten wir uns ganz bewusst für ihn entschieden, wir wollten einen Hund der keine guten Vermittlungschancen hat. Ein Punkt den du kritisierst ist der Gesundheitszustand. Ungezieferbefall ist sichtbar und seriöse Organisationen unternehmen etwas dagegen bevor der Hund zu den Adoptanten kommt. Was aber ein Problem sein kann, sind versteckte Gesundheitsprobleme oder Verletzungen. 2013 ist Telmo zu uns gekommen und erst 2016 hatte sich herausgestellt, dass er eine Verletzung hatte. Bei ihm musste eine Femurkopf-Resektion vorgenommen werden. Laut Tierklinik muss er schon als Welpe einen harten Schlag oder Tritt bekommen haben wodurch es zu Knochenabsplitterungen des Femurkopfes gekommen ist. Die Knochensplitter hatten dann in der Hüftpfanne wie ein “Hobel” gewirkt (Zitat Tierklinik). Daher kannte er kein Leben ohne Schmerzen und hat sie auch nicht gezeigt. Für solche versteckten Verletzungen kann man weder die Tierschutzorganisation in Spanien noch die vermittelnde Organisation in Deutschland verantwortlich machen.
    Vorkontrollen finde ich absolut notwendig und dabei darf es auf keinen Fall darum gehen, den Hund um jeden Preis zu vermitteln, ganz im Gegenteil. Ich kann nur für die Organisation sprechen für die ich Vorkontrollen mache. Ich möchte verhindern, dass Hunde die einmal adoptiert wurden wieder zurückgegeben werden. Menschen die noch nie einen Hund hatten, sich aber für einen Herdenschutzhund interessieren, sorry, keine Chance. 8. Stock ohne Aufzug und einen 30-kg Hundesenior mit HD adoptieren wollen? Auch hier, sorry, ist nicht. Worüber ich mich aber immer wundere, möchte ich wissen welche Fragen die potentiellen Adoptanten haben, heißt es häufig nur, wann bekommen wir den Hund. Auch in so einem Fall werde ich skeptisch, keine Fragen zum Hund, keine Fragen zu unserer Organisation, nur wissen wollen wann der Vierbeiner kommt? Wir sind kein Internetshop in dem man schnell etwas bestellen (und bei Nichtgefallen schnell wieder zurückgeben) kann, ganz nach dem Motto, Artikel ist vorrätig Lieferung innerhalb von 2 Werktagen. Wenn etwas schief läuft, egal durch wessen Versäumnis geht es immer zu Lasten des betreffenden Hundes und mittel- und längerfristig auch zu Lasten aller Hunde die im In- und Ausland in den Tierheimen sind. Genau deshalb sollte jeder unseriös arbeitenden Organisation die Gemeinnützigkeit entzogen werden.
    Viele Grüße vom Rhein, Christoph

  • Antworten Wonderstar 7. Juli 2017 um 6:59

    Ins Schwarze getroffen ! Mit jedem Satz. Und weil “gut gemeint” nicht dasselbe ist wie “gut gemacht” ! In einer Welt, in der digitale kleine bunte Blubberspielchen oder virtuelle Bauernhöfe auf dem Smartphone mit virtuell bitte pünktlich zu giessenden Tomaten (die man dann virtuell erntet..) für erwachsene Leute eine große Rolle zu spielen scheinen, wundert es nicht, dass auch die Verkaufssprache eine Blubber- und Blabla-Wendung erfährt. Gerichtet an den Teil des für Affektverhalten verantwortlichen limbischen Systems im Gehirn, von dem man weiss, dass es ja bei allen vorhanden ist. Bei Entscheidungen, die eine Verantwortungsübernahme für einen Hund für die nächsten (15 und mehr) Jahre bedeuten können, steigt mit zunehmender Romantisierung die Verblendungs- und Verdummungsgefahr. Besonders offensichtlich bei einem Verein, der reinrassige Jagdhunde aus Südeuropa in großen Mengen nach Deutschland karrt nach dem Motto: Masse ist klasse!). Dass es Orgas gibt, die bestimmten Rassehunden in Not helfen, ist grundsätzlich richtig, wenn die Beschreibung der Hunde denn nach Charakter und Veranlagung erfolgt, gerne auch mit den “Baustellen” des Hundes. Die muss man aber erst einmal kennen, was bei einer Direktadoption schlichtweg nicht möglich ist. Und wehe, so ein Hund, nachdem er nun “sehnsüchtig auf gepackten Koffern mit einem Schreiben von geretteten Freunden” da saß, trabt nun nach der Übernahme nicht dankbar zum neuen Besitzer aufblickend in den Sonnenuntergang.. Da droht schnell die Überforderung bei dem Versuch der (Re)Sozialisierung des Hundes. Aber dann gibt man ihn eben zurück und ausserdem ist da ja noch die bekannte Kleinanzeigen-Seite…

