Mahlzeit

Denken hilft.

13. Juni 2015

Wenn man selbst kein Experte ist, sucht man sich welche. Man fragt viel und liest, was andere schlaue Menschen geschrieben haben. Schwierig wird es allerdings immer dann, wenn die schlauen Menschen sich widersprechen. Beim Hundefutter gibt es etwa zu jeder Dose eine andere Meinung. Manchmal aber ist es ganz einfach. So lange man selbst noch geistig rege ist, kann man sich nämlich auch einfach mal selbst befragen. Und dann die Antwort mit der Meinung der Stiftung Warentest abgleichen und ein bisschen staunen.

Mit Ausnahme der Liebhaber von veganem oder vegetarischem Hundefutter sind sich alle Experten in einem einig (immerhin): Ein hochwertiges Hundefutter braucht einen hohen Anteil … tja, wie sag ich’s jetzt richtig? Ähm … Tierisches. Man wäre geneigt, „Fleisch“ zu sagen, aber da wäre die Einigkeit schon nicht mehr ganz so groß. Denn mit Fleisch ist Muskelfleisch gemeint und das kommt in sehr vielen Futterdosen nicht vor. Zwar liest man öfter so etwas wie „40% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, aber das kann jeder schreiben, der einen Fingerhut voll Fleisch (z.B. Kopffleisch oder Herz) verwendet und 39,9% nährstoffarme Schlachtabfälle. Nur wenn beide Komponenten getrennt aufgeführt werden, also etwa „20% Fleisch, 20% tierische Nebenprodukte“, weiß man, wie hoch der Fleischanteil wirklich ist.

„Tierische Nebenprodukte“ können durchaus hochwertig sein, z.B. haben viele Innereien einen guten Nährwert für die Tiere und sind nichts Schlechtes. In Österreich isst man „Lüngerl“ oder „Beuschel“, was ein Ragout gemischter Innereien ist, man kann Herz, Nieren, Leber selbstverständlich essen und wer Respekt vor dem Tier hat, was sein Leben gelassen hat, kann es nur richtig finden, dass so viel wie möglich von ihm verwertet wird. Allerdings haben Innereien unterschiedliche Nährwerte, an Lunge ist z.B. nicht so viel Dolles dran, während Herz so leichtverdaulich und nahrhaft ist, wie anderes Muskelfleisch. Tierische Nebenerzeugnisse kann außerdem alles sein, was weg muss, z.B. Horn, Federn, Haut. Apropos was weg muss – steht auf dem Etikett „mit Rind und Huhn“, bedeutet das, dass in der Dose mindestens 4% Huhn und 4% Rind sein muss (welche Teile von den Tieren auch immer). So steht es auch aus rechtlichen Gründen gern auf der Dose „40% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon mind. 4% Huhn und 4% Rind). Wer rechnen kann, dem fehlen hier 32% nicht aufgelistete Tierarten. Warum das so ist? Weil der Hersteller so flexibel reagieren kann und alles aufkauft, was gerade billig ist. Schaf, Pute, Hirsch – egal. Wer stur die Dosen „mit Rind und Huhn“ kauft, kauft heute Hirsch und morgen Kaninchen. Das kann man abwechslungsreich finden oder undurchsichtig. Ich neige zu letzterem. Über das Thema „Deklaration“ kann man lang und viel schreiben, aber das wollte ich eigentlich gar nicht.

Ich wollte nur erzählen, dass ich bei Aldi war. Und mir dort eine Nassfutterdose angesehen habe. Einfach aus Interesse. Denn die Stiftung Warentest liebt Discounterware für Hunde und lobt insbesondere eine Dose von Netto, in der Proteine von sieben (!) Tiersorten gefunden wurden. Ich persönlich esse selten sieben Tiersorten auf einmal und wenn ich es an einem Buffet täte, bekäme es mir schlecht. Denn der Körper hat ungeheuer viel damit zu tun, die unterschiedlichen Proteine zu verarbeiten. Die Stiftung Warentest aber findet es total super.

