Drinnen

Das sprechende Tier.

1. November 2015

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, mein Tier könnte sprechen. Nicht, dass ich mit ihm über die Flüchtlingskrise diskutieren wollte. Auch “Herr Otto Mohl fühlt sich unwohl am Pol ohne Atomstrom” wäre mir als Aussage nicht so wichtig, wenn ich da an Loriot denke. Nein, allein die Antwort auf die beiden Fragen: “Tut Dir etwas weh?” und “Ist Dir übel oder hast Du Schmerzen?” hätte mir schon manches mal sehr geholfen.

Nun wird ja immer wieder gesagt, ein frisch angesiedeltes Tier hätte viel zu lernen, die ganzen Kommandos, die menschlichen Laute und all das, aber es wird wenig darauf Bezug genommen, was der Mensch lernen muss. Klar, in jedem Hundebuch gibt es die kleinen Illustrationen der Hundesprache, die zeigen, ob der Hund happy oder stinkesauer ist, aber das meine ich nicht. Mir geht es um den Alltag, um das ganz normale Geplauder zwischen Hund und Halter. Das spielt in Wahrheit eine große Rolle. Panini spricht oft mit mir und es ist ein großes Glück, wenn es mir gelingt, sie zu verstehen. Man muss freilich schon sehr genau hinhören, wie bei Bello, dem sprechenden Hund.

Zu Beginn wusste ich nicht einmal, welche Art Geschäft der Hund demnächst zu verrichten gedenkt. Sie sucht immer ewig, bis sie eine adäquate Toilette gefunden hat, in beiden Fällen. Inzwischen weiß ich schnell, was angesagt ist und kann im Zweifelsfall schon mal das Tütchen zücken. Zu Beginn wusste ich sowieso nichts über sie. Vieles, was sie tat, war mir rätselhaft. Noch bevor ihr Kreuzbandriss diagnostiziert wurde, stand sie auf einmal oben an der Treppe und sah mich an. Nach oben trug ich sie bereits immer, runter lief sie selbst. Doch auf einmal stand sie da uns sah mich an. Und ich wusste: von nun an werde ich sie auch runter tragen. Der Blick sagte: Du trägst mich doch immer so nett hoch, könntest Du mich nicht auch runtertragen? Ich habe es versucht, aber es tut weh.

So fing Panini an, mit mir zu sprechen und jetzt macht sie das dauernd. Die Sätze: “Darf ich aufs Sofa?” und “Wenn ich jetzt aufs Sofa gehe, kommst Du dann auch gleich?” sind recht ähnlich und nicht leicht zu unterscheiden. Aus dem Kontext heraus ist es aber nicht mehr so schwer. Der Satz “Gehst Du weg?” ist natürlich immer besonders schwer zu beantworten. Als der Sommer vorbei ging und es anfing, kälter zu werden, mochte sie plötzlich nicht mehr im Körbchen liegen. Es steht an einer unzugigen Stelle, ist gut gepolstert. Trotzdem. Stattdessen rollte sie sich auf dem Sofa in eine Decke ein. Im Körbchen ist auch eine extra Decke. Aber wenn sie ins Körbchen sollte, sah sie mich an, dann die Körbcheneinlage und dann wieder mich. Ich habe die Einlage gewechselt. Statt der glatten, gepolsterten Einlage habe ich ein Vetbed hineingelegt, das sich plüschiger und kuschliger anfühlt. Seither liegt das Tier nur noch dort. Bei kühleren Temperaturen will das Tier kuscheln und das hat es mir klar mitgeteilt. Die glatte Einlage kommt im Sommer wieder rein.

Überhaupt das Körbchen: Früher hatte sie ein Liegebett ohne Rand. Auf Dauer konnte das gegen das Sofa aber kaum punkten. Das Tier ignorierte das Ding. Dann sah ich, dass auf dem Sofa zwei Dinge wichtig waren: Eine Decke und ein Kopfkissen, was sie sich daraus baute. Ich legte eine eine zerknäulte Decke auf das Bett und das Problem war für’s erste gelöst. Zum Bett mit Rand war es dann nur noch ein kleiner Schritt und das Tier sprang hinein, als noch die Plastikumverpackung dran war. Manchmal ist es nicht schwer, das Tier zu verstehen. Wenn das Tier nachts aufwacht und sich schüttelt, warte ich einen Moment, ob es sich wieder hinlegt. Stellt es eine Pfote auf den Bettrand, weiß ich, das etwas nicht stimmt, und gebe Panini im Halbschlaf ein paar Kekse. In der Regel legt sie sich dann wieder hin, das Bauchquietschen und die Übelkeit sind abgewendet. Legt sie sich danach ans Fußende ins Bett, war es ernster und sie muss kuscheln. Versucht sie weiter nach oben in meinen Arm zu kommen, braucht sie dringend Trost, dann geht es ihr nicht gut. So spricht sie mit mir und es ist eigentlich ganz leicht, wenn man es erst mal kapiert hat.