  • Antworten missmarple 7. Juli 2017 um 10:26

    Hallo,
    in vielen Punkten kann ich zustimmen, aber ich verstehe den Ansatz nicht wirklich. Der Interessent macht doch auch eine Menge Dinge, die total mies sind.
    Will man einen Auslandshund, weil man sich selber besser findet, wenn man einen Hund “vor dem Tod gerettet” hat? Hier in D gibt es doch auch so viele tolle Hunde in Tierheimen. Die kann man sich anschauen, Probegassigehen und den schon eventuell vorhandenden Hund auch einbeziehen.
    Aber viele Interessenten gehen nach der Optik und nicht danach, was die Familie als Zeit aufbringen könnte.
    Das allergrößte Unglück für die Auslandshunde sind meiner nach die Erwartungshaltungen an das Tier.
    Ist denn nicht jedem Interessenten eines Auslandshundes klar, dass diese Tiere eine Geschichte mitbringen ( und zwar eine, die die Tierschützer vor Ort gar nicht kennen können)? Was erwarte ich von einem Hund, der Menschen als Bedrohungen ansieht, Halsbänder als erstickende Schlingen oder jedes Bücken einem Wurfgeschoss zugeordent wird? Man muss sich darauf einlassen, gucken was positiv zu verändern ist und auch mal was hinnehmen. Wer das nicht kann, sollte allenfalls einen Junghund ( der von Welpenbeinen an im Tierschutz ist) übernehmen. Da gibt es ganz einfach zu führende Tiere. Und wer das nicht glaubt, dem kann ich das bei 13 übernommenen Auslandshunden gerne beschreiben. Derzeit habe ich 3 und die kommen mit Kleinkindern und anderen Haustieren bestens klar. Klar einige haben Macken ( wie ich übrigens auch), aber sie sind nicht weniger liebenswert.
    Die Erwartungshaltung der Menschen macht es diesen Tieren so schwer.
    Für mich wird es immer nur Hunde aus dem Tierschutz und sicher aus dem Ausland geben.

    • Antworten Heidi 7. Juli 2017 um 11:53

      Der Artikel hat ein klar umgrenztes Thema und kann sich natürlich nicht mit allen Aspekten rund um Tierschutzhunde beschäftigen. Übrigens: Ich hätte als alleinstehende berufstätige Frau in einer Etagenwohnung keinen Tierheimhund bekommen.

      • Antworten missmarple 7. Juli 2017 um 12:30

        Wer vollberufstätig ist, sollte auch keinen Hund bekommen. Hunde sind sehr soziale Tiere und 8 bzw ( An- und Rückfahrt dazu gerechnet) 9 Stunden alleine für ein Tier, ist sicher nicht erstrebenswert. Einen Herdenschutzhund würde ich z.B. auch nicht in eine Etagenwohnung vermitteln und einen, der Probleme mit den Gelenken hat oder schnell bekommen kann auch nicht. So eine Vermittlung ist doch schon sehr vielschichtig. Generell wurde aber bei einer Berufstätigkeit mit einer Abwesneheit bis zu 5 Stunden kein Hindernis sein. Und auch für die Etagenwohnung gibt es geeignete Hunde.

        • Antworten Heidi 7. Juli 2017 um 12:38

          Ich bin selbstständig und der Hund ist die meiste Zeit an meiner Seite. Es gibt nicht wenige Tage, da sind wir 24 Stunden zusammen. Das juckt aber das Tierheim nicht. Mein Hund hat Probleme mit den Gelenken. Ist es etwa der falsche Hund für mich? Die Tierheime hier sind voll mit großen, schwer vermittelbaren Hunden und mit Listenhunden. Der kleine Familienhund geht IMMER an die Familie mit dem Häuschen im Grünen. Ob der Hund dann immer nur zum Pipi in den Garten gelassen wird, der Hund viel allein ist und eher mitlaufen muss, weil andere Dinge mehr Priorität haben – geschenkt.