Ich drehte und wendete das Hundefutter von Aldi in der Hand. Die Deklaration ist undurchsichtig, so wie ich es von Supermarktfutter gewohnt bin. Man weiß weder, welche Tiersorte drin ist, noch wieviel Muskelfleisch und Innereien, noch welche Innereien. Es ist eine Menge Getreide drin, wieviel Gemüse enthalten ist, sieht man nicht. Ich interessierte mich für die Fütterungsempfehlung, denn daran sieht man, wie nahrhaft der Inhalt wirklich ist. Je schlechter das Futter verwertet werden kann, desto mehr muss man füttern, damit der Hund halbwegs das bekommt, was er braucht. Nach einem Cheeseburger bleibe auch ich seltsam unbefriedigt zurück. 900 Gramm, sagt die Aldi-Dose, soll ich meinem Hund pro Tag füttern. Von meinem Bio-Futter braucht sie 400 Gramm pro Tag. Würde ich ihr mehr geben, ich könnte sie bald die Treppe hinunter rollen. Immerhin hätte sich so das Tragen erledigt. Dabei sind sowohl der Protein-, als auch der Fettgehalt geringer als beim Aldi-Futter, an der Menge liegt es also nicht. Wohl aber an der Qualität.

Das Bemerkenswerteste aber am Hundefutter von Aldi ist der Preis: Das Futter kostet 69 Cent das Kilo. 69 Cent. Für Fleisch. Oder sagen wir vorsichtig: Für Teile von Tieren. Die 69 Cent sind so kalkuliert, dass alle etwas verdienen: Der Zulieferer vom „Fleisch“, der vom „Getreide“, der vom „Gemüse“, der von den Vitaminen und Mineralstoffen, der von den Zusatzstoffen. Die 69 Cent pro Kilo beinhalten auch die Dosen und die Etiketten, die laufenden Kosten der Anlage, in der das Ganze eingedost wird, sowie die Logistik. Und natürlich verdient am Ende auch Aldi.

Es gibt – und jetzt geht es um die eingangs erwähnt Gehirntätigkeit – eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die diesen Preis erklären. Entweder handelt es sich bei der Firma Aldi um ein Non-Profit-Unternehmen, das Menschen mit wenig Geld unterstützen möchte, damit sie sich die Tierhaltung leisten können. Oder aber, das, was in der Dose ist, müsste, wenn es dort nicht wäre, irgendwo kostenpflichtig entsorgt werden. Die Dose ist billig, weil das, was darinnen ist, nichts wert ist.

Ich muss kein Tierfutter-Experte sein. Ich bin auch kein Menschenfutter-Experte. Ich bin auch kein Textilexperte und weiß ein 3-Euro-T-Shirt zu bewerten. Ich bin verblüfft, dass die Stiftung Warentest zu anderen Schlüssen kommt als ich, denn es bedarf keiner intellektuellen Glanzleistung um herauszufinden, dass dies kein hochwertiges Futter sein KANN. Ich weiß wohl, dass Hunde zu allen Zeiten mit dem gefüttert wurden, was übrig blieb. Aber 69 Cent? Das Kilo?

Aldi kann andere Preise machen als kleine Hersteller. Und zwischen Bio-Erzeugung und konventioneller liegt ohnehin ein Preisunterschied. Nachfolgendes also nur, um meine Verblüffung zu unterstreichen: Würde ich mein Bio-Futter in Einzeldosen beziehen, vergleichbar dem Kauf bei Aldi, landete ich bei einem Kilopreis von 6,44 €. Doch ich bin sicher, sowohl die Erzeugung, als auch der Konsum von Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ganz gleich ob für Mensch oder Tier), die 69 Cent das Kilo kosten, haben langfristig einen weit höheren Preis.

Titelbild: ©photocrew – fotolia.de

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13 Kommentare

  • Antworten Blumenmond 14. Juni 2015 um 6:06

    Liebe Heidi,

    da wird mir schlecht beim Lesen und das ganz abseits meiner Ernährung. Hab ich mal vor Jahren über Biotierfutter schwer den Kopf geschüttelt, hat sich meine Meinung geändert (interessant, dass ich dazu ne Meinung hab, obwohl ich ja gar kein Tier füttern darf). Jetzt muss ich die Bilder aus dem Kopf bekommen, was da in den Dosen für ein Zeugs drin sein muss. Puhuuu… das ist ne Aufgabe für den Sonntag.

