Draußen

Allein mit Hund. In der Stadt. Ja und?

13. April 2015

Der Weg zum Hund kann ein steiniger sein, zumal, wenn man nicht nur mit viel Gefühl, sondern auch mit einem halbwegs wachen Oberstübchen ausgestattet ist. Zu Beginn habe ich mir alle Möglichkeiten offen gehalten – vom privaten Angebot über das Tierheim und den Auslandstierschutz bis hin zum Züchter. Als erstes kippte letzteres aus dem Regal der Optionen. Erstens wollte ich keinen Welpen. Als „Alleinerziehende“ muss ich das Tier auch mal für berufliche Termine (und sonstiges) völlig unbeaufsichtigt lassen können, das geht mit einem Welpen zunächst kaum. Die Pipi-Frequenz tut ihr übriges. Die Rassen, die mich interessiert hätten, wie etwa der Kromfohrländer sind zum Glück noch nicht krank- und kaputtgezüchtet, das hätte man also wagen können. Aber dann kommt außerdem das zweite Argument zum Tragen. Die Welt ist voller herrenloser erwachsener Hunde, die ein Zuhause gut brauchen könnten. Es kommt mir komisch vor, nicht zuallererst an sie zu denken.

Einmal Tierheim und zurück.

Also durchforstete ich Tierheime – online geht das sehr gut. Und es stimmt, die Tierheime sind voll. Vor allem mit Tieren, die älter sind als 5 Jahre, größer als 50 cm, schwerer als 20 Kilo. Für mich Ausschlusskriterien. Ich wohne im 3. Stock ohne Aufzug. Allein. Ich muss ein vielleicht mal verletztes Tier notfalls tragen können.

Hier im Rhein-Main-Gebiet, in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Darmstadt, sind die Tierheime außerdem voll mit sogenannten Listenhunden. „Kampfhunde“ im Volksmund. Selbst die sonst so erwünschten Gassigeher sind hier nicht gefragt, wenn sie nicht die Lizenz haben, Listenhunde zu führen. Ich wollte keinen Kampfhund, auch wenn ich die Klassifizierung fragwürdig finde. Die Hundesteuer für Listenhunde beträgt in Frankfurt 900,-, exakt das zehnfache der üblichen Hundesteuer. Reduziert werden kann dieser Betrag nur durch eine Begleithundeprüfung. Dann wird der Hund nur noch zweieinhalb mal so teuer. So war die vermeintlich riesige Schar der Tierheimhunde, die bei mir einziehen könnten, am Ende gar keine.

Hinzu kommt, dass Tierheime häufig sehr kritisch sind, was die Auswahl der Adoptanten betrifft. Bei einem verträglichen kleinen, jungen Familienhund hätte ich nie eine Chance – hier bekommt immer die Familie mit dem Haus am Stadtrand mit Garten den Zuschlag. Allein mit Hund – schwierig. Eine Einzelperson, die mitten in der Stadt im 3. Stock wohnt, ist sofort raus aus dem Frauchen-Roulette.

Nicht gut genug für den Tierschutz.

Selbst Tierschutzorganisationen, die im Ausland tätig sind, erteilten mir Absagen. „Wir vermitteln nicht in eine Großstadt“ und „Wir vermitteln nicht in Etagenwohnungen“ habe ich öfter gehört. Ich verstehe, dass Organisationen das beste für ihre Tiere wollen. Aber ich habe oft von Hunden gehört, die in den Garten gelassen statt Gassi geführt werden. Die draußen selten etwas anderes riechen als ihren eigenen Haufen von gestern. Die in dem schmucken Haus am Stadtrand täglich 6 Stunden alleine gelassen werden weil Herrchen und Frauchen aushäusig berufstätig sind. Es fällt mir schwer zu verstehen, warum das die bessere Unterbringung sein soll. Ich wollte mit dem Hund laufen gehen. Mehrfach in der Woche im Wald, im Feld und am Flussufer unterwegs sein. Das interessierte niemanden.

Ich habe gefühlte 762 Webseiten von Tierschutzorganisationen durchforstet. Gemailt. Telefoniert. Und viel, viel gelernt. Auch über den Tierschutz. Über Fragwürdiges und Bedenkenswertes. Ich will das aufschreiben, auch dafür gibt es diesen Blog.

