Draußen

Das berufstätige Tier.

27. April 2019
Berufstätig mit Hund

Das Tier ist vielseitig interessiert. Deshalb geht es nicht nur einer, sondern verschiedenen Tätigkeiten nach. Es verdingt sich als Landschafts- und Gartengestalter, recycelt städtischen Unrat, sorgt für steigende Umsätze in tiermedizinischen Berufen, stellt sich Kindern als lehrreiches Anschauungs- (und Anfass)material zur Verfügung und ist in der Altenpflege tätig. Um nur einige seiner vielen Beschäftigungsfelder zu nennen.

Obwohl Panini so stark eingespannt ist, hilft sie dennoch gern im Haushalt mit. Sie reinigt etwa ihren Napf nach Gebrauch selbst sehr gründlich, beseitigt auf dem Küchenboden liegende Brotkrumen, sorgt durch beständiges Haaren für ein schallgedämmtes Laminat und insgesamt für ein behagliches Heim. Wir führen also gewissermaßen eine gleichberechtigte Beziehung und so nehmen wir beide jeweils am Berufsalltag des anderen Anteil. In ihrer knapp bemessenen Freizeit begleitet mich das Tier sogar manchmal auch in ein externes Büro. So muss das auch sein – hinter jeder starken Frau steht ein weicher Hund.

Unser augenblicklicher Co-Working-Office liegt mitten in der Stadt in einem schillernden Hochhaus mit Glasaufzug. Bis vor einiger Zeit war Panini nie in der Innenstadt – es ist nicht eben ein Ort, von dem Hunde träumen. U- und S-Bahn-Schächte habe ich gemieden, es war offensichtlich, dass ihr bereits der Geruch nicht geheuer war. Ich wusste aber, dass ich aus dem Home-Office raus wollte. So sehr ich Paninis Expertise in vielen wichtigen Fragen des Lebens schätze – sie sollte nicht meine einzige Kollegin sein. Sie allein zu lassen kommt für mich aber ebenfalls aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Unser Kompromiss: Auf einen aufregenden Businesstag (der ihr zuliebe nicht lang ist), folgt ein Ruhetag zuhause. Außerdem wichtig: Auch im externen Office wartet ein orthopädisches Hundebett, damit das Tier jederzeit gut liegt.

Hund und Job

Dennoch machte ich mir anfangs viele Sorgen. Unser langer Weg zum Büro ist durch Grünanlagen zu bewältigen. So weit so gut. Aber die Innenstadt … und ein Hochhaus mit schnellem Aufzug … und die vielen Menschen … und eine Rückfahrt mit der S- und der Straßenbahn … achherrje. Tatsächlich war der erste Tag aufwühlend. Panini wollte nicht den Aufzug nehmen. Auf dem Rückweg blieb sie auf dem Bahnsteig stehen und weigerte sich, auch nur einen Schritt zu gehen. Ich dachte, ich müsste alle Pläne ändern. Doch dann geschah das Wunder. In kürzester Zeit nahm das Brötchen alle Änderungen an. Der Aufzug? Easy. Die S-Bahn? Naja, geht vorbei. Es ist beinahe schon Routine: Im Office angekommen begrüßt das Brötchen die Kollegen – allerdings, nicht, ohne zuvor eine gründliche Inspektion der Büromülleimer vorzunehmen. Weil wir in der Regel 45 Minuten zu Fuß zum Büro laufen, gibt es dann einen kleinen Snack und etwas zu trinken. Danach soll das Tier ruhen, damit ich Geld für weitere Snacks heranschaffen kann. Und das tut es dann auch. Wenn es sich zwischendurch die Beine vertreten oder erleichtern will, sind wir in 3 Minuten in einer Grünanlage.

Nachdem wir uns in die neuen Abläufe eingefunden hatten, geschah etwas Merkwürdiges. Das Tier begann, mehr auf mich zu achten. Es hörte besser, reagierte schneller und ließ sich in der Stadt leichter führen. Ich traute uns mehr zu, ging mit ihr zu einem Feinkostladen, um ein Brötchen zu kaufen, an Orte, an denen wir nie waren. Ich stieg mit ihr in volle Straßenbahnen. Sie machte alles mit, als sei es ein Klacks. Wenn ich jetzt aber zuhause die Wohnung verlasse, scheint sie mir besorgter zu sein. Als sei sie enger an mich herangerückt, noch näher als ohnehin. Als sei ihr bewusst geworden, dass die Welt viel größer ist, als das Gebiet, das wir sonst im Alltag durchschreiten. Als wäre es ihr noch klarer, dass es in jedem Fall zusammen besser ist als allein. Und da sind wir uns ja auch wieder mal völlig einig.