    PS: Der Möhrchen-Artikel war sehr interessant für meinen Nichten-Hund und wird bei der nächsten Magen-Darm-Attacke ausprobiert.

    Gruß
    Anja

    • Antworten Heidi 14. Juni 2015 um 12:22

      Liebe Anja,
      der Vollständigkeit halber muss man vielleicht sagen, dass es hochwertiges Futter gibt, das nicht “bio” ist. Auch das hat dann einen deutlich anderen Kilo-Preis. Aber es ist nicht im Supermarkt zu haben und schon gar nicht beim Discounter. Wenn ich allerdings an die Bedingungen der Tierhaltung denke, an Pestizide und Antibiotika, dann ist “bio” für mich die beste Alternative. Für mein Tier und die, die ihm als Nahrung dienen. Und am Ende auch für mich, denn ich bin verantwortlich für das, was ich da kaufe.
      Viele Grüße
      Heidi

  • Antworten Sabine 8. September 2015 um 16:13

    Liebe Heidi,
    Du sprichst mir aus der Seele! Es ist wirklich keine Hexenrechnung, daß in einer 800g Hundefutterdose für 1.99Euro nix Gscheits drin sein kann.

    In dem angesprochenen Test der Stiftung Warentest muß man auch genau hinschauen WAS getestet wurde. Hier ging es darum, ob bestimmte Futter als ALLEINFUTTERMITTEL vom Nährwert her tauglich sind. Rein rechnerisch überlebt der Hund damit wohl, aber ob er auch gesund dabei bleibt, stand nicht zur Debatte. Leider bleibt dem nicht Mitdenker nur im Gedächtnis, daß bestimmte Hundefutter als GUT
    getestet wurden und schwupps, schon ist die Dose im Einkaufswagen.

    LG Sabine

    • Antworten Ralf Wolters 5. Juni 2019 um 13:51

      Warum soll da kein hochwertiges Fleisch drin sein? Beispiel: Pferd. Es gibt mehr als eine Million Sportpferde in Deutschland, von denen jedes Jahr ein gewisser Anteil mehr oder minder freiwillig stirbt. So ein Pferd wiegt etwa ein halbe Tonne! Ganz schön viel Fleisch. Wer will das essen? Menschen kaum noch, oder? Soll man das Fleisch deshalb verwesen lassen? Ähnliches Problem mit alten Schafen, die ihr Leben lang Schafsmilch für Schafskäse gegeben haben. Lammfleisch ja, lecker! Aber welcher Mensch isst Fleisch von einem alten Schaf? Ausrangierte Milchkühe werden zum Teil wenigstens zu Burgern zerkleinert, aber auch nur bestimmte Teile. Und was ist mit dem Rest? Dann die Legehennen, die nicht mehr normgerechte Eier legen. So viel Suppenhühner kann der Markt gar nicht verkraften. Wenn diese Tiere schon kein besonders schönes Leben gehabt haben, dann sollten wir zumindest ihr Fleisch komplett nutzen. Das sind wir den lebenden Kreaturen schuldig. Und Hundefutter ist eine ideale Nutzung dieser Fleischmassen. Daß dieses Fleisch dann sehr billig am Fleischmarkt zu haben ist, liegt eher am Essverhalten der Zweibeiner. Dem Hund ist es letztendlich egal, was sein Mensch für sein Futter bezahlt. Er hat keine Beziehung zu Geld. Für den Hund zählt nur der Inhalt, was im Futter drin ist. Ideologische Überlegungen seines Menschen sind ihm fremd!

      • Antworten pormenorizar@l2l.de^ 20. Juni 2019 um 14:20

        Denken hilft tatsächlich und sie denken richtig, wobei die Verfasserin des Blogs wohl eher in einer Angstphobie lebt. Meine Hunde und die meisten anderen auch würden wenn sie vor einem Berg Fleisch stehen die Filets zuletzt fressen!