Am Ende landete ein verletztes Tier bei mir, dem man vor dem Flug offiziell beste Gesundheit bescheinigte. Dessen Pflegestelle nicht geeignet war, den Hund an ein normales Leben im Haushalt zu gewöhnen, sie war nur als Absprungrampe gedacht. Panini war nicht auf Mittelmeerkrankheiten getestet, das machte ich vor der Vermittlung auf eigene Kosten. Niemand kümmerte sich um ihre Parasiten, erkannte ihre Schmerzen. Es ist ein komisches Ding mit der „Rettung“ von Hunden. Nun bin ich allein mit Hund. In der Stadt. Zu unser beider Glück.

 

Titelbild © kallejipp – photocase.de

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4 Kommentare

  • Antworten Bo 9. Mai 2015 um 19:11

    Ich habe gar keinen Kommentar. Aber es gibt ja keinen Like-Knopf, auf den ich 27 mal drücken könnte. 🙂

  • Antworten Robert 25. November 2015 um 21:19

    Schön dass es dann doch noch geklappt hat auch wenn der Weg etwas steinig war. Dafür hast du jetzt einen wirklich knuffigen Kerl und wenn ihr beide glücklich seid dann passt es doch. Wünsche euch eine lange gemeinsame und glückliche Zeit.

    • Antworten Heidi 25. November 2015 um 23:28

      Dankesehr!

  • Antworten lottalo5 12. Juni 2017 um 14:57

    Ist zwar schon ein Weilchen her, dein Artikel, aber da ich erst seit etwa sieben Monaten wieder Hundemama bin, erschließe ich mir erst jetzt die Welt der Hundeblogs, von deren Vielfalt ich wirklich schwer beeindruckt bin und ich muss sagen, dass mir dein Schreibstil enorm gut gefällt. Die Artikel könnten ruhig drei – oder viermal so lang sein 🙂 Meine Hundedame sieht Panini sogar ein bisschen ähnlich, zumindest was die Fellzeichnung und die Schlappohren betrifft. Warum ich jetzt hier tatsächlich etwas schreibe, obwohl ich mir das eigentlich selbst verboten habe, ist der Fakt, dass ich, ebenfalls im Rhein-Main-Gebiet zuhause, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht habe: Als mein Kater gestorben war und ich nach einem halben Jahr völliger Haustierabstinenz vor lauter Sehnsucht nach einem neuen Hausgenossen kapitulierte, dachte ich, im örtlichen Tierheim würde man mir den roten Teppich ausrollen, wenn ich ganz anspruchslos nach einem neuen Mitbewohner frage. Ich wollte keine junge Katze, Farbe war mir egal, ich habe Garten und viel Platz, es gibt keine kleinen Kinder, die so ein Tierchen vielleicht zu grob anfassen könnten, ich habe langjährige Katzenerfahrung… Nöö, das war alles gar nicht im Sinn des Tierheims: Erstens wollte man mir auf jeden Fall zwei Katzen vermitteln und zwar recht willkürlich ausgewählt, und dann sei ich als Single ja sowieso den ganzen Tag nicht zuhause und na ja, die idealen Umstände für eine Katze seien das ja nicht.( Ich frage mich heute noch, woher die eher mäßig engagierte Tierpflegerin das eigentlich wissen wollte, sie kannte mich ja nicht und hatte sich nicht mal nach meinem Beruf erkundigt!) Zusätzlich verlangten sie einen Betrag pro Katze, der mir übertrieben hoch vorkam. Alles in allem machte die ganze Situation auf mich den Eindruck, man wolle mir gar kein Tier vermitteln – die Zeit der alljährlichen Katzenschwemme war halt grade nicht- und ich ging völlig perplex und desillusioniert nach Hause. Glücklicherweise gibt es bei uns auch private Tierschutzorganisationen, die mit sehr viel Menschenkenntnis und Sachverstand geführt werden, und von denen ich meine süße Katze adoptierte und nun auch meinen tollen Hund. Dort wurde mir übrigens von anderen Fällen berichtet, in denen teilweise ein halbes Jahr darum gerungen wurde, bis das arme Waisentier endlich zu seinem neuen Besitzer ziehen durfte. Diese wichtige und anstrengende Arbeit in allen Ehren, aber man kann doch nicht wirklich annehmen, dass die Tiere es dort auf Dauer besser haben, als bei einem engagierten Menschen, der sich für sein neues Haustier zwei Beine ausreißen würde, nur damit das Tier glücklich ist! Wenn man mich auf Herz und Nieren getestet hätte- kein Problem, aber mich einfach abzulehnen, weil ich nicht die 1,2 Kinder vorzuweisen hatte und als Hausfrau den ganzen Tag zuhause gewesen wäre… wer ist das schon heute noch? -das hat sehr an mir genagt.

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