Draußen

Das reisende Tier.

6. September 2015

Als Panini und ich zum ersten Mal miteinander im Auto fuhren, endete die Fahrt beinahe noch ehe sie begann. Ich war mit einem Citroen C1 gekommen, um Panini aus ihrer Pflegestelle abzuholen, ein Car Sharing Wagen wie alle Autos, die ich fahre. Ich hatte mir vorgestellt, Panini auf dem Rücksitz nach Hause transportieren zu können, als naive Hundeanfängerin hatte ich mir eingebildet, der Weg nach vorn sei ihr versperrt, da sie schließlich kein Yorkshire Terrier ist, der überall durchkommt. Ich hatte keine Ahnung von der Hundebefestigung mittels Leine und noch weniger als keine Ahnung vom Hundeanschnallen.

Ich ließ also den Hund auf dem Rücksitz Platz nehmen, klappte den Beifahrersitz nach vorn und stieg ein. Ich saß kaum, da kletterte der Hund ebenso entschlossen wie halsbrecherisch nach vorn, um, nachdem er den Beifahrersitz als nicht kommod genug erachtete, in Sekundenschnelle auf meinem Schoss Platz zu nehmen, eine Pfote bedeutungsschwer auf das Steuerrad legend. Da ich keinesfalls grob sein wollte, fühlte ich mich hilflos unter dem Hund begraben, der deutlich zu schwer und zu groß ist, um noch als Schoßhund durchzugehen. Ich fummelte mein Handy aus der Tasche und rief in der Pflegestelle an, vor der ich ja noch stand, und bat um Hilfe. Die erfahrene Hundebesitzerin, die mir Panini ausgehändigt hatte, scheuchte sie erfolgreich wieder auf den Rücksitz und fixierte sie mit der Leine an den Kopfstützen, so dass ihr Aktionsradius deutlich eingeschränkt wurde. So schickte sie uns beide in unser neues Leben.

Auf der Autobahn zwischen Wiesbaden und Frankfurt fuhr ich, als hätte ich eine offene Flasche Kürbiskernöl auf dem Beifahrersitz stehen, um den Hund nicht durch eine ruppige Fahrweise zu verschrecken. Ich dachte an Martin Rütter, der gelegentlich dazu rät, den Hund nicht durch sinnlose Ansprache in Aufruhr zu versetzen. Sie sollte denken, dass gerade absolut nichts los wäre weswegen man aufmerksam sein müsste und sich entspannen. Deshalb sprach ich kein Wort mit ihr und sie entspannte tatsächlich. Oberflächlich jedenfalls. So blieben wir beide stumm auf unserem ersten gemeinsamen Heimweg.

Inzwischen sind wir oft miteinander Auto gefahren, in vielen verschiedenen Fahrzeugen und Panini weiß, wie Autofahren geht. Erst muss man warten, bis das Auto präpariert ist, dann wird man auf den Rücksitz gewuchtet (man darf nämlich nicht springen), dann wird man mit einem kleinen Sicherheitsgurt am Geschirr angeschnallt, dann wird die Leine um eine Kopfstütze gelegt und dann geht Frauchen nach vorn. Jetzt darf man rausgucken oder man kann sich hinlegen, beides ist erlaubt. Nicht erlaubt ist: Nach vorne kommen oder auf den Sitz pinkeln. Panini weiß also Bescheid. Allerdings: Nie hat eine Fahrt bislang länger als 45 Minuten gedauert. Vom Gassigehen unterwegs und rasten hatten wir keinen Plan.