        • Antworten Heidi 20. Juni 2019 um 14:46

          Sie haben den Artikel wohl nicht verstanden. Schade eigentlich.

      • Antworten Estherglatzer@gmail.com 8. Juli 2019 um 11:55

        Ja richtig. Kaufe pure Nature
        95 % Fleisch. Teuer aber super

  • Antworten Silke v.Wangenheim 24. Dezember 2018 um 15:52

    Danke für diesen tollen Artikel!

  • Antworten Ralf Wolters 5. Juni 2019 um 13:30

    Ich verweise auf Stiftung Warentest. Wer sein Tier liebt, kann ja wohl die 3 Euro investieren, die der Download der Testergebnisse des Hundefutter-Tests vom Januar 2019 kostet. Stiftung Warentest ist ja wohl ein anerkanntes, seriöses und unabhängiges Non-Profit-Institut. Ich will hier gar nichts vorgreifen. Schaut euch die Ergebnisse an, dann erübrigen sich alle polemischen Diskussionen.
    LG, Ralf.

  • Antworten Mechthild 22. Juli 2019 um 1:19

    Meine Hunde wären wahrscheinlich auch mit dem Aldi Futter zufrieden, aber dann pupsen sie mehr und es stinkt schlimmer…aber in Zeiten mit sehr wenig Geld sind alle Beteiligten zu Kompromissen bereit…

  • Antworten Birgit Schmidt 28. Juli 2019 um 10:08

    Ob man billiges Futter an seinen Tiere verfüttert, ist jedermanns Entscheidung. Hunde mit Hunger sind nicht wählerisch. Wir machen sie dazu. Das kann man sehen wie man will. Habe mich auch mal auf einen Trockenfutter-Empfehlung von Stiftung Warentest verlassen. Das hat den Geruchstest weder von mir noch dem Hund bestanden. Sie hat es auch mit großem Hunger nicht fressen wollen. Soviel zum Thema “gutes, billiges Futter”.

  • Antworten Gabriele 22. August 2019 um 11:25

    Tja Heidi, ich kann deinen Überlegungen folgen und denke da ähnlich. Wie du siehst, hat manch einer dennoch andere Ergebnisse, als du. Vieles davon dürfte aber auf Vermutungen bestehen. So ist mir zum Beispiel ein Fall eines wirklich großen Eierproduzenten bekannt, dessen Hennen aus Kostengründen nach ihrer Legezeit nicht an die Futtermittelindustrie verkauft, sondern schlicht „entsorgt“ werden.

    Du bist da mit einer guten Portion kaufmännischen Geistes auf eine nachvollziehbare Lösung gekommen. Andere Mitbürger setzen aber nach wie vor auf die vermeintliche Sorgfaltspflicht des Staates und glauben, was sie schwarz auf weiß lesen können.

    Mir wurde übrigens inzwischen von drei Tierärzten geraten, meine immunschwache Hündin vegetarisch zu ernähren, weil normales Fleisch, auch das zum Verzehr für Menschen, zu sehr mit Giftstoffen und Hormonen belastet wäre …

    Liebe Grüße und lass dich nicht vom Denken abhalten

  • Antworten Sven Kaminski 24. Oktober 2019 um 9:21

    Es wird sich viel darüber gestritten, welches Hundefutter man kaufen sollte und das für eine Tierart, die ohne zu zögern die eigene Kotze fressen würde! Unsere Hunde haben früher immer von dem gelebt, was bei Tisch übrig war und das ganz ohne Allergien und ständige Arztbesuche! Auch sind unsere Hunde damals immer weit über 10 Jahre Alt geworden….. Ich glaube auch, das es eine große Diskrepanz zwischen Mensch und Hund gibt, was das Thema gutes Hundefutter angeht. Aber so ist das, Früher haben die Hunde um die Familie drum rum gelebt, Heute lebt die Familie um den Hund!

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