      • Antworten Sylke 8. Juli 2017 um 10:05

        Hallo Heidi,

        doch hättest Du – das kommt dann allerdings auf den Verein an. Und auf den Hund. Man muss sich die Mühe machen, beide gezielt zu suchen. Auch wenn man schnell von den Anzeigen genervt ist. Ich kenne eine ganze Latte von Vereinen, die quasi auf ihren Hunden “sitzen”, weil sie grundehrliche Anzeigen ins Internet setzen, die aber schlichtweg die wenigsten so interessieren.
        Die Vermittlungen die Du beschreibst, sind meist welche, bei denen der entsprechende Vermittler/die entsprechende Vermittlerin den Hund nie gesehen hat und das ganze quasi vom grünen Tisch aus organisiert. Das ergibt dann auch pauschalisierte Beschreibungen, die Ansprüche an den neuen Besitzer sind ebenso pauschal. Alles schön nach Muster F. So eine pauschale Aussage wie “ich als alleinstehende berufstätige Frau ….” etc.pp. finde ich in diesem Kontext sehr schade.
        Aber dann gibt es wie schon geschrieben noch die anderen. Die kennen ihre Hunde, wissen womit sie zurecht kommen und womit halt nicht.

        • Antworten Heidi 8. Juli 2017 um 11:28

          Das ist keine pauschale Aussage von mir, sondern meine Erfahrung. Genau das haben mir Tierschutzvereine und Tierheime gesagt. Dazu haben mir noch einige Tierschutzvereine mitgeteilt, dass sie grundsätzlich nicht in Städte vermitteln, andere, dass sie grundsätzlich nicht in Etagenwohnungen vermitteln. Das, was ich beschrieben habe, betrifft sowohl Direktadoptionen als auch Adoptionen aus Pflegestellen. Das ist, meiner Erfahrung nach, die Mehrheit. Ich habe mindestens 70 Webseiten von Tierschutzorganisationen besucht, wenn nicht mehr. Ich habe sehr intensiv nach einem passenden Hund gesucht. Ich habe mir viel “Mühe gemacht”, viel telefoniert, mit Orgas, mit Pflegestellen. Deshalb spreche ich so “pauschal”. Ich habe in dem Artikel auch deutlich gemacht, dass es auch anders geht. Doch das ist nicht die Mehrheit. Man muss die Wahrheit auch ruhig mal aushalten können.

          • Christoph 10. Juli 2017 um 10:12

            70 Webseiten besucht?! Bei welchen merkwürdigen Orgas bist du gelandet, bzw. welche außerirdische Suchmaschine hast du benutzt (sorry, nicht böse gemeint)? Ich mache seit mehreren Jahren Vorkontrollen und würde nie auf die Idee kommen, eine mögliche Adoption pauschal auszuschließen nur weil die betreffende Person alleinstehend und berufstätig ist. Viel wichtiger ist die Frage, wie lange der Hund allein bleiben muss/soll. Auch den nicht vorhandenen Garten als Ausschlusskriterium zu sehen ist völliger Blödsinn. Was nutzt dem Hund der evtl. vorhandene Garten, wenn der neue Halter einen Herzinfarkt bekommen würde, nur weil der Vierbeiner ein paar Blumenzwiebeln ausgräbt oder der englische Rasen Hundeurin nicht verkraftet. Davon einmal abgesehen, wenn ein Mensch meint, super, der Hund darf im Garten machen was er will und sich austoben, das erspart mir lästige und unbequeme Spaziergänge und ich kann mich weiter meiner Chipstüte widmen, der hat bei mir eher schlechte Karten. Hunde sind individuell und genau so individuell sind oder sollten zumindest die Anforderungen an sein Zuhause und seine neuen Halter sein. Ich habe die Befürchtung, dass immer mehr in Schubladen gedacht wird, berufstätige Halter sind schlecht, ohne Garten geht nicht, Hunde aus dem Ausland machen grundsätzlich Probleme, bei Hunden aus deutschen Tierheimen kennt man alle Baustellen, Hunde vom Züchter sind einfach und bequem. Und wenn man sich andere Bereiche ansieht, Geiz ist geil und das Waschmittel welches im letzten Jahr so weiß gewaschen hat, dass es nicht weißer geht, ist dieses Jahr noch besser. Wir brauchen Handys nicht zum telefonieren, wir wollen damit unser Leben steuern (oder steuern lassen) und so ganz nebenbei merken wir nicht, dass alles im Leben nur noch bequem, billig und in eine Schublade passen muss, die wir nach Bedarf öffnen und wieder schließen können.

