Aua

Ich mach Dich gesund, sagte der Bär.

17. Juli 2015

Viele Hundebesitzer legen einen gewissen Ehrgeiz an den Tag, wenn es um die Erziehung geht. Der Hund soll etwas können. Etwas, was man auch vorzeigen kann. Pfötchen und Zählen und einen Eiscafé auf einem Tablett bringen. Oder so. Panini kann vor allem liebreizend gucken. Und das konnte sie schon, bevor sie in meine Hände fiel. Mein Ehrgeiz ist eben noch woanders zugange, da können wir leider sonst noch nicht so gut repräsentieren.

Die Reihenfolge ist eigentlich klar. Panini soll so zufrieden und froh sein, wie es ein Hund nur sein kann. Damit das gelingt, muss sie vor allem eines sein: Gesund. Was so selbstverständlich klingt, ist es nicht. Wer mit Hundehaltern spricht oder sich ein bisschen in Hundeforen tummelt, merkt, dass große und kleine Wehwehchen keine Seltenheit sind. Und obendrein ist es natürlich eine Illusion, dass ein Tierschutzhund seine Vergangenheit mit einem Rutsch ablegen kann. Das ist weder physisch noch psychisch der Fall.

Hunde lassen sich oft nicht gern anmerken, wenn es ihnen nicht gut geht. Panini, so scheint es, hat das perfektioniert. Niemand hat ihren Kreuzbandriss bemerkt, als sie reisefertig gemacht wurde und obwohl mit Narben übersät, tut sie so, als sei sie ein unbeschriebenes Blatt. Robust und immer mit der Nase im Wind. Doch seit einiger Zeit hat sich das ein bisschen geändert.

Dank zwei Operationen, Physiotherapie mit Muskelaufbau und Osteopathie ist ihr Bewegungsapparat stabil und wir arbeiten weiter daran, sie hier nachhaltig fit und robust zu kriegen. Darüber hinaus gibt es aber noch ein paar andere Baustellen: Tränende Augen, ein Lefzenekzem, seltener auch Inkontinenz im Schlaf (nur tagsüber nach großen Trinkmengen), Heißhunger mit gelegentlichem Kotfressen und morgens manchmal ein quietschender Bauch, der scheinbar mit zu viel Magensäure kämpft. Ich glaube immer, dass alles mit allem zusammenhängt und dass es keinen Sinn ergibt, für jedes Aua eine Pille zu geben. Medikamente hat das Tier im letzten Jahr reichlich bekommen, sie sind sogar ein Teil des Problems. Kotfresserei und Bauchquietschen traten erst auf, seit sie Cortison bekommen hat. Hier ist im Tier etwas mächtig durcheinandergeraten. Der Bauch muss irgendwie ins Lot kommen. Deshalb habe ich mich zu einem klassischen homöopathischen Weg entschlossen. Nun weiß ich, dass das Tier ein „Phosphorus-Hund“ ist.

Geholfen hat die erste Gabe eines Konstitutionsmittels bislang nicht, was Homöopathiegegner sicher nicht wundert. Allerdings passieren ein paar andere seltsame Dinge. Zunächst erbrach das Tier am Morgen nach der Gabe – das erste Mal seit sie bei mir ist. Dazu neigt sie sonst kein bisschen, obwohl ihr morgens manchmal übel ist. „Hurra, wir haben das richtige Mittel.“ Sagt die Tierheilpraktikerin. Prima. Und jetzt? Jetzt ist das Tier sehr anhänglich. Seit neuestem. Es will bei mir sein und liegt am liebsten unter meinem Schreibtisch. Es ist auch ein bisschen schreckhaft. Seit neuestem. Wenn ein Fenster klappert und eine Gewitterstimmung herrscht, auch wenn es tagelang nicht gewittert. Es folgt mir manchmal in andere Räume. Seit neuestem. Es hat Probleme, durchzuschlafen. Dann kommt es zu mir ins Schlafzimmer und will am liebsten ins Bett. Es schmatzt und es scheint, als hätte es Sodbrennen. Seit neuestem.

Gesundheit lässt sich nicht mit einem Fingerschnippen herbeizitieren. Es ist ein langer Prozess. Ursachen für das Grimmen im Gekröse kann es unzählige geben. Sie könnte Parasiten haben. Eine Unverträglichkeit. Eine Fehlbesiedlung im Darm. Heliobacter. Andere gemeine Keime. Ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse. Man weiß kaum, wo man anfangen soll.

Bis wir wissen, was es ist, hilft nur ausprobieren. Wie schläft sie am besten durch? Welches Betthupferl hilft am besten, Magensäure zu binden? Was macht sie froh, was verursacht ihr Stress?

Derweil liege ich manchmal nachts um 3 Uhr auf den Fliesen und versuche, einen Hund mit Übelkeit zum Fressen zu überreden, weil es das einzige ist, was schnell hilft. Ich lege ihr ein Körnerkissen auf den Bauch. Ich irre um 4:30 Uhr im Schlafanzug in meinem Viertel umher, weil sie Gras fressen will. Ich mische Möhrensuppe mit Leberwurst und Fencheltee. Und bevor mir am Körbchenrand liegend die Augen zu fallen, denke ich an ein Kinderbuch von Janosch. „Ich mach Dich gesund, sagte der Bär.“ Im Dezember habe ich dem Tier versprochen, dass es gesund wird. Und was man verspricht, muss man ja auch halten.

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4 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 18. Juli 2015 um 5:27

    Ach Heidi, das ist so anrührend. Ein Glück, dass Panini Dich getroffen hat. Sicherlich hast Du das Leben mit einem Hund mal ganz anders vorgestellt, als Unmengen Zeit und Geld bei Tierärzten zu lassen. Ich hoffe für Euch, dass des Pudels Kern irgendwann mal herausgestellt wird (und sich nicht wie bei Faust als Mephisto darstellt) und ihr ein gesundes und glückliches Leben habt.

    • Antworten Heidi 18. Juli 2015 um 17:51

      Hallo Anja,
      nein, damit habe ich nicht gerechnet. Aber um ehrlich zu sein, kann man mit nichts rechnen, wenn man ein Tier zu sich nimmt. Man muss es auf sich zu kommen lassen. Es ist nicht so schwer, weil ich ja nicht mit “einem” Hund lebe, sondern mit “diesem” Hund, da gibt es ja kein wenn und aber mehr, wenn man sich mal entschieden hat. Ich glaube aber, dass die Bauchgeschichte nur jetzt noch problematisch ist und dass wir das bald in den Griff kriegen. Mindestens genauso wichtig wie Geld und Zeit ist übrigens Kraft. Zum Wenig-Schlafen, zum Tragen, zum Geduldig-sein, zum Allein-erziehen, zum Koordinieren mit Arbeit und anderem Privatleben.
      Danke für Deine guten Wünsche!

  • Antworten Mona 27. Oktober 2015 um 9:18

    Super süße Geschichte. Mit dir hat der Kleine ein wirklich tolles Frauchen gefunden! 🙂

  • Antworten Stefan 15. Juli 2016 um 13:54

    Deine Geschichte hat mich richtig berührt,einfach toll !!

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