Nun aber hatte ich eine Reise nach Holland geplant, theoretische Fahrtzeit laut Google Maps 5,5 Stunden, eine Rechnung, die sich als extrem optimistisch erwies (um eine freundliche Umschreibung für „Quatsch“ zu finden). Unter 6,5 Stunden war die Strecke nicht zu machen. Das Tier würde geduldig sein müssen. In der Vorbereitung erstand ich eine Autodecke von Doktor Bark, ein einziger Traum für motorisierte Hundebesitzer. Da ich wie gesagt immer mit Leihwagen unterwegs bin, kommt eine Hundebox nicht in Frage, das Tier muss auf den Rücksitz. Damit alle drei Beteiligten damit glücklich sind (Hundehalter, Hund, Auto) ist eine Autodecke unerlässlich. Selbst wenn das Tier nicht haaren würde (derzeit hinterlässt sie kleine Heuhaufen, wo sie geht und steht), haben Dreck und Sand nichts auf einem Autopolster verloren, auf einem geliehenen Autopolster zumal. Für den Alltag haben wir eine Billigdecke, die an den vorderen und hinteren Kopfstützen befestigt wird und das nötigste schützt. Für eine lange Reise sollte die Decke aber erstens deutlich bequemer und dicker sein und außerdem auch die Seiten sauber halten. Von Dr. Bark haben wir bereits eine Einlegedecke für das Körbchen und sind beide begeistert. Die Decke ist nicht nur schön gepolstert, es lassen sich auch die Haare gut davon entfernen, man kann sie bei bis zu 90 Grad waschen und sogar in den Trockner werfen. Ich kann angesiffte Hundekörbchen nicht leiden, deshalb wasche ich viel. Eine Zeitlang lag immer ein frisches Handtuch im Körbchen, allerdings gehen Frotteeschlingen und Haare eine jeweils unauflösbare Liaison ein, was Handtücher suboptimal macht. Die Dr. Bark Decken bleiben in der Wäsche stabil, sie sehen gut aus und das Tier mag sie. Die Autodecke allerdings ist so teuer, dass es einem das Wasser in die Augen drückt und ich strich eine Weile um sie herum. Das Schicksal war mir gesonnen und so kam ich als Bloggerin in den Genuss eines Rabatts bei Puppy & Prince.

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Die Investition lohnt sich allerdings wirklich. Alles an dieser Decke macht einen stabilen Eindruck, Reißverschlüsse inklusive. Im Fahrzeug entsteht ein riesiges Körbchen, das Geborgenheit und Schutz vermittelt, Panini liebte es sofort. Auf unserer Reise wurde die Decke bekleckert, eingehaart und mit Sand paniert – nach der Wäsche sieht sie aus wie neu. Die Haare hatte ich zuvor abgesaugt, auch das geht sehr gut. Es gibt eine Aussparung für den Sicherheitsgurt, alle Schnallen und Reißverschlüsse lassen sich leicht schließen. So ausgerüstet starteten wir in unseren erste Urlaub. Auf der Hinfahrt regnete es 6,5 Stunden von 7, so dass auch die Rast jeweils gar nicht so leicht war. Ein aufgeregtes Tier im strömenden Regen durch einen Rastplatzabfallparkour zu lotsen, um es dazu zu bewegen, JETZT sein Geschäft zu machen, ist eine Herausforderung. Aber Panini, die sonst gefühlte Stunden braucht, um sich das richtige Blättchen zum Bewässern auszusuchen, verstand das Prinzip Rast irgendwie ziemlich gut. Wir gingen beide pieseln, ich trank Kaffee, sie etwas aus der Trinkflasche, ich aß ein Stück Plunder, sie eine Handvoll Trockenfutter. Ich wünschte, ich hätte mich danach gemeinsam mit ihr auf dem Rücksitz zusammenrollen können und das Auto wäre allein weiter gefahren. So aber musste ich ans Steuer. Ab und zu schaute mir das Tier über die Schulter, fragte mit Blicken, ob es wohl noch weit sei, ich nannte ihr die verbleibende Anzahl Stunden und sie legte sich augenblicklich wieder hin. Dieses Tier versteht sich sehr aufs Reisen.

Am Ferienort angekommen war es das wichtigste, schnell das Sofa des Appartements zu präparieren, denn das Tier liebt Vergleichstests: Was ist bequemer – das Sofa zu Hause oder dieses hier? Und wie verhält es sich mit dem Vergleich zum Autorücksitz?

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Danach wurde geschmaust und es schmeckte verblüffenderweise genau wie daheim. Das Tier war zufrieden. In den folgenden Tagen verspeiste es mehrere ganze Krebse und Muscheln mit Schale, jagte Wellen und Möwen, es schlief sehr tief, aber am liebsten in meinem Arm. Panini ist ein Urlaubsnaturtalent.

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Auf dem Rückweg erwischen wir nicht nur regenfreie Stunden, sondern auch eine tolle Autobahnraststätte (Wesel/Hünxe) mit der Gelegenheit zu einem Spaziergang, der den Namen verdient. Und ich denke an all die Menschen, die ihre Tiere zur Urlaubszeit an einer Raststätte aussetzen. Eine unfassbare Vorstellung. Und eine verpasste Chance für diese Leute zu erkennen, was für eine großartige Reisebegleitung Hunde sein können.

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Diese und viele weitere Panini-Geschichten gibt es jetzt auch im E-Book “Ein Hund namens Brötchen”

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