Drinnen

Der Floh. Ein Drama in vier Bissen.

1. Mai 2017
Hund Flöhe

Alle mögen Panini. Außer den Parasiten. Sie kann charmant sein, wie sie will – seit langer Zeit machen Milben, Zecken, Flöhe und Würmer einen Bogen um sie. Ich finde das vollkommen in Ordnung. Man kann nicht von allen geliebt werden. Nun ist es aber natürlich immer mal möglich, dass – sagen wir, ein Floh – schon sehr lange auf einem Hund lebt und deshalb kurz vor einem Bore Out steht. Er kennt jedes Haar in und auswendig, die Bewirtung findet er eher mäßig und überhaupt – nichts los auf diesem Hund. Trotzdem wäre es natürlich unklug, sich einfach so ins Gras fallen zu lassen. Wer weiß, wann der nächste Hund kommt, wenn man keinen ÖPNV-Plan hat? Besser ist es doch, man wartet, bis ein Hund vorbei kommt, und steigt dann um. Etwa auf den 9:20 Uhr-Hund. In so einem Fall könnte Panini ja auch einmal einen Floh erwischen. Oder sagen wir, der Floh könnte Panini erwischen. Quasi aus Versehen. Schnell würde der Floh dann merken, dass er diese Sorte Blut ü-ber-haupt nicht ausstehen kann. Was aber dann? Wenn weit und breit kein anderer Hund in der Nähe ist? Dann könnte er doch auch einmal nachschauen, ob das Blut von diesem großen Dings nicht auch ginge. Zur Not. Alles besser als Brötchen-Blut.

Ich glaube, genau so muss es sich zugetragen haben. Denn ich wachte eines morgens auf mit vier Bissen an den Beinen. Die teuflisch juckten. Sie sahen aus wie eine charakteristische Floh-Straße. Vom Floh war weit und breit nichts zu sehen. Ich untersuchte Panini gründlich. Nichts. Ich ging zum Computer und googelte. In den gefundenen Texten fanden sich Begriffe wie „Kammerjäger“, „mehrmals täglich saugen“, „Staubbeutel sofort entsorgen“, „Teppiche entfernen“, „Krankheiten übertragen“ und „Blutvergiftung“.

Ich testete „Bite away“, einen Stift, der einem die Stich- oder Bissstelle wegsengt. Wenigstens fühlt es sich so an. Der Stift erhitzt sich punktuell auf 50 Grad, damit wird angeblich das Protein des Tierspeichels denaturiert und so wird kein Histamin ausgeschüttet – der Juckreiz geht. In der Theorie. Ich versuchte es einen halben Tag lang. Am nächsten Tag war mein Bein um das doppelte angeschwollen. Es juckte wie doof.

Panini staunte. Das ist nur wegen Dir, sagte ich. Hättest Du Dir nicht auch mal einen Floh einfangen können wie andere Hunde auch? Warum muss ich die Sache schon wieder ausbaden? Einbeinig saugte ich mehrmals täglich das Bett ab. Die Vorstellung, der Floh könnte irgendwo in einer Ritze seinen Blutrausch ausschlafen, um mich in der nächsten Nacht abermals heimzusuchen, gefiel mir gar nicht. Obwohl mich nachts kaum irgendetwas unbemerkt überfallen konnte, ich war nämlich dauerhaft wach. Es juckte und brannte, als würde ich in einem Topf aus Hagebutten und Brennnesseln stehen. An Schlaf war nicht zu denken. Inzwischen hatte ich mir eine Salbe mit Hydrocortison besorgt. Damit ging zwar die Schwellung zurück, der Juckreiz aber blieb. Alle zwei Stunden stand ich auf, um mir einen neuen Essigwickel anzulegen. Das Bein ruhte auf einem Kühlpack. Panini leckte mir die Nasenspitze ab. Das war zwar nett gemeint, half aber nur auf der Gefühlsebene, während zwei Stockwerke darunter weiterhin ein flammendes Inferno tobte.

War ich allergisch gegen gelangweilte Hundeflöhe, die auf meinem Hund nicht einkehren wollen? Wer braucht diese garstigen Tiere überhaupt? Nach vier Tagen der Pein telefonierte ich mit meiner Schwester, die Apothekerin ist und schilderte ihr das Erscheinungsbild meines unästhetischen Beins. Das war kein Floh, sagte sie trocken. Das war eine Kriebelmücke. Ich googelte. Und tatsächlich: die ekligen, fleckigen, abscheulichen und unappetitlichen Menschen auf den Bildern sahen genauso aus wie ich! Ich googelte weiter. Von Kammerjägern und aufgerollten Teppichen stand da nichts. Kriebelmücken sind nur draußen aktiv. Sie stechen nicht, sie beißen. An der Bissstelle bilden sich eitrige Wasserbläschen (genau!). Sie sind am frühen Morgen oder in der Dämmerung aktiv. Am Abend war ich mit einer Jogginghose im Garten gestanden und hatte Panini zugesehen, wie sie den halben Garten umzugraben versuchte, bevor sie sich endlich zum Wasserlassen entschließen konnte. Ich war ein Barbecue für eine Kriebelmücke.

Panini war unschuldig. Natürlich. Was auch sonst. Ich gab ihr einen Extra-Keks und sie drückte mir zum Dank ihre feuchte Nase ins Auge. Mein Bein war noch immer ein Inferno. Ich ging ins Bad und erinnerte mich an einen Griechenland-Urlaub, in dem ich eine schlimme Brandwunde hatte. Und weit und breit keine Apotheke in Sicht war. Ich pieselte auf ein Wattepad und betupfte damit die Bisse. Der Juckreiz ging sofort zurück und kam nie mehr wieder. Das Beste und Einfachste fällt einem natürlich nie ein, wenn man es mal braucht. Aber so kann das eben gehen, wenn man keine Flöhe hat.

Diese und viele weitere Panini-Geschichten gibt es jetzt auch im E-Book “Ein Hund namens Brötchen”

Titelbild © RyanJLane – istockphoto.de

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3 Kommentare

  • Antworten Ulrike 1. Mai 2017 at 22:39

    Die Biester haben mich auch mal gebissen! Ich sach dir, das gibt erst fiese dicke Blasen. Dann nochmal. Dann musste ich, weil das Ganze anfing, sich zu entzünden, eine Mördersalbe draufmachen. Es bildet sich ein Loch in der Haut, das dann langsam wieder zuwächst. MUSS das so ein Biestervolk geben?! Kann Gott das gewollt haben??

  • Antworten Inken 3. Mai 2017 at 10:25

    Und ich dachte letztes Jahr, dass die Mücken immer böser werden. Wieder einmal etwas gelernt :-)

  • Antworten Regina 26. Mai 2017 at 13:05

    Was den ” bite away ” betrifft: bei Mückenstichen normaler Art kann ich ihn sehr empfehlen!
    Auch bei Bremsenstichen habe ich ihn schon getestet, da ist es etwas Schwieriger aber bei mir immer noch besser als jede Soventol…etc. Creme mit Kortison. Auf Essig äußerlich reagiere ich hochgradig allergisch.
    Zwiebel, die auch immer wieder empfohlen wird löst bei mir ebenfalls allergische Reaktionen aus.
    LG an alle Geplagten!