Wenn sie ihr Geweih herumwirft, freut sie sich aufs Essen, wenn sie nachmittags in die Küche geht und den Hals reckt, will sie wissen, was es zum Abendessen gibt. Im Café blieb sie plötzlich nicht mehr liegen wie sonst. Sie sah mich an und sagte mir: “Es ist inzwischen kalt und hart auf dem Boden, das geht mir auf die Gelenke und ich komme schlechter wieder hoch” Seither gibt es auch ein Vet-bed für das Café. Manche Leute finden es affig, dass ein Hund auf einem Teppich liegen muss, es ist ja schließlich nur ein Hund. Ist mir wurscht. Sollen sie sich doch selber mal im Oktober mit Arthrose auf den nackten Fußboden legen. Auf dem Vetbed jedenfalls liegt der Hund wie eine eins.

Am liebsten isst Panini Pansen oder Fisch, ihr Lieblingskeks ist aus Fermentgetreide. Ich kann eine Reihenfolge in der Beliebtheit bei ihren drei Bürsten aufstellen. Hat sie mir alles mitgeteilt. Es gibt so viele solcher Dinge. Ich weiß, wo sie am liebsten läuft und sie weiß, wann es zum Laufen geht und wann nur zum Spazierengehen. Ist ja auch nicht so schwer rauszufinden. Wenn man miteinander redet.

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5 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 1. November 2015 um 17:59

    Panini scheint eins schlauer und mitteilungsbedürftiger Hund zu sein.

    Ich finde diese Sprache der Hunde ja ehrlicher und direkt. Will der Hund aufs Sofa, zeigt er das eindeutig. Der Mensch würde möglicherweise ne halbe Stunde oder den ganzen Abend auf nem unbequemen Stuhl rumrutschen, bevor er bitten würde, aufs bequeme Sofa umzusiedeln.

    Kleine Geschichte meines Nichten-Hundes und seiner Sprache. Er möchte auch immer gerne auf die Couch, bitteschön mit Decke als Unterlage (generell sowieso nur im Decke, Herr Fidel ist sehr empfindlich). Bei uns darf er aber lt. Ansage des Hausherrn weder mit noch ohne Decke aufs Sofa. So geschah es, dass meine Nichte und ich aushäusig waren und der Hausherr allein mit Hund. Als wir zurück kamen, lag Hund auf Decke auf Sofa. Was war geschehen? Nachdem der Hausherr Blicke, Versuche des heimlichen Raufkriechens, Winseln und Jammern ignoriert hatte, hat sich das Tier auf eine Plastiktüte eingerollt, weil die in der Nähe der Wunschliegestätte lag. Das hat das Eis gebrochen und Hund lag neben Hausherrn auf dem Sofa, Schnauze auf dem Schoß. Ich hab beide dafür geknuddelt.

    • Antworten Heidi 1. November 2015 um 20:48

      Herr Fidel ist ein Cleverle! 🙂 Ja, es ist sehr ehrlich, was die da machen.

  • Antworten Regina 1. November 2015 um 19:57

    Heidi, ich finde es sowas von bemerkenswert, welch Talent Du hast!
    Eine Schande eigentlich, dass Du so lange hundelos gewesen bist!
    Panini hat das ganz große Los gezogen!

    • Antworten Heidi 1. November 2015 um 20:49

      Danke, das freut mich aber sehr, wenn so ein Hundeprofi wie Du sowas sagt!!

  • Antworten Andrea 2. November 2015 um 18:14

    Lach, wieder ein sehr gelungener Post. Wenn doch nur mehr Hundehalter ihren Tieren so zuhören würden…

    Ich liebe an Linda besonders den Satz “es ist Zeit, ins Bett zu gehen”. Ertönt meist gegen 22.30 Uhr und damit weiß dieses Tier irgendwie besser wie ich, was nun gut für mich wäre… 😉

    LG Andrea

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