  • Antworten Friederike 29. August 2018 um 6:55

    Entspricht 100% meinen Beobachtungen und Erfahrungen. Auch ich hätte keinen Hund bekommen, obwohl ich den Hund mit ins Büro nehmen kann und sehr hundeerfahren bin. Mein Hund hat es besser als hunderte andere, die in Familien mit Garten vermittelt wurden. Wir gehen regelmäßig raus, besuchen die Hundeschule und machen Mantrailing. Es gibt lecker Futter, einen schönen und sicheren Schlafplatz und Tierarzt wenn nötig. Leider ist das oft gängige Praxis bei Tierheimen. Bei einer Vermittlungsanfrage, wurde ich beschimpft, ein Garten ohne Zaun ginge ja wohl gar nicht. Dabei hatte ich nur gefragt, ob der Hund ein notorischer Ausbrecher sei (die Vorgängerin ist über 2 m hohe Zäune gehüpft und war in den ersten Jahren wirklich schwer zu halten) und mein Garten hat übrigens einen Zaun. Das hat aber dann niemand mehr interessiert. Manche Kontrolletis haben leider eine enorme Betriebsblindheit eintwickelt. Eine Bekannte hat drei Hunde, die sie liebevoll mit allem was sie benötigen (hohe Tierarztkosten) betreut. Die Hunde sind lieb aber häßlich und alt, niemand hätte sie genommen. Dieser Frau wurden von keinem Tierheim Hunde gegeben. Ihr Mann ist ständig zuhause, es gibt einen Garten, nur sie ist halt berufstätig. Die Hunde dort haben es sehr gut, es ist ein Hohn. Und das sollte man schon mal überdenken.
    Und zu Auslandshunden: ja, gut beschrieben und analysiert. Es wird leider gelogen, dass sich die Balken biegen. Mein Hund wurde als Border-Mix bezeichnet und zwar von der deutschen Pflegestelle – die Griechen waren in der Beschreibung genauer (ich habe den Hund nachträglich noch im Internet durch Anzeigen griechischer Tierschützer gefunden). Das ist ein Witz, der Hund hat nie einen Border gesehen, es ist vermutlich ein Jagdhund-Herdenschutzmix. Warum das Tier nicht einfach Mischling nennen? Statt dessen werden Rassen hinzu gedichtet. Die Stelle, von der ich meinen Hund habe, macht das nach wie vor. Da poppen Jack-Russel-, Border- und Labradormixe auf, das kann man nur staunen, immer noch. Es ist eindeutig eine Masche um die Vermittlungschancen zu erhöhen.
    Ich habe also auch sehr stark den Eindruck, es geht um die möglichst hohe Zahl von Vermittlungen und auch den unguten Eindruck, dass es doch eine Art Geschäft ist. Ich habe die Pflegestelle eine Weile beobachtet, der Durchsatz an Hunden ist enorm. Da vermischt sich Tierliebe durchaus auch mit geschäftlichen Interessen. Trotzdem würde ich jedem raten, eher Hunde von einer dt. Pflegestelle zu nehmen. Man kann die Hunde zumindest vorher besuchen und schauen ob die Chemie passt.
    Mein Hund ist wunderbar, ich liebe ihn und möchte ihn nicht mehr missen – aber die Lügen und Unwahrheiten gaben dem ganzen einen sehr schlechten Beigeschmack. Die Angaben zum Alter, zur Rasse, zu Vorerkrankungen und zum Gesundheitszustand stimmen oft nicht, also aufpassen bitte.
    Ich wünschte, die Angaben wären ehrlicher und etwas genauer. Kenner können schon den Charakter eines Hundes einschätzen und genau darum geht es. Der zukünftige Halter möchte nicht einen Hund, sondern einen Hund, der zu ihm passt, mit dem er klarkommt und durch dick und dünn geht.

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