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Berufstätig mit Hund 2

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6 Kommentare

  • Antworten Socke-nHalterin 28. April 2019 um 17:34

    Liebe Heidi,

    ich liebe Deine Stil zu schreiben und habe diesen Bericht mit großer Freude gelesen. Zudem verstehe ich Dich gut.

    Ich arbeite zwei Tage in der Woche zu Hause, bin aber froh, dass ich – so nastrengend das auch ist – auch ins Büro muss. Mir würde der Kontakt mit den Kollegen sehr fehlen.

    Toll, dass Panini so souverän mit der Situation umgeht. Bei uns ist es aber genauso. Ich war diejenige, die mit der Trennung von Socke ein Problem hatte. Trennungsängste in hohem Maße… Socke zeigte mir aber, wie es geht. Sie war / ist wie immer die Coolere. Nun will Mensch sich ja vor dem Hund nicht blamieren. Ich reiße mich zusammen. Mittlerweile bin ich auch entspannt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • Antworten Caroline 28. April 2019 um 21:04

    Ich kann mich Sabine nur anschließen, was deinen Schreibstil angeht. Großartig! Und vielen Dank für die tolle Urlaubslektüre namens ” Hunde, die nach hintengucken” ! Leider sieht Hermine die Ausflüge in unser Verlagsbüro nicht so entspannt und bevorzugt Himeoffice-Tage. Für mich ist Hund im Büro auch alles andere als entspannt, weil ich mich nicht ohne gestalked zu werden von meinem Schreibtisch wegbewegen darf. Aber vielleicht liegt es an mir und ich muss an meiner Entspannung arbeiten. Dann klappt es auch vielleicht mit Hermines Büroschlaf besser.
    Ich hoffe, es gibt noch unzählige Geschichten vom Brötchen!
    Caroline

  • Antworten Christine L. 29. April 2019 um 22:51

    Guten Abend,
    ich wollte mir endlich Ihr Buch kaufen – gibt es “Ein Hund namens Brötchen” nur als EBook zu kaufen? Ich hab leider keinen EReader und mag Papier wesentlich lieber 🙂
    Vielen lieben Dank und liebe Grüße,
    Christine

    • Antworten Heidi 30. April 2019 um 18:10

      Hallo Christine, inzwischen gibt es ein Nachfolgebuch – und das auch auf Papier! Es enthält die schönsten Geschichten von “Ein Hund namens Brötchen” aber noch viel mehr! Schauen Sie mal hier: https://www.amazon.de/Hunde-die-nach-hinten-gucken/dp/3748132417 Das ist nur ein Beispiel, es ist in allen Online-Buchhandlungen erhältlich und lässt sich auch im stationären Buchhandel um die Ecke bestellen.
      Viele Grüße
      Heidi & Panini

      • Antworten Christine L. 1. Mai 2019 um 0:11

        Liebe Heidi,
        vielen Dank für die Antwort! Ich wollte eigentlich mit dem ersten Buch anfangen und danach dann das zweite kaufen, aber wenn das zweite die besten Geschichten aus dem ersten enthält werde ich dieses bestellen 🙂 Meine Mutter und ich freuen ins schon sehr darauf – sobald ein neuer Blogartikel erscheint ist es bei uns inzwischen Tradition geworden, dass ich ihn ihr gemütlich auf dem Sofa vorlese. Von daher freuen wir uns schon sehr auf die Geschichten aus dem Buch!
        Viele liebe Grüße, auch an Panini,
        Christine

  • Antworten Dörte Manthe 17. Mai 2019 um 10:05

    Liebe Heidi,
    wie immer ein Vergnügen von Brötchen und Dir zu lesen. Es ist gut, dass andere Hundemenschen ihre große Liebe zu ihrem Tier zu Worte bringen.
    Liebe Grüße
    Dörte mit meiner überaus geliebter Alma

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