Während es praktisch keinen Hund gibt, dessen Gesellschaft dazu geeignet wäre, mich jünger und dynamischer erscheinen zu lassen, gibt es sehr wohl solche, die mich sofort in eine höhere Generationenkategorie verschieben, sobald sie an der Leine vor mir her tänzeln. Mein Blick mag von Vorurteilen getrübt sein, aber es gibt Oma-Hunde. Der typische Oma-Hund ist klein und leicht, seine Stimme ist hoch und oft zu hören und er ist meistens niedlich. Sehr niedlich. Wobei nicht gesagt sein muss, dass die charakteristische Niedlichkeit bei jedermann das Herz öffnet wie ein Schlüssel sein Schloss. Ganz sicher öffnet sie aber das Herz von Omas.
Oma-Hunde sind plattnasig, knopfäugig und oftmals wuschelig, gelegentlich sehen sie aber auch aus wie magisch geschrumpfte Dobermänner und benehmen sich so, als wären sie noch in Originalgröße. Konkret spreche ich von Maltesern und Havanesern (die ich in diesem Leben nicht mehr zu unterscheiden lerne), Shih Tzus, Yorkis, Chihuahuas oder Pinscherartigen und so ziemlich allen Rassen mit der Vorsilbe „Zwerg“. Natürlich gibt es auch Opa-Hunde, die in meiner Vorstellung mit wehender Fahne von einem Rauhaardackel angeführt werden. Aber nur der Oma-Hund verleiht seiner Begleiterin augenblicklich dieses Blümchenkaffeetassige und Sofakissige. Und das, obwohl ich nicht ohne Bedauern zugeben muss, dass sich die Spitzendeckchen-Oma evolutionär auf dem Rückzug befindet. Omas des Jahres 2026 lernen nach dem Renteneintritt Golf und Japanisch, besiegen ihre Enkel beim Zocken in World of Warcraft und kümmern sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit um vier Herdenschutzhunde, von denen einer blind, ein weiterer ein Rollifahrer ist. Jeder Tierschutzverein kennt diese Adoptanten 65+ mit einem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Energie, denen keine Aufgabe zu groß erscheint. Ein Püdelchen würde sie sicher nicht ausfüllen.
Irgendwo dazwischen gibt es bestimmt zunehmend Normalo-Omas, deren Hundesehnsucht von einem mittelgroßen Tierschutzhund bestens gestillt werden kann und die hier auch lieber zugreifen als bei einem Züchter, der die äußerst niedlichen kleinen Wuschelknäule produziert, bei denen Omas traditionell in Verzückung geraten. Was aber, habe ich mich nun gefragt, wird in Zukunft aus Oma-Hunden, wenn moderne Omas ein bisschen so fühlen wie ich? Nicht, dass ich die Kleinen nicht mag, im Gegenteil. Ihr Charakter überstrahlt oft ihre Größe und nicht einmal die Jacobs Sisters haben meine hohe Meinung über Pudel zerstört. Sie konnten noch nie etwas für ihre doofen Frisuren und es gibt kaum eine Hunderasse, die so lieblich altert wie Pudel. Betagte, etwas zerfledderte, ausgeblichene Püdelchen besitzen definitiv den oben genannten Schlüssel zu meinem Herzen. Die Rasse erlebt ja auch durchaus ein Revival, wenn auch vor allem zu 50 % in Gestalt eines Doodles. Wobei es doch äußerst bemerkenswert ist, dass sich Menschen einen Hund bestellen, der zur Hälfte Pudel-Gene hat, dann aber äußerst erleichtert sind, wenn er nicht dessen Erscheinungsbild aufweist. „Man sieht kaum, dass da ein Pudel drin ist“, ist einer der häufigsten und zugleich albernsten Sätze, mit denen Doodles beschrieben werden. Pudel mit ihrer markanten Nase und ihren Löckchen werden oft nicht gemocht, aber weil sie „hypoallergen“ sind, will man ihre Gene. Blödigkeit, deine Heimat sei der Mensch. Aber ich schweife ab.
Ich habe nun also darüber nachgedacht, was aus Oma-Hunden wird, wenn Omas sie in Zukunft möglicherweise gar nicht mehr bevorzugen. Werden wir sie weniger sehen, die wuseligen weißen Dinger; die drei schwarzen Punkte, die Augen und Nase markieren; die typische Selbstüberschätzung eines 3-Kilo-Tiers, das zuhause am Esstisch sitzen darf? Mein Eindruck ist das nicht. Immer häufiger sehe ich Oma-Hunde in Begleitung von gänzlich Un-Oma-artigen. Von Familien, von jungen Frauen, von Männern gar. Großen, kräftigen Männern. Statistisch kann ich meine Beobachtung nicht belegen, allerdings zeigen uns die Tasso-Top 10 der im Jahr 2025 neu registrierten Hunde, dass sich erstmals wieder der Dackel und – tada – der Zwergpudel unter die ersten zehn gemischt hat. Mit dem Jack Russell und dem Chihuahua tummeln sich dort zwei weitere, eher kleine Hunderassen. Wie es sich beim Mischling (Platz 1) mit der Größe verhält, kann man natürlich nicht genau sagen.
Wenn ich weiter herumspekulieren darf, dann könnte ich mir verschiedene Gründe für die zunehmende Beliebtheit kleiner Hunde vorstellen. Sie sind leichter handhabbar, für junge Menschen wie für Omas gleichermaßen. Verreisen und alltägliche Aktivitäten sind mit ihnen leichter. Sie sind günstiger – im Unterhalt und oft auch beim Tierarzt. Und sie transportieren mit ihren unwiderstehlichen Blicken das große Missverständnis, sie wären einfacher zu erziehen. Das soll alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass kleine Hunde nicht selten mit Qualzuchtmerkmalen produziert werden man sich bei Oma-Hund 2.0 mehr Aufgeklärtheit wünscht als früher. Trotzdem bin ich froh. Der Oma-Hund wird nicht aus dem Stadtbild verschwinden und ich darf mich weiterhin heimlich in kleine Hunde blitzverlieben, die, wie jeder Cartoonzeichner weiß, immer „Wif wif wif“ bellen, statt „Wau wau wau“. Lang lebe der Oma-Hund!
Titelbild: © Denniz Futalan – pexels.com





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